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Schnelltests, Unterricht, Ferien: Die Pläne für Bayerns Schüler | BR24

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Sorgen bereiten die ansteigenden Corona-Zahlen und die Infektionen durch die Mutationen, so die bayerische Sozialministerin Carolina Trautner. Auch bei den Öffnungen von Jugendzentren müsse man sich deshalb in Bayern noch zurückhaltend verhalten.

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Schnelltests, Unterricht, Ferien: Die Pläne für Bayerns Schüler

Corona dominiert alles - auch den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Doch egal ob Schulunterricht, Schnelltests oder Jugendarbeit: Auch nach dem heutigen "Kinder- und Jugendgipfel" bleiben Fragen offen.

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Von
  • Maximilian Heim
  • Petr Jerabek

Von einem "Austausch auf Augenhöhe" sprach Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag nach einem Gespräch mit Schülern, Lehrern, Mitarbeitern von Jugendverbänden und anderen Akteuren. Wie geht es für Kinder und Jugendliche in Bayern weiter? Welche Schulen öffnen? Wie sollen Lernrückstände aufgeholt werden? Was ist mit Jugendtreffs und anderen Einrichtungen? Hier finden Sie die wichtigsten Infos zur Lage an den Schulen und zum heutigen "Kinder- und Jugendgipfel", an dessen Ergebnissen es auch Kritik gibt.

Wie geht es mit dem Schulunterricht weiter?

Trotz einer bayernweit steigenden Sieben-Tage-Inzidenz sollen ab Montag erstmals seit Dezember wieder Schüler aller Jahrgangsstufen zurück an ihre Schulen. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz unter 100 soll es dann für alle Schüler wieder Wechselunterricht geben. Wo der Wert von 50 unterschritten wird, sollen alle Grundschüler sogar wieder zurück in den vollständigen Präsenzunterricht.

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bekräftigte heute noch einmal, dass mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler noch vor Ostern wieder in ihre Schulen dürfen. Das sei sehr wichtig, denn Schule sei auch ein Ort der sozialen Begegnung. Und so gut der Distanzunterricht mittlerweile auch funktioniere, "er ersetzt keinen Präsenzunterricht", betonte Piazolo. Bisher gibt es in Bayern nur für Grundschüler und Abschlussjahrgänge Wechselunterricht.

Welche Pläne gibt es für Unterricht in "Hotspots"?

Bayernweit gilt: In Regionen mit einem Inzidenzwert über 100 lernen alle Schülerinnen und Schüler zu Hause im Distanzunterricht - mit Ausnahme der Abschlussklassen. Söder brachte heute allerdings ein "Pilotprojekt" für Gegenden mit besonders vielen Neuinfektionen ins Gespräch.

Demnach könnte es dort vor jedem Schulbesuch einen verpflichtenden Schnelltest geben. Mit negativem Ergebnis dürfte man dann die Schule besuchen. Der Ministerpräsident klang allerdings nicht, als sei das schon detailliert in Planung: "Das kann man im Verlauf der weiteren Pandemie noch diskutieren", sagte er.

Wie sieht die Teststrategie aus?

"Testen, testen, testen" - um Sicherheit für Lehrkräfte, Schüler und Familien zu schaffen: Das ist laut Söder das Vorhaben der Staatsregierung. Bayern habe "genug Schnelltests für Schule und Kita", betonte der Ministerpräsident. Er appellierte erneut an alle Beteiligten, die Selbsttests zu nutzen.

Hunderttausende Schnelltests werden derzeit ausgeliefert. Laut dem bayerischen Gesundheitsministerium können sich das Personal in Kitas und die Lehrkräfte an den Schulen künftig zweimal wöchentlich auf Corona testen lassen. Daneben gibt es im Freistaat weiter das kostenlose Corona-Testangebot für alle - allerdings bekommt man bei dem dafür verwendeten PCR-Test das Ergebnis nicht sofort, sondern manchmal sogar erst nach einigen Tagen.

Zuletzt hatte der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband kritisiert, dass es trotz der weiteren Schulöffnungen ab 15. März nicht genügend Tests gebe. Nur wenn bis Mitte März alle Lehrerinnen und Lehrer getestet und geimpft seien, seien Lockerungen in Ordnung, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann vor einigen Tagen.

Wie sollen Schüler Lernstoff nachholen können?

Für alle Schüler, "die sich schwertun", kündigte Söder spezielle Hilfe an. Laut Kultusminister Piazolo soll ein Tutorenprogramm starten, im Zuge dessen vor allem Schüler anderen Schülern helfen sollen. "Wir wollen da auch ältere Schüler animieren, dass sie Schüler der unteren Jahrgangsstufen unterstützen."

Von einem Wiederholungsjahr für alle hält Piazolo nichts: "Das macht keinen Sinn, wir müssen auf die Einzelnen schauen". Es gelte, diejenigen aufzufangen, die im Distanzunterricht "nicht alles so mitbekommen haben". Piazolo betonte: "Hier setzen wir auf individuelle Förderung, Binnendifferenzierung, Förderunterricht, Ergänzungsunterricht." Geplant sind dem Minister zufolge spezielle "Brückenkurse", sowohl während des Schuljahrs als auch in den Ferien - mit Pensionisten, Studenten und "vielleicht auch mit dem einen oder anderen Lehrer".

