BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Babyboom in Bayern? | BR24

© dpa-Bildfunk/Stefan Sauer

Auf einer Entbindungsstation - Schild: "Geburt" bitte nicht stören.

8
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Babyboom in Bayern?

Wirkt sich die Pandemie stark auf die Zahl der Geburten in Bayern aus? Verlässliche Statistiken liegen noch nicht vor, aber: Es sieht nicht danach aus. Je nach Klinikum und Region ist die Situation sehr unterschiedlich.

8
Per Mail sharen
Von
  • Elsbeth Bräuer

Gibt es sie, die Welle der "Corona-Babys"? Über einen Geburtenboom nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 wurde viel spekuliert. Verlässliche Zahlen fehlen noch. Stichprobenartige Anfragen zeigen aber: Bislang sieht es nicht danach aus. Bei den Standesämtern in Nürnberg, Augsburg, Passau, Regensburg und Rosenheim liegen die Schwankungen im üblichen Bereich. In Ingolstadt gehen die Geburten im Monat Januar im Vergleich zu den beiden Vorjahren sogar zurück. "Über die Ursachen können wir natürlich nur spekulieren", heißt es vom zuständigen Standesamt, man müsse noch mehr Daten abwarten.

Großer Ausreißer im Dezember in München

In München war der Dezember dagegen auffällig. Beim Standesamt gingen 1.905 Geburtsanzeigen ein, über 800 mehr als im selben Monat im Vorjahr. Im Januar 2021 sind es rund 100 mehr als 2020. "Seit Jahren verzeichnen wir stets eine wachsende Geburtenrate in München", so ein Pressesprecher. "Dieser Trend könnte durch den ersten Lockdown ab Ende März 2020 verstärkt worden sein." Die Zahlen unterlägen aber natürlich Schwankungen.

Manche Kliniken vermelden Rekorde, andere nicht

An den Kliniken ist das Bild uneinheitlich. Manche berichten von ungewöhnlich vollen Kreißsälen im Januar – etwa am Klinikum Rechts der Isar in München und am Uniklinikum Augsburg. In den Kliniken Bamberg und Marktredwitz stieg die Zahl der Entbindungen im Januar um mehr als 30 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Am LMU Klinikum in München, dem Klinikum Ingolstadt oder den Sana Kliniken im Landkreis Cham gibt es dagegen keine Auffälligkeiten.

Dass es auch in der Coronazeit bayernweit ungefähr gleich viel Schwangere gibt wie vorher, darauf deuten auch Zahlen zu Vorsorgeuntersuchungen der Kassenärztlichen Vereinigung hin. Von April bis Dezember 2020 wurden laut Statistik 187.000 Schwangere betreut – ein Plus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Von einem Boom lässt sich daher aus unserer Sicht nicht sprechen", schreibt ein Pressesprecher.

Auswirkungen noch unklar

Boom, oder nicht? Für Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist es zu früh, um das zu beurteilen. "Die meisten Experten erwarten eher einen leichten Rückgang für Deutschland", sagt er. Man wisse es aber noch nicht, schließlich liegen keine finalen Daten vor und die kommenden Monate stehen noch aus. Einerseits habe das Leben im Lockdown bei manchen mehr Nähe geschaffen. "Die Paare verbringen sehr viel Zeit miteinander – auch die, die einen latenten Kinderwunsch haben", sagt er. "Da stand das Thema bislang vielleicht noch gar nicht an, weil Treffen mit Freunden, Konzerte, Reisen und Freizeit dominierend waren." Im Lockdown könne ein bislang eher abstrakter Kinderwunsch konkreter werden.

Auch negative Effekte denkbar

Andererseits könnte sich die Pandemie auch negativ auswirken. "Der Anstieg der Arbeitslosigkeit, die Existenzangst in einigen Branchen – so etwas hat generell einen negativen Einfluss auf die Geburtenentwicklung." Bujard erwartet aber, dass dieser Effekt in Deutschland nicht so stark ist wie etwa in den USA, weil es hier mehr staatliche Hilfen gibt. Dazu käme die Sorge mancher Paare, bei einer Infektion während der Schwangerschaft nicht so gut behandelt oder nicht geimpft werden zu können. "Es könnte sein, dass manche heute den Kinderwunsch aufschieben und sagen, ich warte, bis ich geimpft bin", sagt Bujard.

Rekord bei Kinderwunschbehandlungen

Letztes Jahr hat die Zahl der künstlichen Befruchtungen in Deutschland erneut zugenommen. "Der Kinderwunsch ist größer als die Angst vor Corona", schrieb etwa das Deutsche IVF-Register, das Behandlungen für unfreiwillig kinderlose Paare erfasst. Auch in Bayern gab es ein Plus – das Wachstum betrug allerdings nur unter fünf Prozent. Als mögliche Gründe führen die Experten an, dass Menschen mehr Zeit und Geld für Behandlungen gehabt hätten, etwa durch Homeoffice und wegfallende Urlaube. Für den Experten Bujard ist der Anstieg keine Überraschung. "Das Alter der Mütter bei der Geburt verschiebt sich nach hinten, manchmal geht es dadurch auf natürlichem Wege nicht", sagt er. "Zum anderen steigt auch die Akzeptanz, solche Behandlungen zu machen." Außerdem verbessere sich die Technik.

© BR

Laura Stäblein infizierte sich mit Corona, als sie mit ihrer zweiten Tochter hochschwanger war.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!