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Corona-Antikörpertests: Viel mehr Angebot als Nachfrage | BR24

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Bildrechte: Picture Alliance/dpa/Peter Kneffel

Ein Labormitarbeiter präsentiert im Roche-Entwicklungslabor einen Rackpack für den neuen Corona-Antikörpertest, aufgenommen am 4. Mai 2020.

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    Corona-Antikörpertests: Viel mehr Angebot als Nachfrage

    Anfang Mai hat das Bundesgesundheitsministerium mit dem Pharmaunternehmen Roche die Lieferung von Millionen Corona-Antikörpertests vereinbart. Bisher aber hat sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung einem solchen Test unterzogen.

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    Von
    • Maximilian Heim
    • Julian von Löwis

    In Deutschland haben bislang vergleichsweise wenig Menschen ihr Blut auf Antikörper gegen das neuartige Coronavirus untersuchen lassen. Das geht aus Zahlen des Interessenverbands der akkreditierten medizinischen Labore in Deutschland (ALM) hervor. Auf BR-Anfrage teilte der Verband mit, dass bis einschließlich 21. Juni in ganz Deutschland insgesamt 599.024 Corona-Antikörpertests durchgeführt wurden. In Bayern waren es laut dem Verband zwischen 15. und 21. Juni insgesamt 8.475 Antikörpertests. Die tatsächlichen Werte dürften etwas höher sein, nach ALM-Angaben melden rund 85 Prozent der Labore ihre Zahlen an den Verband.

    Mehrere Hersteller brachten in den vergangenen Monaten Corona-Antikörpertests auf den Markt. Prominent wurde dabei Anfang Mai der Test der Firma Roche präsentiert - unter anderem mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Spahn bezeichnete die Entwicklung des Roche-Antikörpertests damals als "wichtige Wegmarke" im Kampf gegen Corona. Das Unternehmen habe zugesichert, dass drei Millionen Tests bereits im Mai zur Verfügung stehen würden. Für die nächsten Monate seien demnach jeweils fünf Millionen monatlich eingeplant.

    "Verhandlungen noch nicht abgeschlossen"

    Auf BR-Anfrage wollte sich das Bundesgesundheitsministerium aktuell nicht dazu äußern, ob und wie viele dieser Antikörpertests vom Bund abgenommen werden. "Die Vertragsverhandlungen mit der Firma Roche sind noch nicht abgeschlossen", teilte eine Sprecherin mit. Zu laufenden Verhandlungen äußere man sich nicht.

    Eine Roche-Sprecherin wiederum betonte auf BR-Anfrage, der von der Firma entwickelte Corona-Antikörpertest sei seit Mitte Mai verfügbar und komme "in Laboren in nahezu allen Bundesländern zum Einsatz", auch in Bayern. Zu den bisherigen Auslieferungszahlen machte das Unternehmen keine Angaben. Allerdings hieß es, das angekündigte Produktionsvolumen könne "in jedem Fall" eingehalten werden. "Die Labore, die bei uns Tests anfordern, können auch entsprechend beliefert werden", erklärte die Sprecherin.

    Auch andere Hersteller liefern Tests

    Sofern die Anfang Mai kolportierten Zahlen stimmen müsste allein Roche für den deutschen Markt bis heute bereits knapp acht Millionen Tests zur Verfügung gestellt haben, von denen bisher offenbar lediglich ein Bruchteil zum Einsatz kam. Neben dem Roche-Antikörpertest gibt es auch Tests von anderen Herstellern wie Euroimmun. Aktuell übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Antikörpertest nur, wenn ein positiver Corona-Test vorliegt. Andernfalls muss man den Antikörpertest selbst zahlen, er kostet in der Regel zwischen 40 und 60 Euro.

    Wie viele Menschen insgesamt in Bayern bisher einen Corona-Antikörpertest nachgefragt haben, ist derweil unklar. Auf BR-Anfrage teilten sowohl das bayerische Gesundheitsministerium als auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit, dass ihnen generell keine Informationen über die Anzahl der bisher durchgeführten Corona-Antikörpertests im Freistaat vorlägen.

    Frage nach Immunität bisher nicht geklärt

    Allzu groß scheint die Aussagekraft der Tests aktuell ohnehin nicht zu sein. Denn inwiefern Antikörper gegen das neuartige Coronavirus eine Immunität bedeuten, ist noch nicht abschließend nachgewiesen - darauf verweisen sowohl das bayerische Gesundheitsministerium als auch die Roche-Sprecherin.

    Aus dem Gesundheitsministerium heißt es weiter, auch die Existenz nachweisbarer Antikörper lasse nach derzeitigem Kenntnisstand der Experten keinen Rückschluss auf eine Immunität zu. "Es ist daher möglich, dass auch von den Getesteten, bei denen Antikörper nachgewiesen wurden, Gesundheitsrisiken für andere Menschen ausgehen. Daher wird das bayerische Gesundheitsministerium die weitere Entwicklung im Auge behalten."

    Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie in Deutschland offiziell gut 190.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. In Bayern sind es rund 48.000. Bis gestern waren bundesweit 8.895 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben.

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