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Corona bringt Altenpflege an den Rand des Kollapses | BR24

© picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Eine Altenpflegerin eines Altenheims liest Bewohnerinnen an einem Tisch aus einer Zeitung vor.

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    Corona bringt Altenpflege an den Rand des Kollapses

    Die Situation in der Pflege in Deutschland war schon vor Corona angespannt. Die Pandemie bringt die Beschäftigten nun teilweise an den Rand des Kollapses. Zusätzlich zu Routineaufgaben müssen sie Maßnahmen zum Schutz der Pflegebedürftigen umsetzen.

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    Von
    • Katharina Pfadenhauer

    "Grüß Gott, Frau Eckert, ich komme zum Blutdruck messen", stellt sich Pfleger Sebastian einer Heimbewohnerin vor. Blutdruck messen und dann gleich weiter zum nächsten Bewohner. Für Sebastian, der im Altenheim St. Otto in Lauf an der Pegnitz arbeitet, Alltag. Doch der ist seit Corona noch stressiger geworden. Zur medizinischen Versorgung der Altenheimbewohner komme nun noch die Corona-Bürokratie, erzählt der er.

    Mehr Stress durch Corona-Bürokratie

    Man müsse den ganzen Besuch auffangen, alles dokumentieren, "du musst mit den Leuten sprechen, sie aufklären, testen, Anzug anziehen, ausziehen - es ist schon nochmal deutlich Arbeit dazu gekommen."

    Das bekommt auch die Leiterin des Seniorenheims mit. Sie befürchtet, dass sich nach der Corona-Krise der Fachkräftemangel bei den Altenpflegern verschärften könnte. "Dadurch, dass wir jetzt natürlich vermehrt Aufgaben haben, ist die Arbeitsbelastung hoch und ich mache mir Sorgen, dass viele Kolleginnen und Kollegen sagen, die Krise halte ich noch durch, da bin ich noch an Bord, und danach bin ich raus aus der Geschichte."

    "Keine Mitarbeiter auf der Reservebank"

    Die Problematik ist nicht neu, doch Corona legt tote Winkel offen, sagt der Leiter der mobilen Altenpflege Tutzing am Starnberger See, Armin Heil. Seit 24 Jahren, betont er, koche dieses Thema regelmäßig hoch. "Und dass Corona es jetzt nochmal an das Tageslicht gebracht hat, dann denke ich, ist dringender Handlungsbedarf."

    Wegen der Personalknappheit fürchtet Armin Heil täglich den Anruf, dass ein Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden muss: "Für uns bedeutet das Personalersatz zu finden und wir haben es in den letzten Monaten schon oft gehört: In der Pflege sitzen auf der Reservebank keine Mitarbeiter."

    Viele Pflegebedürftige sitzen wegen Corona allein zu Hause

    In die ambulante Tagespflegegruppe von Armin Heil kann aktuell nur kommen, wer keine Angehörigen in der Nähe hat, wie zum Beispiel Ludwig Beißinger. Er findet es schade, dass er viele andere Senioren, mit denen er vorher zumindest tagsüber zusammengekommen ist und die jetzt zu Hause sitzen, nicht mehr sehen kann. Sie tun ihm leid: "Ein anderes Leben ist das, ein ganz anderes, finde ich. Das sind Leute, die zu Hause sitzen. Sie haben zwar zum Teil Familie, aber das ist halt trotzdem nicht wie in Gesellschaft."

    Gerontologe: Schlimmere Krankheitsverläufe

    Der Gerontologe Professor Thomas Klie sagt, die Kollateralschäden, die Corona verursache, nämlich die Einsamkeit, mache die Kranken noch kränker. "Wir wissen gesichert, dass der Krankheitsverlauf von Menschen mit Demenz deutlich schneller verläuft. Sie sind darauf angewiesen, dass Menschen ihnen zugetan sind, dass man mit ihnen redet und sie in den Arm nimmt." All das falle derzeit in vielen Einrichtungen weg, so Klie.

    Heimbewohnerin hofft wieder mehr Besuch zu bekommen

    Die hohe Arbeitsbelastung der Pflegekräfte bekommt auch Bewohnerin Katharina Eckert im Seniorenheim in Lauf an der Pegnitz zu spüren. Die 83-Jährige setzt jetzt ihre ganze Hoffnung auf die Impfbereitschaft der Leute. Sie selbst ist bereits geimpft. "Dann wäre doch alles vorbei, wenn sich jeder impfen lässt, dann geht alles weg." Die 83-Jährige hofft auch, dann wieder mehr Besuch zu bekommen. Denn inzwischen fühle sie sich immer öfter ziemlich allein.

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