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Containern: Zwei Bayerinnen machen Druck auf Justizminister | BR24

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Hamburg hat vorgeschlagen, das so genannte Containern zu legalisieren. Unterstützt wurde das von einer Petition zweier Studentinnen aus Bayern, das Mitnehmen weggeworfener Nahrungsmittel aus Abfallbehältern straffrei zu machen.

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Containern: Zwei Bayerinnen machen Druck auf Justizminister

Dürfen weggeworfene Lebensmittel aus dem Müll gefischt werden? Am Rande der Justizministerkonferenz wollen sich zwei Studentinnen aus Olching für die Legalisierung des Containerns stark machen. Sie haben rund 130.000 Unterschriften dafür gesammelt.

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Die Justizminister der Länder nehmen von heute an in Lübeck zweitägige Beratungen auf. Auf der Tagesordnung steht auch der Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Hamburg bringt einen Antrag ein, der auf eine Begrenzung der massenhaften Lebensmittelverschwendung zielt. Justizsenator Till Steffen (Grüne) schlägt vor, das Einsammeln weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern von Supermärkten ("Containern") zu legalisieren.

Containern - wie ist die Rechtslage bisher?

In Deutschland landen pro Jahr 18,4 Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel in der Tonne. Wer aber diese Lebensmittel rettet, um sie selbst zu essen oder weiter zu teilen, macht sich strafbar. Bisher gilt es als Diebstahl, Nahrungsmittel aus Müllcontainern zu holen, die Supermärkte und Fabriken wegen abgelaufener Mindesthaltbarkeitsdauer oder Druckstellen weggeworfen haben. Containern ist also strafbar.

Studentinnen wegen Containerns verurteilt

Im Januar waren in Fürstenfeldbruck zwei Studentinnen, Franzi und Caro aus Olching, wegen Containerns verurteilt worden. Sie hatten Lebensmittel aus dem Müllcontainer eines Supermarktes in Olching geholt, um so gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu protestieren. Vom Amtsgericht Fürstenfeldbruck hatten sie eine Verwarnung bekommen und wurden zu jeweils 225 Euro Geldstrafe verurteilt. Dieses Urteil wollten die Frauen jedoch nicht hinnehmen und gingen in Revision.

Studentinnen haben Petition überreicht

Franzi und Caro setzen sich nun noch stärker dafür ein, dass weniger Lebensmittel weggeschmissen werden. Sie haben eine Online-Petition gestartet. Mehr als 128.000 Menschen haben bislang unterzeichnet. Die beiden Frauen haben den Justizministern heute in Lübeck ihre Petition überreicht.

Bayern gegen Legalisierung des Containerns

Das bayerische Justizministerium übrigens lehnt eine Legalisierung des Containers ab, das ergab eine Nachfrage des BR. Sinnvolle Lösungsansätze zur Begrenzung von Lebensmittelverschwendung seien auf anderen Ebenen zu suchen. Ziel muss sein, dass noch verwendbare Lebensmittel gar nicht erst in Abfallcontainern landen. Das Ministerium verweist hier auf die 2016 gestartete bayerische Initiative "Wir retten Lebensmittel".

Greenpeace: "Schritt in richtige Richtung"

Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete die Intiative von Till Steffen als "Schritt in die richtige Richtung". Auch die Umweltbeauftragte des Erzbistums Hamburg und der Sprecher der Caritas Hamburg, Timo Spiewak, begrüßten den Vorstoß des Senators. "Containern ist nicht nur eine Frage der Nachhaltigkeit, sondern auch ein Ausdruck existenzieller Armut", sagte Spiewak. Menschen, die auf diese Lebensmittel angewiesen seien, dürfen zusätzlich nicht noch strafrechtlich verfolgt werden.

Hamburgs Gesundheitssenatorin lehnt Containern ab

Hamburgs Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) lehnt den Vorstoß von Steffen hingegen ab. Der Verzehr weggeworfener Lebensmittel aus Abfallbehältern könne Krankheiten auslösen und sogar zum Tod führen, teilte ihre Behörde am Montag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg mit.

"Besonders problematisch sind dabei Lebensmittel, die auf dem normalen Wege beispielsweise gefroren angeboten werden oder der Kühlpflicht unterliegen, wie Fisch und Fleisch, und Lebensmittel, die ein Verbrauchsdatum tragen." Sprecher Dennis Krämer

Nicht alle entsorgten Lebensmittel seien noch genießbar. "Das Thema Containern wirft auch die Frage auf, ob wir es als Gesellschaft für richtig halten, dass Menschen mit geringem Einkommen sich Lebensmittel aus Abfallbehältern holen müssen", so Krämer. Im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung habe die Verbraucherschutzministerkonferenz den Bund aufgefordert, mögliche Gesetzesanpassungen vorzunehmen. So sollten beispielsweise die Regelungen zum Mindesthaltbarkeitsdatum überprüft werden, sagte Krämer.

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Caro und Franzi wurden in Olching beim Containern erwischt und dafür verurteilt. Mit einer Petition fordern sie, das Fischen von weggeworfenen Lebensmitteln bei Supermärkten zu erlauben.

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Bisher gilt es als Diebstahl, wenn jemand aus den Mülltonnen der Supermärkte noch Essbares herausholt und mitnimmt. Verschiedene Bürgerinitiativen, auch in Bayern, fordern, Containern zu erlauben.