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Corona: Fachverbände für Schwangerschaftsabbruch zu Hause | BR24

© dpa

Demo gegen Paragraf 219a im Herbst 2019

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    Corona: Fachverbände für Schwangerschaftsabbruch zu Hause

    Mehrere Fachverbände fürchten in der Corona-Krise um ungewollt Schwangere. Der Zugang zu straffreien Schwangerschaftsabbrüchen sei gefährdet, heißt es in einem offenen Brief.

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    In einem offenen Brief haben sich die Bundesverbände pro familia, ProChoice und Doctors for Choice stark gemacht für flexiblere Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs in der Corona-Krise.

    Die gesetzliche Frist, bis zu der ein Abbruch nach der Beratungslösung straffrei ist, beträgt in Deutschland zwölf Wochen. Die Medizinerin Christiane von Rauch, die auch Vorsitzende von ProChoice in Deutschland ist, macht sich Sorgen, dass viele Frauen diese Frist aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr einhalten könnten.

    Leben und Gesundheit der Frauen könnten in Gefahr sein

    Laut Christiane von Rauch lassen Erfahrungen aus China sowie erste Berichte der Frauennotrufe in Deutschland befürchten: Infolge der Corona-Maßnahmen werden häusliche Gewalt, sexuelle Gewalt und Vergewaltigungen zunehmen. "Ungewollt schwangere Frauen sind derzeit in großer Not und zum Teil auch in Gefahr", so Christiane von Rauch.

    Denn ohne geregelte Abbruchmöglichkeiten könnten Frauen wieder vermehrt zu unsicheren Abtreibungsmethoden greifen. Solche unsichere Abtreibungsmethoden bergen die Gefahr von gesundheitlichen Schäden wie Entzündungen, Blutungen, Unfruchtbarkeit und im schlimmsten Fall den Tod.

    Beratungstermine nur begrenzt möglich

    Aktuell müssen ungewollt Schwangere drei bis vier persönliche Termine außer Haus wahrnehmen, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu können: Die Pflichtberatung, eine gynäkologische sowie eine Ultraschalluntersuchung, den Abbruch selbst und eine Nachuntersuchung.

    Christiane von Rauch warnt: "Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Beratungsstellen inzwischen zum Teil geschlossen oder ein reduziertes Angebot. Zudem fehlt es in den Arztpraxen und medizinischen Zentren an Schutzausrüstung und es kommt zu langen Wartezeiten." Auch für die Frauen selbst werde es schwieriger oder zum Teil unmöglich, einen Beratungstermin aufzusuchen, beispielsweise, wenn sie gerade selbst in Quarantäne sind.

    Fachverbände: Politik muss Frauenleben retten

    In ihrem offenen Brief fordern pro familia, ProChoice, der Arbeitskreis Frauengesundheit und Doctors for Choice die Landesregierungen, die Krankenkassen und ihre Arztkollegen dazu auf, weiterhin Frauenleben zu retten. Ärzte sollen medizinische Beratung via Video oder Telefon anbieten können.

    Die Fachverbände setzen sich außerdem für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch ein, den die Frauen bis zur neunten Schwangerschaftswoche zu Hause durchführen können – mit telemedizinischer Begleitung und nur einem physischen Termin in der Arztpraxis. "Dies entspräche annähernd den Empfehlungen der WHO", sagt Christiane von Rauch.

    Ort der Medikamenteneinnahme nicht ausschlaggebend

    Auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) ist 2015 zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Abbruch zu Hause, ein sogenannter "Homeuse", bis zum 63. Tag der Schwangerschaft eine sichere Methode darstelle. Das Blutungsrisiko ist laut DGGG nicht erhöht, zudem würden viele Frauen diese Variante bevorzugen und hielten die Entscheidung auch im Nachhinein für richtig.

    In Schweden beispielsweise gibt es bereits seit 2004 die offizielle Empfehlung, Frauen die Wahlmöglichkeit zu geben, ob sie den Schwangerschaftsabbruch bis zum 63. Tag lieber in einer medizinischen Einrichtung oder zu Hause durchführen möchten.

    Schwangerschaftsabbruch gesetzlich streng geregelt

    Grundsätzlich ist eine Abtreibung in Deutschland im Strafgesetzbuch geregelt und nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei, wenn die Frauen sich vorher beraten ließen - durch das sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatungsgespräch. Nach einer solchen Beratung oder aber infolge einer kriminologischen bzw. medizinischen Indikation ist eine Abtreibung zulässig.

    Eine erste Anlaufstelle für ungewollt schwangere Frauen kann das kostenlose zentrale Hilfetelefon der Bundeskampagne "Schwanger und viele Fragen" sein. Das Hilfetelefon ist rund um die Uhr kostenlos und anonym unter der Nummer 0800 40 40 020 zu erreichen.