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Corona: Grüne bemängeln Softwareausstattung der Gesundheitsämter | BR24

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Im Kampf gegen Corona kommt den Gesundheitsämtern eine Schlüsselrolle zu. Doch in vielen bayerischen Behörden wird offenbar noch nicht mit effizienter und einheitlicher Software gearbeitet.

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Corona: Grüne bemängeln Softwareausstattung der Gesundheitsämter

Bayerns Gesundheitsämter nutzen unterschiedliche Programme, um Corona-Infizierte und ihre Kontaktpersonen zu verwalten. Das zeigt die Antwort auf eine Anfrage der Landtags-Grünen. Fraktionschefin Schulze rügt "Zettelwirtschaft und Excel-Tabellen".

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Von
  • Maximilian Heim

In Bayern gibt es rund 70 Gesundheitsämter - wegen der Corona-Pandemie sind sie seit Monaten am Limit. Für die Grünen im Bayerischen Landtag ist klar: Das liegt auch an der Software, mit der die Ämter arbeiten. Denn bayernweit kommen unterschiedliche Programme zum Einsatz, um Corona-Infizierte und ihre Kontaktpersonen zu verwalten. Das zeigt die Antwort des bayerischen Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage von Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze.

Schulze zufolge rächt sich nun, dass die Gesundheitsämter in Bayern "personell und ressourcenmäßig" jahrelang ausgeblutet worden seien. Ihre Anfrage zeige deutlich, "dass Zettelwirtschaft und Excel-Tabellen zur Pandemiebekämpfung hergenommen wurden", obwohl es gute Software für die Fallverwaltung gebe. Das sei "peinlich für den Freistaat Bayern", so Schulze.

Grüne: "BaySIM" kommt bisher kaum zum Einsatz

Insidern zufolge sind vor allem Excel-Tabellen problematisch - auch weil häufig nur eine Person darin arbeiten kann und es regelmäßig Probleme mit Datenverlust geben soll. Und die Grünen sehen einen weiteren Punkt kritisch: Laut der Antwort kommt die im April von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) vorgestellte Fallsoftware "BaySIM" bisher kaum zum Einsatz. Die Software soll die Ämter unter anderem bei der Kontaktnachverfolgung digital unterstützen, Doppelarbeit in mehreren Gesundheitsämtern vermeiden und es auch Infizierten selbst ermöglichen, Daten an die Behörden zu übermitteln.

Laut der Antwort auf die Grünen-Anfrage belaufen sich die Kosten für "BaySIM" bisher auf gut 700.000 Euro - für Entwicklung, Implementierung und 24 Monate Wartung. Die Teilnahme daran ist aber freiwillig - und offenbar wollen längst nicht alle Gesundheitsämter die Software auch nutzen. Das bayerische Gesundheitsministerium reagierte zunächst nicht auf eine BR-Nachfrage zur Kritik der Grünen an der Software-Ausstattung der Ämter.

FDP: "In der Zwischenzeit ist nichts passiert"

Auch der FDP-Abgeordnete Dominik Spitzer findet, dass die Staatsregierung seit Beginn der Pandemie wenig für die Software-Ausstattung der Gesundheitsämter getan habe. Laut Spitzer bot eine Firma dem bayerischen Gesundheitsministerium bereits im April eine Software an, die den Zeitaufwand für die Fallverwaltung und Kontaktnachverfolgung um bis zu 70 Prozent senken könne. "In der Zwischenzeit ist aber nichts passiert", bemängelt Spitzer.

Dass die Gesundheitsämter Corona-Infizierte wegen mangelnder Software aus den Augen verloren haben, können aber weder Grüne noch FDP belegen. Allerdings gibt es laut Spitzer ein weiteres Problem: Durch den hohen Zeitaufwand für die Corona-Bearbeitung seien andere Fälle, etwa Tuberkulose-Infektionen, in einigen Ämtern "weitgehend liegengeblieben".

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