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Corona-Ausbruch bei Erntehelfern: Scharfe Kritik an Großbetrieb | BR24

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Nach dem Corona-Ausbruch bei einem Bauern in Niederbayern will Gesundheitsministerin Huml die Tests in der Region ausweiten. Sie kritisierte außerdem, dass das Hygienekonzept möglicherweise nicht konsequent eingehalten wurde.

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Corona-Ausbruch bei Erntehelfern: Scharfe Kritik an Großbetrieb

Nach dem Corona-Ausbruch unter Erntehelfern im niederbayerischen Mamming hat Gesundheitsministerin Melanie Huml die Zustände in dem Großbetrieb kritisiert. Ein Lockdown für die Region sei nicht geplant, dafür aber Reihentests auf weiteren Höfen.

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Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat den landwirtschaftlichen Betrieb im niederbayerischen Mamming, in dem sich 174 Erntehelferinnen und Erntehelfer mit dem Coronavirus infiziert haben, kritisiert. Das Hygienekonzept scheine nicht adäquat umgesetzt worden zu sein, sagte die Ministerin bei einer Pressekonferenz in Dingolfing.

Die Staatsregierung will nun in einer "Corona-Testoffensive" auf großen Höfen die Erntehelfer untersuchen lassen. "Wir nehmen die Situation sehr ernst", sagte Huml. "Bisher scheint es lokal eingrenzbar zu sein." Schwerpunkte der Tests sind zunächst die Höfe der Umgebung und im Landkreis.

Hygienekonzept nicht ordnungsgemäß umgesetzt

Wie der Landrat des Landkreises Dingolfing-Landau, Werner Bumeder (CSU), ausführte, war die vorgeschriebene Trennungen der Erntehelfer-Gruppen von 25 Personen nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden sein. Da sich die Infektionsketten innerhalb des Betriebs nicht mehr nachvollziehen ließen, sei es zu einer kompletten Quarantäne des Hofs gekommen.

Die Erntehelfer stammen aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine. Mittlerweile sei eine Separierung der infizierten und nicht-infizierten Menschen auf dem Hof in drei Wohnanlagen möglich. Eine Person befinde sich in stationärer Krankenhaus-Versorgung. Bei dem Betrieb handelt es sich um einen großen Gemüsehof, der Erdbeeren, Gurken, Kohl und Rote Bete anbaut – die Gurken aber nur für Einlegegläser. Mamming ist eine ländliche Gemeinde mit gut 3.300 Einwohnern.

Landrat appelliert an Bürger, Ruhe zu bewahren

Bumeder appellierte an die Bürger, Ruhe zu bewahren: "Nach unseren Informationen handelt es sich um einen geschlossenen Personenkreis." Das Gelände ist derzeit von einem Absperrzaun umgeben und wird durch einen Sicherheitsdienst unter Unterstützung der Polizei bewacht.

Offenbar waren Erntehelfer allerdings auch in Mamming privat zu Lebensmittel-Einkäufen unterwegs. Allerdings berge dieses Einkaufen unter Einhaltung der Hygiene-Auflagen ein niedriges Ansteckungsrisiko, so Bumeder.

Huml: Bevölkerung soll sich testen lassen

Wie Ministerin Huml ausführte, könnten sich alle Bürger der Gemeinde Mamming ab Montag kostenlos testen lassen. Die Voraussetzungen dafür würden im Moment geschaffen. Da es sich bislang um einen geschlossenen Personenkreis handle, sei bislang keine Rücknahme der Corona-Lockerungen unter der Bevölkerung geplant.

"Laut unseren Ermittlungen wird die 50 zu 100.000 Inzidenz im Landkreis Dingolfing-Landau nicht mehr gehalten werden können", sagte Huml. Falls Reisen geplant seien, sei es daher wichtig, dass sich die Bevölkerung testen ließe, um mit einem negativ bescheinigten Test reisen zu können.

Mamming: Fast 200 Erntehelfer mit Corona infiziert

Am Samstagabend hatte das Landratsamt Dingolfing-Landau unter Berufung auf das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit darüber informiert, dass neben den seit Freitag bekannten sieben Fällen 167 weitere Erntehelfer eines Hofs in Mamming positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. Der gesamte Betrieb und alle 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – darunter auch die negativ Getesteten, sowie die Betriebsleitung – stehen unter Quarantäne und dürfen das Betriebsgelände nicht verlassen. Der Hof befindet sich wenige Hundert Meter vom Dorfrand entfernt.

Bayern-SPD übt Scharfe Kritik an Huml und Co.

Unterdessen übt die Opposition im bayerischen Landtag scharfe Kritik an der Staatsregierung. SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn sieht die Söder-Regierung in der Mitverantwortung. "Gerade die Hygienebedingungen am Arbeitsplatz und die Wohnverhältnisse müssen aus unserer Sicht scharf kontrolliert werden. Das ist offensichtlich nicht passiert. Dieser Ausbruch kam mit Ansage. Markus Söder und die zuständige Ministerin Huml tragen deshalb eine Mitverantwortung." Schon nach dem Corona-Ausbruch in einem Wiesenhof-Schlachthof Mitte Mai habe man ein Sonderkontrollprogramm auch für Bauernhöfe mit Erntehelfern gefordert, so von Brunn.

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Nach dem Corona-Ausbruch in Mamming erhebt der SPD-Verbraucherexperte von Brunn schwere Vorwürfe an die Staatsregierung.

Grüne fordern bessere Kontrollen und mehr Sanktionen

Der parlamentarische Geschäftsführer der Landtags-Grünen, Jürgen Mistol, fordert eine wirksame Kontrollstruktur und eine konsequente Ahndung von Verstößen bei der Unterbringung von Saisonarbeitskräften. Bei der "landwirtschaftlichen Ernte haben wir einen gefährlichen schwarzen Fleck". Das könne sich bei lokalen Infektionsgeschehen bitter rächen.

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Nach dem massiven Corona-Ausbruch in Mamming werde dort eine kostenlose Teststation eingerichtet. Das sagte BR-Reporter Rudolf Heinz der Rundschau. In dem betroffenen Gurkanenbau-Betrieb seien laut Behörden nicht alle Corona-Auflagen beachtet worden.