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Corona-Demos: Astrophysiker Harald Lesch kritisiert Gerichte | BR24

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Die Gerichte sollten besser abwägen, was bei den Protesten gegen Corona-Maßnahmen höher zu bewerten sei, die Meinungsfreiheit, oder das Wohl der Bevölkerung, sagte der Physiker Harald Lesch beim BR-Sonntagsstammtisch.

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Corona-Demos: Astrophysiker Harald Lesch kritisiert Gerichte

Der Astrophysiker Harald Lesch bemängelt, dass Verwaltungsgerichte weiterhin Demos gegen die Corona-Maßnahmen zulassen. Das sei nicht mit dem Allgemeinwohl vereinbar, sagt er im BR. Fassungslos machen ihn die "intellektuellen Opfer" der Querdenker.

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Für die Entscheidungen einiger Verwaltungsgerichte in Bezug auf Corona-Demos hat der Wissenschaftler Harald Lesch kein Verständnis. Am "Sonntags-Stammtisch" im BR Fernsehen kritisierte er vor allem das Urteil, infolgedessen sich in Leipzig tausende Menschen versammelten. "Wenn die solche Entscheidungen treffen, müssten sie fast dazu verpflichtet sein, an diesem Demonstrationsgeschehen beteiligt zu sein", sagte Lesch. "Um sich mal anzuschauen, was sie eigentlich anrichten mit ihren Verwaltungsentscheidungen."

Die Meinungsfreiheit allein reiche als Begründung nicht aus, meinte er. Infektionszahlen, Erfahrungen der letzten Monate, sowie internationale Referenzfälle müssten mit beachtet werden. "Es gibt auch noch das Allgemeinwohl, und das müsste mindestens einen genauso hohen Schutzwert haben, wie die individuelle Freiheit", so Lesch.

"Intellektuelle Opfer" der Verschwörungstheoretiker

Der Astrophysiker zeigte sich außerdem fassungslos darüber, wie viele "intellektuelle Opfer" Verschwörungstheoretiker auf den Querdenker-Demos bringen. Er bezeichnete sie als eine "merkwürdige Gruppe", die aber "nicht doof" sei. "Sie bringen diese Opfer, weil sie sich offenbar in der Gruppe, in der sie da unterwegs sind, sehr viel wohler fühlen, als sonst in ihrem Leben", erklärte er. "Ob im Netz oder in der Wirklichkeit." Die Situation sei mit einer Sekte vergleichbar.

Insgesamt seien aber 80 Prozent der Deutschen mit der Regierungsarbeit zufrieden. Es gebe nun eine Erkenntnis, dass das Leben unberechenbar sei und deshalb bestimmte Teile des öffentlichen Lebens nicht privatisiert werden dürften. "Ich glaube, dass ein neues Vertrauensverhältnis entstanden ist zwischen denjenigen, die regieren und denen, die regiert werden", sagte Lesch. "Ich glaube, dass man nach Corona mit einem viel stärkeren Staat zu rechnen hat." Seiner Meinung nach könnte "eine neue Art von Sozialdemokratie" entstehen.

Schulen so lange wie möglich offen halten

Jetzt sei es wichtig, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten und Bildung zu ermöglichen. "Die aller wichtigsten Personen für den Lernerfolg sind die Lehrerinnen und Lehrer", sagte Harald Lesch. Mit rein digitalem Unterricht werde man nicht die gleiche Qualität erreichen. Präsenzunterricht könnte seiner Meinung nach weiter stattfinden, wenn die Fläche erweitert und regelmäßig gelüftet wird. Statt noch strengerer Vorgaben der Politik an die Schulen wünscht er sich weniger Druck und individuelle Konzepte nach dem Motto "passt, wackelt und hat Luft". Denn es werde noch rund ein Jahr dauern, bis man wieder ganz zur Normalität zurückkehren könne.

Zusammen mit Harald Lesch war an diesem Sonntag auch Extrem-Kletterer Alexander Huber am Stammtisch zu Gast. Er plädierte dafür, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten. Die Schule seiner drei Kinder im Berchtesgadener Land war wegen des Lockdowns im Oktober bereits für 14 Tage geschlossen. Er bezeichnete die Maßnahme als "sehr schwerwiegend", vor allem weil es an seiner Schule keine nachgewiesenen Infektionen gegeben habe. "Es ist der Hammer, dass die Kinder letztendlich wieder zuhause eingesperrt werden. Ohne, dass sie Treiber der Pandemie sind."

Stammtisch-Diskussion über Schulschließungen

Ähnlich sah es Stammtisch-Gast Christian Neureuther. Soziale Kontakte seien für Kinder "eminent wichtig", meinte er. Er sprach sich für gesonderte Konzepte aus, die es Kindern ermöglichen in die Schule zu gehen oder Sport zu treiben. Stammtisch-Gastgeber Hans Werner Kilz gab jedoch zu bedenken, dass noch nicht erwiesen sei, wie sehr Kinder zum Infektionsgeschehen der Pandemie beitragen.

Hochschulpräsidentin Evelyn Ehrenberger dagegen schlug vor, die Kinder je nach Altersgruppen unterschiedlich zu behandeln. Bei kleineren Kindern sei die persönliche Interaktion besonders wichtig. Schulen und Hochschulen sollten entsprechende "multimediale Konzepte" entwickeln, digitaler Unterricht sei aber nicht pauschal schlecht.

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