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Corona-Bewältigung: Gesundheitsamt Straubing gibt Probleme zu | BR24

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Bei der Ermittlung und Benachrichtigung von Corona-Kontaktpersonen ist es in Bayern offensichtlich immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Auch in Straubing, wie das Gesundheitsamt dort nun eingeräumt hat.

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Corona-Bewältigung: Gesundheitsamt Straubing gibt Probleme zu

Das Gesundheitsamt Straubing räumt bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Corona-Fällen Probleme ein. Es habe "zwischendurch mal länger gedauert, bis jemand kontaktiert wurde", so ein Sprecher. Man war schlichtweg unterbesetzt.

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Bei der Ermittlung und Benachrichtigung von Corona-Kontaktpersonen ist es in Bayern offensichtlich immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Auch in Straubing, wie das Gesundheitsamt dort nun eingeräumt hat. Bei bis zu 1.500 Kontaktpersonen gleichzeitig, sei die Aufgabe "ein Ding der Unmöglichkeit" gewesen, so Landratsamt-Sprecher Tobias Welck auf BR-Nachfrage.

Probleme auch in anderen Gesundheitsämtern

Auch in anderen Landkreisen gab es nach BR-Recherchen personelle Engpässe in Gesundheitsämtern - gerade zu Beginn der Corona-Pandemie. Die Gesundheitsämter seien aber auch immer auf die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung angewiesen, dass sie ihre Kontaktpersonen nennen und die Angaben richtig sind, so Welck.

Straubing war Corona-Hotspot

Die Stadt Straubing war zwischenzeitlich ein Corona-Hotspot in Bayern. Es war auch die erste Stadt in Ostbayern mit einer Maskenpflicht. Nach BR-Recherchen hat das Straubinger Gesundheitsamt nicht immer oder erst sehr spät Kontaktpersonen von Corona-Fällen kontaktiert und informiert. In der Hochzeit der Corona-Pandemie gab es in der Stadt Straubing und im Landkreis Straubing-Bogen bis zu 1.500 Kontaktpersonen gleichzeitig, "deswegen ist es richtig, dass es zwischendurch mal länger gedauert hat, bis jemand kontaktiert wurde oder bis eine schriftliche Anordnung gekommen ist", sagt Welck.

Straubinger Arzt kritisiert ausbleibende Information

Der Straubinger Arzt Tilman Röckl, der an Corona erkrankt war, berichtet, seine Eltern wurden als direkte Kontaktpersonen zunächst nicht kontaktiert. Sie begaben sich selbst in Quarantäne. Erst als ihre zweiwöchige Quarantäne schon vorbei war, wurden sie schriftlich vom Gesundheitsamt Straubing informiert.

Ein anderes Beispiel: Der Freund der Straubinger Krankenschwester Teresa Gold wurde als direkte Kontaktperson nach Angaben von Gold gar nicht vom Gesundheitsamt informiert. Der Behörde zufolge wurden die positiv getesteten Personen darauf hingewiesen und gebeten, dass sie auch selbst ihre Kontaktpersonen über die Quarantäne informieren sollen. Hierzu heißt es vom Landratsamt: "Bei uns ist dokumentiert, dass Frau Teresa Gold einen Abstrich an der Teststation am Hagen (auf Kosten des Landratsamtes) erhielt, Eingang der Probe im Labor war 24.03.2020, der Befund wurde vom Labor erst am 31.03.2020 erstellt und an uns übermittelt. Es ist weiterhin dokumentiert, dass der Freund von Frau Gold am 31.03.2020 um 16:30, also am Tag des Befundeingangs bei uns, durch eine Fachkraft des Gesundheitsamtes telefonisch über Erkrankung und Quarantäne aufgeklärt wurde wurde.

Landratsamt: "Zu wenig Personal für Katastrophenfall"

Der Sprecher des Landratsamtes verteidigt das Gesundheitsamt gegen diese Kritik: "Generell wurden alle Kontaktpersonen ermittelt." Bei dieser Menge an Kontaktpersonen sei es jedoch logisch, dass dies zu Problemen führe: "Weil weder irgendein Gesundheitsamt oder irgendeine Behörde in Deutschland so aufgestellt ist, um in einem Katastrophenfall solche Mengen abarbeiten zu können. Natürlich hatte man zu wenig Personal, um 1.500 Personen zu kontaktieren, aber das weiß man vorher ja auch nicht. Man kann ja nicht Personal vorhalten für diese Menge - das wird auch in Zukunft eher schwierig möglich sein."

Landratsamt wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Stadt Straubing und der Landkreis Straubing-Bogen informieren die Öffentlichkeit mit täglichen Berichten zu aktuellen Fallzahlen, heißt es weiter. Stadt und Landkreis gehörten zu den ersten, die Reihentests in Altenheimen und an Schlachthöfen durchgeführt haben, damit sich das Coronavirus nicht ausbreiten kann. Die personelle Situation von Gesundheitsämtern - gerade zu Beginn der Pandemie - ist auch bei der Regierung angekommen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat angekündigt, die Gesundheitsämter personell aufzustocken.

Gesundheitsamt Straubing nun besser aufgestellt

Mit Contact-Tracing-Teams, kurz CTT, sei das Gesundheitsamt Straubing jetzt jedoch besser personell ausgestattet. "Natürlich kann man sagen, dass das jetzt zu spät gekommen ist, da kann man keinem einen Vorwurf machen, weil keiner wusste, wie sich das entwickelt - die Leute mussten auch erst eingearbeitet werden", so Landratsamt Sprecher Tobias Welck. Nachdem die Corona-Pandemie Bayern erreichte, habe man zu Hochzeiten aber bereits Verstärkung bekommen: Ärzte wurden aus dem Ruhestand geholt, die Bundeswehr hat geholfen, ebenso wie Azubis aus dem Landratsamt und anderen Abteilungen und Medizinstudenten. Da habe geholfen, "das Ganze in den Griff zu bekommen", so Welck.