Wie schon im vergangenen Jahr soll es auch in diesen Sommerferien spezielle Ferienprogramme geben. Söder sprach in diesem Zusammenhang von "Lernen mit Spaß und Sport". Es gehe nicht um das "reine Nachsitzen". Piazolo zufolge könnte es solche Angebote vielleicht auch schon in den Pfingstferien geben.

Was ist mit den nächsten Ferien?

Ministerpräsident Söder betonte erneut, dass die Osterferien heuer bestehen bleiben. Sie finden statt vom 29. März bis 10. April. Die Pfingstferien sind in Bayern vom 25. Mai bis 4. Juni geplant. Zuletzt waren die Faschingsferien im Februar ausgefallen, um Unterricht nachzuholen - diese Entscheidung sorgte für viel Kritik.

Welche Unterstützungen soll es noch geben?

200 neue Sozialarbeiter für Bayern - das hat Söder heute angekündigt. Laut Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) geht es auch darum, die Jugendsozialarbeit an Schulen auszubauen. Als weitere Beispiele nannte sie "digitale Streetworker" und Angebote der Erziehungsberatung.

Wann gibt es wieder Jugendarbeit?

Im Vorfeld des heutigen Treffens forderte der Bayerische Jugendring (BJR), Jugendtreffs und Jugendhäuser wieder zu öffnen - orientiert am nun geltenden Stufenplan für andere Bereiche. Freizeitangebote während der Schulferien sollten laut BJR ebenfalls wieder möglich sein, auch mit Übernachtungen.

Diesen Wünschen erteilte die Staatsregierung heute allerdings eine klare Absage. Sozialministerin Trautner sagte, der Wunsch nach Perspektiven und Öffnungen sei verständlich. Es gebe sicherlich "gute Hygienekonzepte", aber angesichts der steigenden Inzidenzen wolle man "vorsichtig agieren".

Welche Kritik gibt es am heutigen "Gipfel"?

Für den bayerischen Landesschülersprecher Moritz Meusel war die heutige Gesprächsrunde enttäuschend. Der Landesschülerrat sei in die jüngsten Beschlüsse nicht eingebunden worden, kritisierte er bei BR24Live. Beim Hygienekonzept in den Schulen werde "immer noch viel zu wenig getan". Erst wenn es einen "praxistauglichen Infektionsschutzplan" gebe, sollten alle Schüler wieder zurück in die Schulen, betonte der Landesschülersprecher.

Die Landtags-SPD übt ebenfalls scharfe Kritik an den Ergebnissen des Treffens. "De facto wird sich für die meisten Jugendlichen auch nach dieser pressewirksamen Aktion des Ministerpräsidenten heute kaum etwas ändern", sagte Doris Rauscher, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Arif Taşdelen, jugendpolitischer Sprecher der Fraktion, betonte: "Die Jugendverbände und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit fangen Jugendliche auf, die es in der aktuellen Krise besonders schwer haben. Ihre Arbeit ist deshalb momentan wichtiger denn je und braucht endlich verlässliche Öffnungsperspektiven."

Wie steht es um Impfungen für Schüler und Lehrer?

Inzwischen werden die ersten Lehrerinnen und Lehrer in Bayern gegen Corona geimpft. Laut Söder liegt der Fokus dabei derzeit noch auf den Lehrkräften in Grundschulen, weil es dort bereits Präsenzunterricht gibt. Im April, sobald mehr Impfstoff vorhanden sei, sollen demnach auch Lehrerinnen und Lehrer von anderen Schulen die Möglichkeit zur Immunisierung bekommen.

Bei den Schülerinnen und Schülern sieht das anders aus: Für unter 16-jährige gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff, zudem ist das Risiko schwerer Covid-Verläufe in dieser Altersgruppe extrem gering. Schüler ab 16 Jahren können sich impfen lassen - nach der aktuell geltenden Priorisierung sind sie aber bisher nicht an der Reihe. Derweil erneuerte Söder seine Forderung, schon bald das "starre Impfprotokoll" zu lockern und auch jungen Menschen Zugang zu Impfstoff zu ermöglichen. Als Beispiel nannte er Studierende an Universitäten.

Was ist mit Klassenfahrten & Co?

Etliche Facetten des Schullebens wie Projekte, Arbeitsgemeinschaften, Partys oder Klassenfahrten lägen sei fast einem Jahr auf Eis, betonte Kultusminister Piazolo. Laut seinen Angaben sollen solche Angebote nun "sukzessive wieder eine stärkere Rolle spielen", allerdings immer mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen. Insofern gibt es hier bisher keinen konkreten Zeitplan.

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Bayern will Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, unterstützen. Nach einem Kinder- und Jugendgipfel kündigte Ministerpräsident Söder unter anderem 200 zusätzliche Stellen in der Jugendhilfe an.

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