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Corona-Ausbruch in Schlachthof mit 1.000 Mitarbeitern | BR24

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Nach Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen in mehreren Bundesländern sind nun auch in Bayern Infektionen bekannt. Auch unter Mitarbeitern eines Schlachthofs im niederbayerischen Straubing-Bogen gibt es bisher elf Corona-Infizierte.

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Corona-Ausbruch in Schlachthof mit 1.000 Mitarbeitern

Nach Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen in mehreren Bundesländern sind nun auch in Bayern Infektionen bekannt: Elf Mitarbeiter eines niederbayerischen Schlachthofs wurden positiv getestet. Rund 1.000 Beschäftigte werden deshalb untersucht.

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Nach Hunderten Corona-Fällen in Schlachthöfen in anderen Bundesländern ist nun auch ein Betrieb in Bayern betroffen - und zwar im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen. Wie das Unternehmen am Abend mitteilte, wurden elf Schlachthof-Mitarbeiter positiv getestet. Die Behörden hatten zuvor von acht Infizierten gesprochen.

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erklärte, es seien sofort Maßnahmen ergriffen worden. "Das heißt, dass ab heute eine Reihentestung durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mit dem Gesundheitsamt vor Ort durchgeführt wird." Alle 1.000 Mitarbeiter würden nun "zügigst" untersucht, kündigte die Ministerin an. Parallel dazu werde es weitere Ermittlungen geben, um Kontaktpersonen feststellen zu können.

Teil der Infizierten lebt in Gemeinschaftsunterkünften

Huml erläuterte, nicht die Arbeit am Schlachthof stelle eine besondere Infektionssituation dar. Die Gefahr einer Ausbreitung des Virus bestehe "vielmehr da, wo die Arbeiter in Gemeinschaftsunterkünften zusammenleben". Auch einige der Infizierten in Niederbayern seien in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht - und zwar in unterschiedlichen. "Deswegen ist es so wichtig, alle wirklich durchzutesten."

Kontaktpersonen sind in Quarantäne

Die Ministerin berichtete, sie habe am Montagabend von den infizierten Schlachthof-Mitarbeitern erfahren. Noch am Wochenende hatte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums betont, in Bayern habe es in Schlachthöfen bisher keine "Ausbruchssituation" gegeben. Daher sei keine Überprüfung von Mitarbeitern in Schlachtbetrieben auf eine Infektion mit dem Coronavirus nötig. Das Landratsamt Straubing-Bogen wusste nach eigenen Angaben aber schon seit Freitag von den Corona-Fällen bei einem Geflügelschlachter.

Die Mitarbeiter seien Ende vergangener Woche positiv auf Sars-CoV2 getestet worden, sagte Landratsamt-Sprecher Tobias Welck dem BR. Bisher seien rund 30 Kontaktpersonen ermittelt worden - nicht nur im Kollegenkreis, sondern auch im privaten Umfeld. Diese befänden sich nun in Quarantäne.

Landratsamt: Keine Gefahr für Verbraucher

Seit heute Mittag laufen dem Sprecher zufolge Reihentestungen an dem Geflügel-Schlachthof. Dafür gebe es vier Teststationen. In den vergangenen Tagen sei das Testmaterial für die Untersuchung der knapp 1.000 Mitarbeiter besorgt worden. Welck fügte hinzu, seines Wissens laufe der Betrieb an dem Schlachthof normal weiter. Für Konsumenten der Fleischprodukte des Unternehmens bestehe keine Ansteckungsgefahr.

Die Leiterin des Gesundheitsamts Straubing/Straubing-Bogen, Beate Biermaier, sagte, ein direkter "infektiologischer Zusammenhang am Arbeitsplatz" sei bisher zwar nicht festgestellt worden. "Aber angesichts der Fälle in Schlachthöfen in Deutschland, die ja auch durch die Medien gegangen sind, wollen wir frühzeitig reagieren." So solle die Ausbreitung des Virus unter den Mitarbeitern und auch in der Region unterbunden werden. "Bisher laufen die Abstriche reibungslos und wurden auch von Seiten der Firma unterstützend gut organisiert." Die Tests sollen am Mittwoch fortgesetzt werden.

Dutzende neue Fälle in Baden-Württemberg

In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein hatten sich zuletzt Hunderte Mitarbeiter in Schlachthöfen mit dem Coronavirus infiziert. Erst am Vormittag war bekannt geworden, dass in einem Schlachthof in Birkenfeld bei Pforzheim mehr als 80 weitere Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Damit steige dort die Zahl der Mitarbeiter, die mit Covid-19 infiziert sind oder waren, auf rund 400, sagte eine Sprecherin des Landratsamts im baden-württembergischen Enzkreis. Das ist mehr als ein Drittel der Belegschaft von etwa 1.100 Mitarbeitern.

Tests in allen Schlachthöfen in NRW

In Nordrhein-Westfalen werden alle Beschäftigten in Schlachthöfen auf das Virus getestet. Bis zu 20.000 Mitarbeiter müssen untersucht werden. In einer Fleischfabrik in Coesfeld stieg die Zahl der positiv auf das Virus getesteten Arbeiter mittlerweile auf 260. Bei 571 war das Ergebnis negativ, bei rund 200 Beschäftigten steht der Test noch aus. Als Konsequenz aus der Häufung der Fälle hatte der Kreis Coesfeld in Abstimmung mit der Landesregierung einen Großteil der geplanten Lockerungen um eine Woche verschoben.

Corona-Ausbrüche wurden darüber hinaus aus einem Betrieb im nordrhein-westfälischen Oer-Erkenschwick sowie einem Schlachthof in Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein gemeldet. Die steigenden Zahlen lösten auch eine politische Debatte über die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie und die Zustände in den Schlachthof-Unterkünften aus.

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BR-Reporter Christian Riedl mit einer Einschätzung zu den Corona-Infektionen in Niederbayern.

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