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Corona: Erzbistum München-Freising sagt alle Gottesdienste ab | BR24

© pa/dpa/Michael Debets

Kardinal Reinhard Marx

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    Corona: Erzbistum München-Freising sagt alle Gottesdienste ab

    Das Erzbistum München und Freising sagt wegen des Coronavirus alle öffentlichen Gottesdienste ab. Ab sofort gibt es in den katholischen Kirchengemeinden keine Gottesdienste mehr. Kardinal Marx erklärte: "Das ist nicht das Ende des Gebets."

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    Das Erzbistum München-Freising sagt alle öffentlichen Gottesdienste ab - zunächst bis zum 3. April. Man sei sich bewusst, dass dieser Schritt das kirchliche Leben der Gläubigen erheblich einschränke, heißt es in einer Mitteilung des Erzbistums. Dennoch habe derzeit Vorrang, "der Ausbreitung des Virus durch die Zusammenkunft von Menschen nicht weiter Vorschub zu leisten".

    Das heißt: Schon am Samstag soll es in den katholischen Kirchengemeinden im Erzbistum München keine Gottesdienste mehr geben. Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, entbindet die Gläubigen ausdrücklich von der sogenannten Sonntagspflicht, also von der Pflicht, am Sonntag eine Heilige Messe zu besuchen.

    Ob öffentliche Gottesdienste an den Osterfeiertagen stattfinden, soll später entscheiden werden. München-Freising ist das erste Bistum, das zu dieser Maßnahme greift. Andere werden wohl folgen: Am Vormittag hatte Bayerns Ministerpräsident Söder die Absage aller Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern empfohlen.

    Kardinal Marx: "Das ist nicht das Ende des Gebets"

    Kardinal Reinhard Marx appellierte an die Gläubigen, Solidarität zu zeigen: "Es ist eine schwierige Situation, und die schneidet ein in unser kirchliches Leben." Es müsse aber in der Corona-Krise alles getan werden, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern, "besonders für die Kranken, für die Alten, für die Schwachen. Alle Fachleute sagen, es muss jetzt etwas geschehen, und da sind wir gefordert".

    Marx betonte: "Die Kirchen bleiben natürlich geöffnet zum Gebet: Wir sind verbunden in der Gemeinschaft des Gebets, besonders beten wir für die Kranken, für die Pflegerinnen und Pfleger, für die Ärzte." Er ergänzte: "Das ist nicht das Ende des Gebets." Auch in Notfällen werde Seelsorge weiter für die Menschen da sein.

    Von Sonntag an soll bis auf Weiteres jeden Tag ein Gottesdienst aus der Sakramentskapelle des Münchner Liebfrauendoms live im Internet und im Radio übertragen werden - jeweils sonntags um 10.00 Uhr sowie montags bis samstags um 17.30 Uhr.

    Bedford-Strohm verfasst bis dato einzigartige "Kanzelabkündigung"

    In Norddeutschland sind bereits alle evangelischen und katholischen Gottesdienste werden für das kommende Wochenende abgesagt. Die evangelische Landeskirche in Bayern bietet vorerst weiter Gottesdienste an. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wendet sich aber in einer bis dato einzigartigen "Kanzelabkündigung" an die Gemeinden.

    In dem heute veröffentlichten Schreiben, das am Sonntag in allen Gottesdiensten in Bayern verlesen werden soll, erklärt Bedford-Strohm, dass sich die evangelische Kirche an den "allgemeinen Präventionsbemühungen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus" beteilige. Kirchliche Veranstaltungen und große Gottesdienste müssten abgesagt werden, so der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

    Bistum Rom will Gläubigen Zutritt zu Kirchen verbieten ...

    Nicht nur in Bayern werden Gottesdienste abgesagt. Auch das Bistum Rom wollte bis 3. April den Gläubigen den Zutritt zu all seinen Gotteshäusern verwehren. "Diese Bestimmung dient dem Gemeinwohl", erläuterte Kardinalvikar Angelo De Donatis am Donnerstagabend seine Entscheidung. In den Pfarreien der Ewigen Stadt regte sich jedoch Widerstand gegen die strikte Regelung. Um dem Gemeinwohl zu dienen, müssten die Kirchen gerade in dieser schwierigen Zeit offen bleiben, so die Ansicht.

    Im Einklang mit den staatlichen Seuchenschutzvorgaben war es bislang weiter möglich, die Kirchen etwa für ein stilles Gebet zu betreten. Aber auch das wollte De Donatis unterbinden. Manch empörter Priester stellte insgeheim bereits Überlegungen an, mit welchen Tricks man das Dekret aushebeln könne. Sogar aus Kurienkreisen kam heftige Kritik: Die Schließung der Gotteshäuser sei ein Zeichen dafür, dass die Kirche "keinerlei Relevanz" mehr habe, sagte ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will. In anderen italienischen Bistümern, die wesentlich stärker vom Coronavirus betroffen sind, wollte man dem Vorstoß von De Donatis ebenso wenig folgen.

    ... scheitert aber am Widerstand von Priestern und Gläubigen

    Und so kassierte das Bistum Rom das Dekret vom Vorabend schon wieder wenige Stunden später. Die meisten römischen Kirchen bleiben geöffnet. In den "modifizierten" Bestimmungen ist zu lesen, dass in den Pfarrkirchen die Priester gemeinsam mit den Gläubigen über verantwortungsvolle Zugangsmöglichkeiten entscheiden mögen.

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