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Bildrechte: picture alliance/dpa | Armin Weigel

Die Zahl illegaler Autorennen in Bayern ist drastisch gestiegen. Bilanz 2020: Sieben Tote und 77 Verletzte. Das geht aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Fraktion hervor.

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Corona: Deutlich mehr Todesopfer durch illegale Autorennen

Die Zahl der illegalen Autorennen in Bayern hat sich im Corona-Jahr 2020 beinahe verdoppelt. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag hervor. Sieben Menschen kamen durch die Raserei zu Tode.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Christoph Dicke

Illegale Rennen im Straßenverkehr zu fahren, gilt als Straftat. Doch auch drohende Haftstrafen schrecken so manchen nicht ab: In Bayern hat die Polizei im Corona-Jahr 2020 deutlich mehr mutmaßliche illegale Autorennen registriert als noch im Vorjahr.

Bayernweit wurden 560 verbotene Rennen mit 771 Teilnehmern von der Polizei beendet, wie aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervorgeht. Das ist eine Steigerung gegenüber 2019 um rund 90 Prozent, damals waren es 294 Autorennen mit 468 Teilnehmern. 2018 waren 191 Rennen erfasst worden.

Sieben Tote und 77 Verletzte

Doch nicht nur die Zahl der verbotenen Rennen hat den Angaben zufolge massiv zugenommen. Auch die Zahl der Todesopfer (7) und Verletzten (77) schnellte im vergangenen Jahr nach oben. 2019 verzeichnete die Polizei im Freistaat einen Toten und 29 Verletzte infolge illegaler Rennen.

Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher (SPD) beklagte, die Zahl grob rücksichtsloser Raser nehme deutlich zu. Wegen der steigenden Zahl an Opfern müssten die Gerichte zur Abschreckung bei den Tätern den bestehenden Strafrahmen konsequent ausnutzen. "Denn seit 2017 sind diese Rennen ja keine bloße Ordnungswidrigkeit mehr, sondern sie sind strafbar."

Harte Strafen drohen

Für verbotene Autorennen droht eine Freiheitsstrafe von maximal zehn Jahren, wenn jemand zu Schaden kommt. Bei Gefährdung Anderer sind es bis zu fünf Jahren, ohne Gefährdung bis zu zwei. Dazu zählen auch sogenannte Einzelrennen, bei denen rücksichtslose Fahrer höchstmögliche Geschwindigkeiten erreichen wollen. Die Bayerische Polizei hat entsprechende Kontrollen in den vergangenen Jahren verstärkt.

2019 wurden 55 Personen wegen der Beteiligung an illegalen Autorennen verurteilt, fünf freigesprochen, und in 17 Fällen wurde das Verfahren eingestellt. Für 2020 liegen noch keine Verfahrens-Auswertungen vor.

Polizei sieht Zusammenhang mit Corona-Beschränkungen

Die illegalen Autorennen werden fast ausschließlich von jungen Männern gefahren, sie sind meist noch jünger als 30 Jahre und fahren Autos mit hohen PS-Zahlen. Als Grund für deutlichen Anstieg vermutete die Polizei die wegen der Corona-Pandemie geltenden Beschränkungen: "Im Pandemiejahr 2020 wurden gewohnte und beliebte Freizeitaktivitäten für junge Leute unmöglich oder zumindest erschwert", sagte eine Sprecherin der Polizei Oberbayern Nord.

Sie führt die drastische gestiegene Zahl illegaler Autorennen auch auf Corona zurück: So seien sogenannte Parkplatztreffen legale Möglichkeiten gewesen, überhaupt zusammenzukommen. Das Innenministerium geht davon aus, dass die Rennen oft spontan verabredet werden.

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