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Corona-Beschlüsse: Kopfschütteln bei bayerischen Gastronomen | BR24

© dpa/Christoph Soeder

Letzte Bestellung: Bayerns Wirte können die corona-bedingt vorgezogene Sperrstunde nicht nachvollziehen

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Corona-Beschlüsse: Kopfschütteln bei bayerischen Gastronomen

Die Staatsregierung verschärft noch mal die Corona-Maßnahmen. Das bedeutet für die bayerischen Gastronomen Einschnitte bei Sperrstunden oder privaten Feiern im Wirtshaus. Der bayerische Hotel- und Gaststättenverband reagiert verschnupft.

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Die bayerische Staatsregierung zieht die Zügel nochmal an: Um die zuletzt stark gestiegene Zahl von Corona-Neuinfektionen unter Kontrolle zu bringen, soll es in Regionen mit einem Inzidenzwert ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner unter anderem Einschnitte in der Gastronomie geben. Die Sperrstunde ist dann verpflichtend um 23 Uhr, bei einem Inzidenzwert ab 50 um 22 Uhr. Die Anzahl der Gäste bei Feiern sinkt auf zehn, bei einem Wert ab 50 auf fünf Personen.

Dehoga Bayern: "Ansatz an der falschen Stelle"

Laut bayerischem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern ist aber genau das kontraproduktiv. Ständig werde gesagt, dass vor allem Feiern im privaten Bereich problematisch sind, erklärt Thomas Geppert, der Dehoga-Landesgeschäftsführer. Warum aber dann Einschnitte in der organisierten Gastronomie, wo Gästeregistrierung und strenge Hygienekonzepte gelten?

Wenn man Infektionsketten nachvollziehen wolle, müsse man den organisierten Bereich stärken, argumentiert Geppert weiter. Daher sei weder die Sperrstunde um 23 Uhr bzw. 22 Uhr zielführend, noch die Begrenzung privater Feiern nachvollziehbar. Beschlüsse wie diese drängten diejenigen, die um zehn noch nicht nach Hause wollen, geradezu wieder auf illegale Partys im öffentlichen oder privaten Raum, so der Dehoga-Chef.

Auch, dass Bayern erneut einen Alleingang wage, wo gestern nach dem Corona-Kabinett noch auf bundesweite Einheitlichkeit gepocht worden sei, ist für Geppert unverständlich.

"Wenn Corona uns eines gelehrt hat, dann, dass das Infektionsgeschehen insbesondere im ungeschützten Raum ansteigt," Thomas Geppert, Dehoga-Chef Bayern

Ministerpräsident Söder: "Philosophie von Bayern übernommen"

Im BR Fernsehen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den bayerischen Weg allgemein als den richtigen bei der Eindämmung des Coronavirus gelobt. Deshalb sei die "Philosophie Bayerns" bei den bundesweiten Beschlüssen übernommen worden: "Umsicht und Vorsicht, zweitens die Ampel ist übernommen worden, also dass wir gestaffelt vorgehen und dass wir die Instrumente Maske, mehr Maske, weniger Alkohol und auch eine Beschränkung der privaten Feiern für alle gemacht haben."

Man sei mit den bundesweiten Regelungen vorangekommen, sie würden aber noch nicht weit genug gehen. Am Beherbergungsverbot halte man vorerst in Bayern weiter fest, so Söder.

© BR

Im BR Fernsehen hat Ministerpräsident Markus Söder den bayerischen Weg als den richtigen bei der Eindämmung des Coronavirus gelobt. Diese Philosophie sei auch bundesweit übernommen worden.

Beherbergungsverbot ist "kontraproduktiv"

Beim Gastronomenverband stößt das geltende Beherbergungsverbot dagegen sauer auf. Geppert hält es nicht nur für unangemessen, sondern auch für kontraproduktiv. Die Menschen buchten dort, wo es möglich sei, was Gäste ins Ausland verlagern werde. In Deutschlands Nachbarländern sei das Infektionsgeschehen aber viel gravierender, so der Dehoga-Chef.

Zudem werde es nicht nur von Ärzten und Virologen kritisiert, sondern auch in juristischer Hinsicht. In Baden-Würtemberg hatte das Verwaltungsgericht das Beherbergungsverbot wegen Unverhältnismäßigkeit gekippt. Darauf strichen die Regierungen in Niedersachsen und im Saarland die umstrittene Regelung. "Es war nur eine Frage der Zeit, dass das Beherbergungsverbot nach und nach einkassiert wird", sagte der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Fraktion Albert Duin. "Dieser Dominoeffekt wird auch Bayern erreichen."

Bayerns Ministerpräsident Söder hingegen verteidigte das Beherbergungsverbot erneut. In der Rundschau im BR-Fernsehen betonte der CSU-Chef, dass es sich dabei eigentlich um eine "Urlaubsmöglichkeit" handle, wenn man einen negativen Corona-Test habe. Der Opposition warf er vor, keine neuen Ideen einzubringen. Seit längerer Zeit gäbe es einen "absoluten Stillstand", was Vorschläge in der Coronakrise betreffe.

Appell an Eigenverantwortlichkeit der Bürger

Beim bayerischen Hotel- und Gaststättenverband setzt man auf das Verantwortungsgefühl der Bürger. Geppert erklärt, wolle man eine Akzeptanz von Corona-Maßnahmen erreichen, müsse man die Eigenverantwortlichkeit der Bürger stärken und den Bürgern dadurch auch vermehrt das Gefühl geben, dass sie es selbst in der Hand hätten, so der Dehoga-Chef.

Durch eine Sperrstunde und ein Beherbergungsverbot eine falsche Sicherheit vorzutäuschen, sei in den Augen des Verbands gefährlich und werde nicht die gewünschten Erfolge mit sich bringen, so Geppert weiter.

Lobend erwähnte er aber das Bekenntnis von Bund und Ländern, besonders betroffene Betriebe durch weitere Hilfsmaßnahmen zu unterstützen.

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