BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Anstieg trifft Schüler in zwei bayerischen Hotspots hart | BR24

© picture alliance / Fotostand

Symbolbild: Schülerin beim Homeschooling

31
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Corona-Anstieg trifft Schüler in zwei bayerischen Hotspots hart

Fünf Wochen nach dem Schulstart in Bayern gibt es in zwei Landkreisen bereits wieder einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht: in Regen und im Berchtesgadener Land. Anderswo läuft der Regelbetrieb trotz hoher Corona-Werte weiter.

31
Per Mail sharen

Im Landkreis Regen mussten schon heute viele Schüler von zu Hause lernen, ab Mittwoch beginnt auch im Berchtesgadener Land für zahlreiche Kinder und Jugendliche wieder der Distanzunterricht: Wegen hoher Corona-Zahlen haben die ersten beiden bayerischen Landkreise für ihre Schulen wieder einen Mindestabstand von 1,5 Metern angeordnet.

Wegen der beengten Verhältnisse in den meisten Klassenzimmern heißt das an den meisten Schulen in der Praxis: Klassen werden geteilt - und für die Schüler gibt es einen Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzunterricht. Das gab es in Bayern zuletzt im Juli - vor den Sommerferien.

Andere Corona-Hotspots halten an Regelbetrieb fest

In anderen Kommunen, die den Grenzwert von 50 Infektionen pro 100.000 Teilnehmer innerhalb von sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) ebenfalls gerissen haben, gilt zwar an weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Am bisherigen Regelbetrieb mit Hygieneauflagen halten die Städte und Landkreise aber bisher noch fest. Zum Beispiel in München: Die Stadt begründet dies damit, dass in Schulen derzeit "kein erhöhtes Ausbruchsgeschehen" verzeichnet worden sei. In München sind demnach derzeit 39 von rund 5.000 Schulklassen in Quarantäne.

Der Memminger Oberbürgermeister Manfred Schilder (CSU) sagte, es sei ihm "extrem wichtig, dass wir einen möglichst normalen Schulbetrieb, das gilt im übrigen auch für unsere Kitas, aufrechterhalten". Und zu einem normalen Schulbetrieb gehöre, "dass alle Schulkinder sich treffen und in die Schule gehen". Daher versuche Memmingen, die Einschränkungen in den Schulen so gering wie möglich zu halten - zumal es glücklicherweise an den Schulen dort "noch kein Infektionsgeschehen" gebe.

Viele Infizierte Schüler in Regen

Insgesamt gibt es in Bayern derzeit zehn Städte und Landkreise, in denen der Grenzwert von 50 überschritten wird. Noch wurde nicht in allen Hotspots über das weitere Vorgehen an den Schulen entschieden. Es könnten also noch weitere Kommunen hinzukommen, die auf das Wechselmodell setzen.

Der Landkreis Fürstenfeldbruck plant derzeit keine Klassenteilungen. Laut Landratsamt wäre dies ein "harscher Eingriff". Und das Corona-"Hauptgeschehen" spiele sich derzeit auch nicht an Schulen ab.

In diesem Punkt besteht ein Unterschied zum Landkreis Regen: Laut einem Sprecher des Landratsamts gibt es dort viele Infizierte in einem Abschlussjahrgang eines Gymnasiums. Ob sich die Schüler im Unterricht ansteckten oder bei Geburtstagsfeiern im erlaubten Rahmen, sei unklar.

Der Leiter des Schulamts Regen, Walter Kloiber, sagte, jede Schule müsse selbst entscheiden, wie sie den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht am besten umsetze. An vielen Schulen würden Klassen geteilt und im täglichen Wechsel unterrichtet. "Der Unterricht wird in der Regel aber nicht reduziert, sondern stundenplanmäßig stattfinden", betonte Kloiber.

Söder verteidigt unterschiedliche Vorgehensweise

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht in diesen unterschiedlichen Vorgehensweisen der Städte und Landkreise kein Problem. Es sei bewusst die regionale Situation zum Maßstab gemacht worden. "Die Landräte und Oberbürgermeister sind am besten in der Lage, mit dem jeweiligen Gesundheitsamt die Beurteilung zu treffen, welche Regelung an welcher Stelle die beste ist."

Solche Entscheidungen seien sehr bürgernah und vor Ort verständlich. Auch sei es den Regenern egal, was die Münchner machten - und umgekehrt. Söder deutete aber an, dass es künftig wieder verstärkt verbindliche landesweite Vorgaben geben könnte: Angesichts der Gesamtentwicklung, in der die Corona-Zahlen überall nach oben gingen, nähere sich der Freistaat wieder "mehr gemeinverbindlichen Aussagen für alle".

Der bayerische Drei-Stufen-Plan für Schulen

Das bayerische Kabinett hatte Anfang September einen Drei-Stufen-Plan für den Unterricht in Corona-Zeiten beschlossen. Entscheidend für mögliche Einschränkungen im Schulalltag ist demnach das Infektionsgeschehen im jeweiligen Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Folgende Stufen sieht das Konzept vor:

Stufe eins - Regelbetrieb: Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 ist ein Regelbetrieb unter Hygieneauflagen geplant.

Stufe zwei - Maskenpflicht im Unterricht: Erreicht die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Kreis den Wert von 35 müssen dort Schüler an weiterführenden Schulen auch am Sitzplatz im Klassenzimmer eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Diese Maskenpflicht gilt nur dann nicht, wenn auch im Klassenzimmer ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Schülern gewährleistet werden kann. Grundschulen sind von dieser Regelung ausgenommen.

Stufe drei - Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht: Ab dem Grenzwert 50 wird der Mindestabstand von 1,5 Metern im Klassenzimmer wieder eingeführt. Das bedeutet laut Kultusministerium in aller Regel, dass die Klassen geteilt und die Gruppen im Wechsel Präsenz- und Distanzunterricht haben - es sei denn, in der Schule lässt sich der Mindestabstand einhalten. Im Unterricht gilt verpflichtend eine Maskenpflicht, auch für Grundschüler.

Es entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter

Bei den Schwellenwerten handelt es sich nach Ministeriumsangaben allerdings jeweils "um Richtkriterien": Die Entscheidung, welche Stufe jeweils greift, trifft das zuständige Gesundheitsamt in Abstimmung mit der Schulaufsicht.

So gilt Stufe drei auch in den Landkreisen Regen und Berchtesgadener Land offenbar nicht in ihrer Reinform: Denn an Grundschulen sowie Grundstufen der Förderschulen brauchen die Kinder im Unterricht weiterhin keinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

© BR/Christian Riedl

Schulleiter Martin Friedl vom Gymnasium Viechtach zur aktuellen Situation an seiner Schule: Die Corona-bedingten Einschränkungen im Landkreis Regen bereiten am Gymnasium Probleme.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!