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Bildrechte: David Friedmann / BR

Das Team der Walter-Apotheke in Obergiesing

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    Gratis-FFP2-Masken: Staatliches Weihnachtsgeschenk mit Tücken

    Seit Dienstag dürfen sich Menschen, die über 60 Jahre alt sind und/oder zur einer Risikogruppe gehören, in Apotheken gratis drei FFP2-Masken abholen. Das ist nicht einfach - weder für die Abholer noch für die Apotheker.

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    Von
    • David Friedman
    • BR24 Redaktion

    Egal, ob in Regensburg oder dem mittelfränkischen Laufamholz: Der Ansturm auf die staatlichen Gratis-FFP2-Masken ist bayernweit groß. Auch in München. Am Giesinger Bahnhofsplatz steht eine ältere Frau vor der Aquila-Apotheke und liest einen Zettel an der Tür. Was drauf steht, hat sie schon fast erwartet:

    "Im Moment keine FFP2-Masken vorrätig. Lieferung wird erwartet."

    Von acht abgefragten Apotheken haben fünf keine FFP2-Masken auf Lager.

    Vorweihnachtliche Logistik-Probleme

    Oliver Täuber, Inhaber der Aquila-Apotheke, berichtet, dass er seinen Restbestand schon am Dienstagmorgen losgeworden sei. Jetzt wartet er auf den Nachschub, der im Lauf des Tages eintreffen sollte: "Es liegt jetzt an den Lieferanten, uns zeitnah zu versorgen."

    Eine Sache der Logistik. Viele Masken-Lieferungen kommen über diverse Paket-Zusteller. Und die sind momentan mit dem Weihnachtsgeschäft überlastet. Die Lieferungen kommen mal früher, mal später.

    Wer Masken braucht und wer sie bekommt

    Die Walter-Apotheke wenige Häuserblocks weiter hat ihre Massen-Maskenlieferung schon im Spät-Herbst erhalten. 9.000 Stück - zur Gratis-Abgabe von bis zu 7.000 Masken sei sie nun verpflichtet, sagt die Apothekerin. Eine Gruppe älterer Menschen steht Schlange vor einem improvisierten Stand an der Tür. Auf einem runden Tischchen liegen Tüten mit FFP2-Masken, daneben Namenslisten zum Ausfüllen aus. Was sie bräuchten, um ihr Masken-Set zu bekommen, fragen die Interessenten.

    Die Apothekerin antwortet: "Ihren Personalausweis bitte! Da ist ihre Anschrift drauf. Ihr Name. Ihr Geburtsdatum. Ob sie über 60 sind. Und falls sie eine chronische Krankheit hätten, bräuchten wir ein Zeugnis darüber."

    Doch woher soll die Apothekerin wissen, ob man schon in zehn anderen Apotheken war, um sich Gratis-Masken zu besorgen? Kontrollieren könne man das kaum, sagt Apothekerin Barbara Walter. Andererseits seien die Menschen in der Schlange fast alle Stammkunden.

    Die Masken-Schlange als Risikofaktor

    Richtig glücklich ist das Team der Apotheke mit der Aktion nicht - und das liegt nicht nur am Mehraufwand. Denn die Menschenschlange am Ausgabetisch vor der Tür wird immer länger. So viele Menschen auf einem Haufen in Corona-Zeiten? Eine Mitarbeiterin wird deutlich:

    "Ein Schwachsinn, sowas jetzt zu machen. Eigentlich hätte man da ja ein halbes Jahr Zeit gehabt, mal darüber zu sprechen und das gescheiter durchzugehen. Aber ich glaub, das ist ein bisschen, um die Bevölkerung zu besänftigen." Mitarbeiterin der Walter-Apotheke

    Der Bayerische Apothekerverbands (BAV) appelliert inzwischen an die Abnehmer, nicht unbedingt in den ersten Tagen der Aktion zu kommen - schließlich seien Apotheken vom allgemeinen Lockdown der nächsten Zeit ausgenommen.

    Die Idee hinter der Gratis-Masken-Verteilung

    Als Schutz für Menschen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Corona-Krankheitsverläufe hat der Bund die Ausgabe der Masken für diesen Winter beschlossen. Im ersten Schritt sollen über 60-Jährige und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen von Dienstag an drei Masken gratis in der Apotheke holen können. Die Berechtigten bekommen die Masken nach Vorlage ihres Personalausweises, "oder nach nachvollziehbarer Darlegung des Anspruchs durch Eigenauskunft", wie es im Verordnungsentwurf der Regierung heißt. Zum Abholen ist Zeit bis zum 6. Januar.

    In einem zweiten Schritt sollen die Berechtigten im kommenden Jahr ab Januar bis Mitte April dann zusätzlich zwei Coupons für je sechs Masken erhalten. Die fälschungssicheren Coupons sollen von den Krankenkassen ausgegeben werden. Insgesamt gibt die Bundesregierung 400 Millionen Schutzmasken aus, was den Bund laut Verordnung 2,5 Milliarden Euro kostet.

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