BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Fälle in Friedberg: Ämter und Klinik beziehen Stellung | BR24

© BR
Bildrechte: dpa / picture alliance

Ein massiver Corona-Ausbruch hat das Krankenhaus Friedberg in die Schlagzeilen gebracht. Es ist von schweren Versäumnissen die Rede. Weitere Informationen soll es jedoch erst nach Vorliegen eines Abschlussberichtes geben.

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Fälle in Friedberg: Ämter und Klinik beziehen Stellung

Das Friedberger Krankenhaus "will nichts vertuschen oder verschleiern": Landratsamt, Gesundheitsamt und Krankenhaus bezogen am Mittwoch erstmals Stellung zu den Vorwürfen rund um den Corona-Ausbruch in der Klinik.

3
Per Mail sharen
Von
  • Andreas Herz
  • Anna Klein
  • Beate Mangold

Die Lage in Friedberg ist angespannt: Nach den Vorwürfen gegen das Krankenhaus Friedberg im Zuge eines Corona-Ausbruchs hat die Klinik-Leitung Betroffenheit geäußert und Kritik zurückgewiesen. "Ich möchte tiefes Bedauern ausdrücken, wenn es zu komplizierten Verläufen gekommen ist", so Klinik-Geschäftsführer Hubert Mayer in einer Pressekonferenz im Landratsamt. Er äußerte sein "aufrichtiges Mitgefühl" gegenüber den Angehörigen der Verstorbenen.

Vorwurf: Hygienemängel und Fehler im Umgang mit Infektionen

Grund für die Pressekonferenz war ein Zwischenbericht der Task Force des Landesamts für Gesundheit (LGL), die den Corona-Ausbruch untersucht. Darin werden der Klinik Hygienemängel und schwere Fehler beim Umgang mit Infektionen im Krankenhaus vorgeworfen. 93 Patienten und Mitarbeiter aus der Klinik, in der eigentlich gar keine Corona-Fälle behandelt werden, wurden laut dem Zwischenbericht zwischen November und Januar positiv auf das Coronavirus getestet. Sieben Menschen seien nach BR-Recherchen verstorben - was die Klinikleitung jedoch in einer Stellungnahme bestreitet.

Klinikleitung: Behandlung in Friedberg ist sicher

Klinik-Leiter Mayer betonte, dass die stationäre und ambulante Behandlung nach den Möglichkeiten "sicher war und ist". Er räumte aber ein, dass möglicherweise nicht immer alles optimal gelaufen sei. Mayer räumte ein, es seien sicher auch Fehler gemacht worden - ohne dass er diese jedoch konkret benannte. Die Klinik habe aber zu keiner Zeit die Absicht gehabt, "etwas zu vertuschen oder zu verschleiern". Diesen Eindruck hätten Passagen aus dem Zwischenbericht der Task Force erweckt.

Infektionsfälle nicht ordnungsgemäß zurückverfolgt?

Beispielsweise habe die Klinik bei einer infizierten Ärztin erklärt, dass wohl deren Kinder sie angesteckt hätten – ohne zu prüfen, ob die Kinder überhaupt Corona hatten, so die Kritik der Task Force. Eine Prüfung im Umfeld der Klinik sei nicht geschehen. Die Klinik betonte, selbst keine Nachforschungen im privaten Umfeld durchführen zu können, man habe aber "Umfeld-Informationen" ans Gesundheitsamt weitergegeben. Auch eine Einzelfallbewertung von innerklinischen Infektionen habe es gegeben, wenn auch zunächst nicht schriftlich.

Erst der Abschlussbericht prüft Infektionswege

Klaus Metzger (CSU), der Landrat des Landkreises Aichach-Friedberg, erklärte, dass inzwischen ein abschließender fachlicher Bericht des LGLs vorliege. Dieser würde nun vom Gesundheitsamt geprüft, die Krankenhaus-Leitung solle eine Stellungnahme dazu abgeben. Erst danach werde der offizielle Abschlussbericht der Task Force vorliegen. In dem Bericht würden vor allem die Infektionswege geprüft, so Kirsten Höper, Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises. Die Task Force – die von Höper eingeschaltet wurde – wird das Handeln des Gesundheitsamts selbst nicht prüfen.

Kritik am Gesundheitsamt

Auch Höper steht in der Kritik, weil sie erst am 18. Januar offiziell ein Ausbruchsgeschehen gemeldet hat, also gut zwei Monate nach Beginn des Corona-Ausbruchs am Krankenhaus Friedberg. Auf die Frage, ob dies angesichts von fast 100 Infektionen so richtig war, entgegnete Höper nach einer langen Pause: "Retrospektiv muss man sich diese Frage stellen."

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!