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Ab Mittwoch gilt in Bayern eine Ausgangs- sperre zwischen 21 und 5 Uhr. Deshalb müssen auch die Christmetten am späten Heiligabend ausfallen oder macht die Staatsregierung eine Ausnahme?

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Ausgangssperre an Heiligabend: Bischöfe kämpfen für Christmette

Ab Mittwoch gilt der Corona-Lockdown mit Ausgangssperren in Bayern von 21 bis 5 Uhr. Für Christmetten am späten Heiligabend heißt das, sie müssen ausfallen. Die katholischen Bischöfe wollen dies nicht kampflos hinnehmen. Bislang ohne Erfolg.

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Von
  • Matthias Morgenroth
  • Barbara Weiß
  • BR24 Redaktion

Die bayerischen katholischen Bischöfe bitten die Staatsregierung, für den Heiligen Abend eine Ausnahme bei der nächtlichen Ausgangssperre zu machen. Nach einer Telefonkonferenz am Dienstagvormittag betonen die Bischöfe: Die Christmette zu später Stunde gehöre gerade in Bayern zu den wichtigsten Gottesdiensten des Jahres. Da es schon längst ausgefeilte und sichere Konzepte für die Gottesdienste gebe, ginge von ihnen keine erhöhte Ansteckungsgefahr aus.

Die katholischen Bischöfe wenden sich auch gegen eine Vorverlegung der späten Messen. In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben sie, eine zeitliche Ausweitung der Gottesdienste über den ganzen Abend hinweg würde das Infektionsrisiko mindern. Außerdem heißt es in der Mitteilung: "Der Besuch der Christmette trägt (...) mit der religiösen Stärkung erheblich zur seelischen Gesundheit und Stabilisierung der Menschen in dieser Krisenzeit bei."

Bischof Meier: Wurden "förmlich überrumpelt"

Augsburgs Bischof Bertram Meier kritisierte die Forderung der Staatsregierung nach einer Vorverlegung der Christmetten scharf: "Wir wurden von der neuen Entwicklung förmlich überrumpelt", teilte Meier mit. "Eine stabile Brücke zwischen Staat und Kirche, die durch Krisen trägt, stelle ich mir anders vor."

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hofft weiter, dass die traditionelle Christmette um 22 Uhr an Heiligabend stattfinden kann. Er bitte die Staatsregierung um eine Ausnahmegenehmigung, sagte er dem BR. Die Messe gehöre in die Nacht und man tue alles, um mit Hilfe von Hygienekonzepten die Gottesdienstbesucher zu schützen.

Söder stellt klar: Keine Ausnahme bei Ausgangssperre

Die Chancen, dass die Bischöfe mit ihrer Bitte Gehör finden, sind allerdings gering. In seiner Regierungserklärung im bayerischen Landtag am Dienstagmittag betonte Ministerpräsident Markus Söder (CSU):

"Es gilt die Ausgangssperre für Silvester und auch für Weihnachten. Und es gilt für alle! Es wird keine Sonderregelung geben: für Familien nicht und für Kirchen nicht. In allen Fällen gilt genau das Gleiche." Ministerpräsident Markus Söder

Sollten sich die Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen bis Heiligabend "dramatisch verbessern", fügte Söder hinzu, könne man über "eine Stunde mehr oder weniger reden". Der Ministerpräsident zeigte sich allerdings pessimistisch: "Meine Sorge ist ehrlicherweise, dass es eher schlechter und schlimmer wird."

Evangelische Kirche akzeptiert Ausgangssperre

Die Evangelische Landeskirche hatte schon am Dienstagvormittag gemeldet, dass sie die Ausgangssperre akzeptiere. "Der große gemeinsame Wille zur Eindämmung des Virus ist in diesem Jahr Teil des Weihnachtsfestes und seiner Botschaft", so der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in der Stellungnahme. Auch wenn Einschränkungen und die Absage von Christmetten schmerzlich seien, "nehmen wir es hin und sehen es als Teil einer großen Kraftanstrengung, in der wir alle zusammenhelfen, um auf die Herausforderungen der Pandemie mit wirksamen Mitteln verantwortlich zu reagieren", so Bedford-Strohm.

Kein Aufruf der Kirchen, Weihnachten zu Hause zu bleiben

Einen offiziellen Aufruf der Kirchen, an Weihnachten möglichst zu Hause zu bleiben und nicht in die Kirche zu gehen, gibt es entgegen anderslautender Meldungen in den sozialen Medien derzeit nicht. Die Kirchen hatten aber Texte veröffentlicht, mit denen man Gottesdienst zu Hause feiern kann.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den harten Lockdown zur Eindämmung des Coronavirus als unausweichlich bezeichnet.

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