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Corona-Alltag: Der Weg zur Normalität ist für viele noch weit | BR24

© BR / Ulrich Hagmann

Menschen und Corona

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Corona-Alltag: Der Weg zur Normalität ist für viele noch weit

Nach den Corona-Lockerungen beginnt für viele Menschen in Bayern wieder langsam der Alltag. Einige Berufsgruppen leben jedoch weiter im Ausnahmezustand, etwa die Veranstaltungsbranche oder der Einzelhandel. Der Weg zurück in die Normalität ist lang.

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Seinen letzten Auftrag hatte Tom Aurnhammer im Februar. Jetzt steht der Veranstaltungstechniker auf dem verwaisten Nürnberger Zeppelinfeld. Eigentlich wäre er nun damit beschäftigt, das Festival "Rock im Park" abzubauen. "Mit Rock im Park fängt hier eine Saison für ganz viele Menschen an, die den ganzen Sommer auf den Festivals durcharbeiten, von Helfer-Crews über Händler, von der Gastronomie über die Techniker, über die Bühnenbauer und Kameraleute natürlich. Hier arbeiten so viele Menschen, man glaubt es kaum", so Aurnhammer.

Veranstaltungsbranche hat Corona hart getroffen

Insgesamt hängen über drei Millionen Arbeitsplätze an der Veranstaltungswirtschaft. Seit über drei Monaten stehen nun die Räder still und die Kreditprogramme der Politik helfen nicht wirklich. Darauf weist Gerd Hess im Interview mit dem ARD-Politmagazin report München hin. Er ist Vorsitzender des Prüfungsausschusses Veranstaltungstechnik der IHK Nürnberg und seit Jahrzehnten selbst in der Branche aktiv.

"Es wird in dieser Branche ein richtiges Massaker geben und das ist dann 2021 immer noch nicht vorbei, bei weitem nicht. Es wird eine Auswirkung haben, die jahrelang dauert, 20 bis 30 Prozent der Firmen wird es einfach nicht mehr geben. Ein Großteil der Techniker, der Freelancer, die haben keine Reserven. Das ist eine Illusion. Als hätten die Wertpapiere oder Goldbarren im Schrank." Gerd Hess, Vorsitzender Prüfungsausschuss Veranstaltungstechnik IHK Nürnberg

Zwar haben viele Betroffene eine Soforthilfe bekommen – allerdings darf diese nur für Betriebskosten eingesetzt werden, nicht für Essen oder Miete. Solo-Selbstständige wie Tom Aurnhammer können deswegen mit diesem Geld wenig anfangen und fürchten, dass sie dieses Geld am Jahresende zurückzahlen müssen.

Branche sendet Appell an die Politik

Seine Branche wird oft nicht wahrgenommen, weil sie im Hintergrund arbeitet, wenn andere fröhlich feiern, fürchtet nun um ihre Existenz und will endlich wahrgenommen werden von der Politik. Deswegen haben sie heute Nacht in über 200 Städten in Deutschland Gebäude und Veranstaltungsorte rot illuminiert. Ein flammender Appell an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft.

Einzelhändler im Krisenmodus

Die Krise ist auch für die Existenz vieler Einzelhändler bedrohend. Am Stadtplatz in Mühldorf haben Petra und Michael Hell am 9. März ihr neues Modehaus eröffnet und mussten kurz darauf wieder schließen. Eine wirtschaftliche Katastrophe. Die Kosten für Personal und Miete laufen weiter, ständig kommt neue Ware, die schon lange bestellt ist und nicht verkauft werden kann: "Also das war wirklich furchtbar, diese Wochen, in denen wir zu hatten, war ein unglaubliches Gefühl", erinnert sich Michael Hell. "So nach den ersten zwei Wochen, in denen zu ist, und du nicht weißt wie lange das geht, da denkst Du Dir schon, mein lieber Scholli, wie soll das ausgehen. Naja - jetzt sind wir wieder da."

Sechsstellige Verluste haben sich in der Zeit des Lockdowns angehäuft, dafür haften die Hells persönlich. Jetzt ist wieder geöffnet, aber der Verkauf läuft nur schleppend an. "Wir sind auf 50 Prozent, also die Frequenz ist gering. Wir haben schon Kunden und die kaufen auch, aber für den Normalbetrieb ist es zu wenig", erzählt das Ehepaar. Es übt sich in Zweckoptimismus, alles andere wäre schlecht fürs Geschäft: "Jammern hilft nix, wir wollen weitermachen, und dazu brauchen wir eine gute Stimmung."

Ende der Krise nicht in Sicht

Trotz der Lockerungen ist der Alltag vieler Menschen noch sehr weit weg von der Normalität und für viele ist es fraglich, ob ihre Branche den Zustand vor der Krise jemals wieder erreichen wird. Das gilt für den Einzelhandel genauso wie für die Veranstaltungsbranche - ein Ende der Krise ist noch lange nicht in Sicht.

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