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In einem Zirndorfer Pflegeheim kam es zu Corona-Infektionen, obwohl fast alle Bewohner geimpft sind.

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Corona-Ausbruch nach Impfung in Zirndorfer Pflegeheim

In einem Zirndorfer Pflegeheim sind fast alle Bewohner mit Biontech geimpft – trotzdem kommt es zu einem Corona-Ausbruch. 24 Bewohner und zehn Mitarbeiter sind erkrankt. Hat die Impfung nicht gewirkt?

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Von
  • Karin Goeckel

Das Helene-Schultheiß-Heim in Zirndorf ist bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. Kein großer Corona-Ausbruch – da waren die knapp 140 Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige sehr froh. Doch dann das: Bei einem routinemäßigen Schnelltest im März stellt sich ein Mitarbeiter als Corona-infiziert heraus. Das Fürther Gesundheitsamt führt daraufhin, so wie in einem solchen Fall üblich, eine PCR-Reihentestung durch und findet weitere Infizierte. Insgesamt sind 24 Bewohner und zehn Mitarbeiter positiv – und das, obwohl kurz vorher ein Impfteam im Heim war.

Pflegekräfte kommen nur über Hygieneschleusen zu den infizierten Bewohnern

Das Gesundheitsamt ordnet für die infizierten Mitarbeiter häusliche Quarantäne an und auch die Bewohner werden sofort isoliert. Das Heim habe eine Coronastation aufgemacht, die Bewohner mussten umziehen, berichtet der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Fürth-Land, Frank Bauer. Die Coronastation sei streng isoliert. Nur über Hygieneschleusen kämen Mitarbeiter zu den Bewohnern. In diesen Schleusen entledigen sich die Pflegekräfte ihrer Alltagskleidung und legen Schutzkleidung an: Kittel, Haarnetz, Mundschutz, Handschuhe und Überzieher über den Schuhen. Nur in Vollmontur dürfen sie die infizierten Menschen pflegen.

Drei Zirndorfer Heimbewohner sterben nach Corona-Infektion

Auf der Corona-Station arbeiten die Pflegekräfte in Zwölf-Stunden-Schichten. Und zwar nur dort, streng getrennt von ihren Kolleginnen und Kollegen, berichtet Frank Bauer weiter. Für ihren Einsatz hätten sie sich freiwillig gemeldet. Dass das Helene-Schultheiß-Heim kurz vor dem Corona-Ausbruch durchgeimpft wird, ist ein großes Glück. Die meisten der 24 Infizierten können im Heim versorgt werden, nur wenige müssen in die Klinik, teilt das Fürther Gesundheitsamt mit.

Zwei Bewohner seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, einer davon sei nicht geimpft gewesen, der zweite habe die Erstimpfung erhalten. Diese beiden Bewohner seien gestorben, zusätzlich auch noch ein Bewohner, der schon komplett geimpft war. Aber alle hätten Vorerkrankungen gehabt.

104-Jährige steckt Infektion nach Impfung gut weg

Allen anderen Corona-Infizierten im Helene-Schultheiß-Heim geht es hingegen ziemlich gut, berichtet AWO-Geschäftsführer Frank Bauer. Er ist sehr froh darüber, dass das Impfteam kurz vorher vor Ort war, denn die infizierten Bewohner hatten nur wenige Symptome – Schnupfen und Husten, Durchfall und leichtes Fieber. "Wir haben also eine 104-jährige Bewohnerin, eine 100-jährige Bewohnerin, die auch infiziert waren und die das gut weggesteckt haben", so Bauer. "Einigen war gar nicht bewusst, dass sie krank sind. Das waren ganz, ganz milde Verläufe."

Im Helene-Schultheiß-Heim gilt momentan Besuchsverbot

Wie das Virus ins Heim gelangen konnte, ist bislang unklar, ob über Pflegekräfte, Angehörige oder Bewohner. Pflege ist nur mit engem Kontakt möglich. Das Virus hat da leichtes Spiel, trotz Impfung. Im Moment sind noch 15 Bewohner der Zirndorfer Einrichtung in Quarantäne. Bis sie wieder gesund sind, gelten weiterhin strenge Hygieneregeln, Besuche auf den Zimmern der Bewohner sind nicht erlaubt. Wer einen Angehörigen sehen will, muss einen aktuellen Schnelltest aus einem Testzentrum oder einer Apotheke vorlegen. Schnelltests kann das Heim derzeit wegen Personalmangels nicht anbieten.

Impfung schützt zu über 90 Prozent, aber nicht vollständig

Der Fall im Zirndorfer Helene-Schultheiß-Heim zeigt: Die Impfung garantiert keinen vollen Schutz, besonders bei der britischen Variante B.1.1.7, die im Heim grassiert. Da hilft es auch nichts, wenn beide Impfungen verabreicht wurden. "Es ist wichtig, zu wissen, dass es keine 100-prozentige Sicherheit, keinen 100-prozentigen Schutz gibt", erklärt Jeanne Turczinsky aus der Wissenschaftsredaktion des BR. "Die Impfungen schützen zu über 90 Prozent, aber eben nicht vollständig".

Ebenso sei nicht ausgeschlossen, dass Geimpfte das Virus übertragen könnten, auch wenn die Impfung nach etwa 15 Tagen ihre volle Schutzwirkung entfaltet. "Geimpfte sind klinisch immun, so wird das genannt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Geimpfte das Virus übertragen können. Um das zu verhindern, müsste das Immunsystem in der Lage sein, die Coronaviren sofort abzufangen, bevor sie in die Körperzellen eindringen und sich vermehren können. Erst dann spricht man von einer sogenannten sterilen Immunität, und dann kann man das Virus nicht weitergeben", erklärt Wissenschafts-Redakteurin Jeanne Turczinsky.

Wenige Pflegekräfte haben sich im Zirndorfer Heim impfen lassen – bisher

Ein Problem in Zirndorf war womöglich die niedrige Impfquote im Heim, die laut Fürther Gesundheitsamt bei 35 Prozent liegt. Von den zehn infizierten Pflegekräften seien lediglich zwei geimpft gewesen. Das Gesundheitsamt hat die Heimleitung deshalb in dieser Woche gebeten, für einen neuen Impftermin zu werben, der bald stattfinden soll. Dies habe die Heimleitung getan, berichtet Geschäftsführer Frank Bauer. 24 Mitarbeiter hätten sich daraufhin bereit erklärt, sich impfen zu lassen. Bauer führt das auch auf die Ereignisse der vergangenen Wochen zurück.

"Das spricht sich rum innerhalb des Hauses, dass die Verläufe ganz anders sind, wenn man nicht geimpft ist. Und das ist die beste Werbung." Frank Bauer, Helene-Schultheiß-Heim in Zirndorf

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