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Corona macht uns allen das Leben schwer. Eine besondere Herausforderung bedeutet die Pandemie aber für Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Sie erschwert die Teilhabe und gefährdet die Inklusion, warnen die Lebenshilfen – auch im Ostallgäu.

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Corona als Herausforderung für Menschen mit Behinderung

Corona macht uns allen das Leben schwer. Eine besondere Herausforderung bedeutet die Pandemie aber für Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Sie erschwert die Teilhabe und gefährdet die Inklusion, warnen die Lebenshilfen – auch im Ostallgäu.

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Von
  • Rupert Waldmüller

130 Kinder und Jugendliche mit geistigen Beeinträchtigungen betreut die Lebenshilfe Ostallgäu in ihrer Tagesstätte in Kaufbeuren. Zurzeit ist wegen Corona aber nur die Hälfte da. Auch der 18-jährige Lukas, der normalerweise die Berufsschulklasse in der Förderschule nebenan besucht und nachmittags in die Tagesstätte kommt, muss seit Monaten wegen der Ansteckungsgefahr zuhause bleiben. "Zum einen ist es langweilig", sagt Lukas. "Und es ist einfach doof."

Infektionsrisiko für viele Familien zu groß

Für Familien von Menschen mit Behinderung sind das derzeit keine leichten Monate. Die Eltern müssen häufig die zum Teil sehr intensive Betreuung der Kinder und Jugendlichen zuhause übernehmen. Solange nicht alle in seiner Familie vollständig geimpft seien, sei das Infektionsrisiko einfach zu groß, sagt Lukas‘ Vater Alwin Ziola. "Denn wenn wir nicht mehr da sind, müsste Lukas sein Leben allein bestreiten – das wäre ja eine Katastrophe", sagt der Familienvater.

Keine feste Struktur für die Kinder

Auch für die Lebenshilfe selbst ist die Situation eine Herausforderung: Wegen der Notbetreuung ändert sich so gut wie täglich die Besetzung der Gruppen. Ständig muss das Team um Tagesstättenleiterin Manuela Fuchs umorganisieren. Und das Schwierigste: Corona wirbelt den klaren Tagesablauf durcheinander. Eine feste Struktur sei für viele Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen aber sehr wichtig, sagt Einrichtungsleiterin Fuchs: "Wenn das wegfällt, ist es häufig so, dass Verhaltensauffälligkeiten auftreten oder die Kinder sich zurückziehen, weil sie dann überhaupt nicht mehr wissen, was los ist."

Kein Kontakt zu Freunden

Darüber hinaus fehlt den Kindern und Jugendlichen oft der Kontakt zu anderen. Da das Einzugsgebiet der Tagesstätte sehr groß ist und die Kinder aus dem gesamten Landkreis Ostallgäu nach Kaufbeuren kommen, haben viele ihre Freunde seit Langem nicht mehr gesehen. "Wenn sie zuhause keine Geschwisterkinder haben oder Nachbarkinder, mit denen sie spielen, haben sie zu Gleichaltrigen wenig oder auch gar keinen Kontakt", erzählt Tagesstättenleiterin Fuchs.

Inklusion bleibt auf der Strecke

Weiteres Problem: Die Inklusion wird fast vollständig ausgebremst. Seit Jahren arbeite die Lebenshilfe eigentlich darauf hin, dass Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung in Kontakt zueinander kämen, sich kennenlernten und ein Miteinander selbstverständlich werde, sagt Geschäftsführer Ralf Grath. Doch gemeinsame Projekte mit anderen Schulen, Ausflüge, Theaterstücke oder Praktika in Betrieben – all diese Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung sind wegen Corona derzeit unmöglich. "Das wird eine der ganz großen Aufgaben für uns als Lebenshilfe sein, da mit voller Kraft wieder zu starten und hinzukommen, wo wir schon waren", sagt Geschäftsführer Grath.

Hoffen auf zweite Impfung

Der 18-jährige Lukas hofft, dass er bald seine zweite Impfung bekommt und dann auch wieder in die Tagesstätte in Kaufbeuren gehen darf. Denn am meisten sehne er sich danach, endlich mit seinen Freunden wieder etwas machen zu können, sagt er.

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