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Für Kevin war es das härteste Jahr aller Zeiten. Als Fachkrankenpfleger für Intensiv und Anästhesie in einem Regensburger Krankenhaus erlebt er Corona täglich hautnah.

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Covid-Intensivpfleger: Angst vor der Weihnachtswelle

Kevin erlebt als Fachkrankenpfleger auf einer Regensburger Intensivstation die Corona-Krise hautnah. Er befürchtet hohe Fallzahlen nach Weihnachten und appelliert deswegen an die Menschen: Macht langsam über die Feiertage!

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Von
  • Zara Kroiß

Für den 27-jährigen Kevin war es das härteste Jahr aller Zeiten. Als Gesundheits- und Fachkrankenpfleger für Intensiv und Anästhesie in einem Regensburger Krankenhaus sind für ihn in diesen Tagen Überstunden normal. Der Zusammenhalt im Team macht ihm Mut und lässt ihn trotz der vielen Schicksale Freude an seiner Arbeit empfinden.

Kevin hat vier anstrengende Wochen mit vielen Überstunden hinter sich. Ob dies die härtesten Wochen in diesem Corona-Jahr waren, könne er nicht sagen. Da die Covid-Belastung eine sehr starke Dynamik hat, gebe es mal mehr, mal weniger Patienten. Für Kevin sei eine Besserung der Pandemie allerdings absehbar. Er habe das Gefühl, dass es sich in einem halben bis dreiviertel Jahr auf seiner Intensivstation beruhigt habe.

Angst vor Ansteckung

Mehr belaste ihn dagegen, die Angst vor einer Ansteckung. Er habe Angst, sich oder seine Familie mit dem Corona-Virus zu infizieren. "Ich fahre nicht mehr zu Onkel, Tanten und Freunden. Die Angst, die Eltern anzustecken ist aber da, und das macht die ganze Weihnachtsstimmung anders. Es wird auf jeden Fall ein Weihnachten sein, das uns noch lange im Kopf bleibt."

Kevin: "Wir sind ein starkes Team"

Was ihn kräftigt, ist sein Team, erzählt Kevin. Zwar sei die Stimmung wechselhaft, da auch Freizeitaktivitäten zum Ausgleich in diesen Tagen fehlen, trotzdem stärke sich das Team untereinander. "Die ackern, die bringen eine Fachlichkeit - das ist Wahnsinn. Solange sich das Team noch gegenseitig so stützt, sind wir safe. Da muss schon eine andere Krise kommen", sagt der Krankenpfleger.

Angespanntheit überschattet Weihnachtsstimmung

Kevin ist ein großer Weihnachts-Fan. Umso schlimmer ist es für ihn, dass die Weihnachtsstimmung in diesem Jahr im Krankenhaus so gut wie gar nicht vorhanden ist: "Die Stimmung ist halt irgendwo weg. Man befindet sich in einem Gefährdungsbereich mit einem Virus, bei dem man merkt, was dieses für eine Dynamik annimmt, was es für eine Stärke hat. Da überspielt einfach die Angespanntheit die Weihnachtsstimmung."

Tablets sollen Familien an Weihnachten zusammenbringen

Um den Patienten und deren Angehörigen trotz der Krise ein schönes Weihnachtsfest zu ermöglichen, versuchen die Pfleger die wachen Patienten mit ihren Familien über Telefon oder Tablet zusammen zu bringen: "Heiligabend ist für die Familien sehr schwer, weil sie nicht zu ihren Angehörigen können. Wir werden uns da was einfallen lassen, aber es ist gar nicht so leicht, wie man denkt", so Kevin. Er würde sich wünschen, den Patienten zu Weihnachten ein Lächeln schenken zu können. Durch die Maske könnten die wachen Patienten seine Mimik nicht deuten, was oft zu Unsicherheiten und Angst - gerade kurz vor der Narkose - führen würde. "Da könnt ich mit einem Lachen zumindest noch eine Sicherheit vermitteln", sagt Kevin.

Freundin macht sich Sorgen um Kevin

Auch privat lässt sein Alltag den Fachkrankenpfleger oft nicht los. Am Feierabend unterhält er sich häufig noch mit seiner Freundin Nicole über Schicksale, die ihn beschäftigen. Sie arbeitet ebenfalls als Pflegerin auf einer Intensivstation. Nicole macht sich Sorgen um ihren Partner. Er hätte sich in den vergangenen Monaten verändert, auch weil er viel Verantwortung tragen müsse, erzählt sie. Kevin mache viele Überstunden und auch am Feierabend stelle sie eine gewisse Anspannung bei ihm fest.

Hohe Fallzahlen nach Weihnachten befürchtet

Kevin bereitet vor allem die Zeit nach Weihnachten Sorgen. Er befürchtet hohe Fallzahlen nach den Feiertagen, dann wenn alle von ihren Familien zurückkehren: "Das ist unser Hauptproblem. Hier geht es nicht mehr nur um Respekt, sondern es geht in Richtung Angst. Wenn uns das Ding um die Ohren fliegt, haben wir echt ein Problem." Der 27-Jährige würde sich deshalb wünschen, dass alle an Weihnachten ein bisschen langsamer machen würden: "Ich weiß: Das ist eine ganz leichte Aussage für ein ganz schwieriges Thema."

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