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Bildrechte: picture-alliance/dpa

Die Exportmärkte brachen drastisch ein, aufgrund der Sperrung der Gastronomie sank die Nachfrage nach Pommes und nach Rindfleisch. Die Bauern bleiben auf ihren Produkten sitzen oder hatten zumindest starke Einbußen.

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Corona-Folgen: Bilanz der Agrar- und Ernährungswirtschaft

In der Corona-Krise bestimmen Sorgen um die Gesundheit, aber auch wirtschaftliche Folgen das Geschehen – auch in der Landwirtschaft. Die Nachfrage nach den Erzeugnissen hat sich für viele Betriebe über Nacht verändert.

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Von
  • Chris Köhler
  • Andrea Faltermeier

Seit Ende 2019 breitet sich das Coronavirus aus, und längst hat es sich aber zu einer globalen Krise ausgeweitet. So mancher Bauer dachte sich wohl zu Anfang noch, in der Ernährungswirtschaft werde sich schon nicht so viel ändern. Schließlich müssen Menschen ja essen.

Doch quasi über Nacht brach die Nachfrage nach den Erzeugnissen ein. Insbesondere durch den Ausfall von Hotellerie und Gastronomie, aber auch durch ins Stocken geratene Exporte oder fehlenden Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland.

Heftige Turbulenzen

Viele Betriebe waren vom Pandemie-Lockdown voll betroffen. Sie sind es immer noch – wie zum Bespiel der 320-Hektar-Betrieb Zollner in Eitting. Zusammen mit den Söhnen Georg und Johannes betreibt Konrad Zollner eine Gemüsegärtnerei unter Glas und Kartoffelanbau. Für seine Kartoffeln, die zu Knödeln und Klößen, Kroketten und Pommes Frites weiterarbeitet werden, fand er keine Abnehmer mehr. Wenn der Großhandel nicht kauft, bleiben die Produkte bei den Landwirten.

Alles in allem schätzen Marktexperten für Nordwesteuropa einen Überhang allein an Fritten-Kartoffeln von rund zwei Millionen Tonnen. Ab Juli werden die Kartoffeln auch nicht mehr zu vermarkten sein, da sie keimen und verderben.

Wohl dem Bauern, der ein zweites Standbein hat

Analysten der Allianz-Versicherung rechnen mit einer beispiellosen Pleitewelle in Europa; zu den davon besonders stark gefährdeten Sektoren zählt auch die Agrar- und Ernährungswirtschaft. Bauern wie Konrad Zollner appellieren an den Staat, der deutschen Kartoffelbranche in Anlehnung an Belgien und die Niederlande mit Soforthilfen unter die Arme zu greifen.

Gewinner sind frisches Obst und frisches Gemüse

Nach Auskunft der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH in Bonn hat sich die Corona-Pandemie bis zur Woche 9 - also der letzten Februar-Woche - kaum auf den deutschen Lebensmittelmarkt ausgewirkt. Danach waren es zuerst die Discounter, die profitiert haben, später auch Sondereinkaufsstätten wie Wochenmärkte und Bauernhof-Läden.

Rindfleisch ist der stärkste Verlierer

Mit dem "Lockdown" ist für viele Rindfleischerzeuger der Absatzmarkt über die Gastronomie über Nacht weggebrochen. Insbesondere sind die Segmente betroffen, in denen Export und Außerhaus-Verpflegung eine große Rolle spielen. So sind beim Kuh- und Färsenfleisch die Erzeugerpreise besonders stark eingebrochen, nicht ganz so stark die Preise für Jungbullenfleisch.

Auch beim Schweinefleisch kam durch den Rückgang beim Export ein deutlicher Preisverfall. Ähnlich ist es beim Geflügel. In der Fleischerzeugung ist also keiner komplett unbeschadet geblieben.

Verflochtene Wertschöpfungsketten

Keine Nachfrage, gestoppte Produktionen, stockende grenzüberschreitende Warenlogistik – und zwar weltweit: Nach den Worten von Isabella Timm-Guri, der Direktorin für den Fachbereich Erzeugung und Vermarktung beim Bayerischen Bauernverband, macht das deutlich, wie verflochten heute die Wertschöpfungsketten in globalisierten Zeiten sind. So sei auch die Nachfrage der Automobil- und Möbelerzeugung nach Leder weggebrochen. Oder die Gerbereien in Südeuropa arbeiteten über Wochen nicht.

Bauernverband übt auch Kritik am Lebensmitteleinzelhandel

Nach Ansicht von Isabella Timm-Guri vom Bayerischen Bauernverband trug der Lebensmitteleinzelhandel zum Beispiel an Pfingsten zusätzlich noch etwas zur sowieso angespannte Marktsituation im Sektor tierischer Erzeugnisse bei, indem er zum Beispiel Edelteile aus Irland oder Südamerika im Angebot hatte, was in einer ohnehin schon belasteten Marktlage unnötig sei.

Milchbranche ist vergleichsweise zuversichtlich

Auch die bayerischen Milchbauern hatten Probleme: Der Export nach Italien etwa – der immerhin rund 30 Prozent aller Milchprodukte bayerischer Molkereien ausmacht – war gestört und ist es noch.

Doch Milch musste nicht vernichtet werden. Deshalb zeigt sich der Verband der Milcherzeuger in Bayern auch eher zuversichtlich. Wenngleich sich derzeit nicht genau beziffern, sondern nur grob abschätzen lässt, wie sich die Pandemie auf die Milchmarktpreise auswirkt.

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