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Corona: Erstsemester und der holprige Start ins Uni-Leben | BR24

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Neue Stadt, neue Leute: In diesen Tagen starten viele Erstsemester ins Uni-Leben - wegen Corona allerdings meist nur virtuell.

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Corona: Erstsemester und der holprige Start ins Uni-Leben

Neue Stadt, neue Leute: In diesen Tagen starten viele Erstsemester ins Uni-Leben - wegen Corona allerdings meist nur virtuell. Das bringt Probleme mit sich: In eine fremde Stadt zu ziehen und dort Freunde zu finden, wird so noch schwieriger.

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Endlich weg von daheim: Ein neues Kapitel für Clara, Eva und Florian. Seit ein paar Wochen wohnen sie in Garching bei München - zusammen mit anderen Studenten in einer 5er-WG.

Eva (19) hat gerade in Österreich ihre Matura gemacht und startet jetzt in München mit dem Chemie-Studium. Florian (22) kommt aus Nordrhein-Westfalen und will an der Technischen Universität Elektro- und Informationstechnik studieren. Alles irgendwie aufregend: neue Stadt, neue Leute - wäre da nicht Corona.

Vorlesungen erstmal nur am Bildschirm

"Es ist schon anders, als man es sich gewünscht hätte", sagt Eva. Fast alle Vorlesungen und Seminare finden nun online statt. Nachdem die Corona-Infektionszahlen in den vergangenen Tagen stark angestiegen waren, wurden die meisten Veranstaltungen wie etwa auch Tutorien kurzfristig abgesagt. "Schade, aber die richtige Entscheidung", findet Florian.

Wenn es am Montag also mit den Vorlesungen losgeht, sitzen Florian und Eva vor dem Bildschirm - jeder für sich daheim, anstatt zusammen mit den Kommilitonen im Vorlesungssaal. Neue Freunde zu finden, ist so eher schwierig.

Gemeinschaft über WhatsApp-Gruppen

Gut, dass es die sozialen Medien gibt, findet Clara (20). Sie studiert ab diesem Semester in München Tiermedizin. Der gesamte Jahrgang ist etwa in einer WhatsApp-Gruppe vernetzt - rund 150 Studentinnen und Studenten. "Da schreiben täglich Leute rein und fragen, ob man sich treffen will", erzählt Clara. Schwierig sei nur, wenn auf eine Anfrage 50 Leute antworten. Schließlich durften sich nach den bisherigen Corona-Maßnahmen in München nur maximal fünf Leute zusammen treffen. "Bisher haben wir das aber immer gut hinbekommen", sagt Clara.

Digital Leute kennenlernen: "Überraschend leicht"

Florian hat zusammen mit anderen Erstis einen Discord-Server eingerichtet - eine Online-Plattform, auf der sich die Studierenden austauschen können: über Freizeitaktivitäten oder Uni-Aufgaben. Inzwischen seien schon knapp 400 Studentinnen und Studenten dabei. Es sei dann doch überraschend einfach, so früh und so schnell Leute kennenzulernen, meint Florian: "Die sind alle in einer ähnlichen Situation wie wir, suchen nach neuen Kontakten und schreiben in die Gruppe: Ich spiel ein Instrument oder ich hätte Bock, mal mit jemandem Sport zu machen"

Aber auch seine Uni sei bemüht, die neuen Erstis gut zu integrieren, findet Florian. Die Fachschaften organisieren etwa Campusführungen mit jeweils fünf Studierenden oder veranstalten eine Online-Gaming-Rallye. "Die geben sich echt Mühe und das ist wirklich cool", sagt Florian.

Virtuelle Rundgänge durchs Studentenwohnheim

Ähnlich sieht es im Studentenwohnheim im Münchner Olympiadorf aus. Rund 2.000 Studierende wohnen dort. Wie in allen Wohnheimen des Studentenwerks München gibt es auch hier Wohnheim-Tutoren und Haussprecher, die den Neuankömmlingen zur Seite stehen. Leonard Hoffmeier ist einer von ihnen. Gemeinsam mit den anderen Haussprechern organisiert er für Neuankömmlinge jeden Monat einen Rundgang durch das Olympiadorf und die Gemeinschaftszentren. Zudem begrüßen sie jeden, der neu einzieht, persönlich an der Haustür.

Zu Beginn des Corona-Lockdowns im Frühjahr mussten sie allerdings umplanen. Kurzerhand haben die Haussprecher einen digitalen Rundgang gedreht und virtuelle Kennenlern-Abende veranstaltet. Es sei jedoch deutlich schwieriger, die Leute so zu erreichen, sagt Leonard. Auf dem digitalen Weg sei die Hürde einfach größer.

Gemeinschaftsräume mit Hygienekonzept

Leonard Hoffmeier ist zudem im Vorstand des Vereins "Studenten im Olympiadorf" - ein Verein von Studierenden für Studierende, was es so nur im Studentenwohnheim im Olympiazentrum gibt. Sie verwalten Gemeinschaftsräume, Werkstätten und eine Bierstube.

In allen Wohnheimen des Studentenwerks sind die Gemeinschaftsräume aufgrund der aktuellen Corona-Situation derzeit geschlossen. "Wir als Verein haben aber das Glück, dass das Studentenwerk gesagt hat: Ihr seid so zentral organisiert. Ihr seid in der Lage, ein Hygienekonzept umzusetzen", erzählt Leonard. So konnten im Olympiadorf die Gemeinschaftsräume und Werkstätten des Vereins bislang weiter offen bleiben. Gemäß der neuen bundesweiten Einschränkungen werden aber auch diese ab Montag geschlossen, teilt das Studentenwerk nun auf Anfrage des BR mit.

"Das schaffen wir schon"

Auf Ersti-Partys müssen die neuen Studentinnen und Studenten heuer verzichten. Auch Florian, Eva und Clara aus der WG haben sich ihren Start ins Studium anders vorgestellt. Aber sie bleiben zuversichtlich. "Es ist alles ein bisschen anders. Aber hey! Das schaffen wir schon", sagt Florian. "Man kann sich ja immer noch treffen, notfalls virtuell. Man ist ja nicht allein", stimmt ihm Clara zu. Und Eva ergänzt: "Wir trinken jetzt einfach mal zusammen in der WG!" Natürlich nur zu fünft. Der Glühwein steht jedenfalls schon auf dem WG-Küchentisch parat.

(Zum Zeitpunkt der Interviews waren die neuesten, verschärften Corona-Beschlüsse noch nicht bekannt.)

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