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Comedy und Corona: Die Show muss irgendwie weitergehen | BR24

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Bildrechte: BR / Theresa Krinninger

Der Komiker Cengiz Öztunc hat das Beste aus seiner Situation gemacht: Er nutzt seine etwas kuriosen Erfahrungen mit den Corona-Tests für seine Kabarettauftritte - denn die Show muss ja weitergehen.

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Comedy und Corona: Die Show muss irgendwie weitergehen

Comedy auf Boarisch – die Leidenschaft und ein berufliches Standbein von Cengiz Öztunc aus dem Berchtesgadener Land haben momentan Auszeit. Immerhin: Der Corona-Alltag bietet bestes Futter für die nächsten Shows.

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Von
  • Theresa Krinninger

Cengiz Öztunc wartet im Auto in der Einfahrt vor dem Gebäude seines Hausarztes. Er ist für einen Corona-Test gekommen. Mit ihm warten noch zwei weitere Personen in ihren Autos in dem provisorisch eingerichteten Drive-In. Täglich gegen 11 Uhr kommt der Hausarzt aus dem Gebäude, kleidet sich in der Garage mit Schutzkittel, Visier und Handschuhen ein und entnimmt die Abstriche.

Für Cengiz Öztunc ist der Corona-Test schon zur Routine geworden. "Ich glaube, das ist jetzt schon der zwölfte Test, den ich mache und es ist immer wieder unangenehm", sagt der 43-jährige gebürtige Bad Reichenhaller. Neben seiner Tätigkeit als Comedian ist er Kleindarsteller für Fernseh- und Koproduktionen. Für jeden einzelnen Auftrag muss er einen negativen Test vorweisen. Und er hofft jedes Mal, dass sich seine jüngste Testpanne nicht wiederholt.

Einmal positiv, zweimal negativ in wenigen Tagen

20. Oktober 2020: Das Berchtesgadener Land ist bundesweit zum größten Corona-Hotspot geworden und steht kurz vor dem lokalen Teil-Lockdown. Die Infektionszahlen steigen rapide. Cengiz Öztunc braucht mal wieder einen Test und fährt zum kommunalen Testzentrum. Er ist symptomfrei, fühlt sich fit und gesund. Weil er beim Ergebnis sichergehen will, macht er gleich zwei Abstriche innerhalb von 24 Stunden. Das erste Testergebnis fällt positiv aus, das zweite aber negativ. Daraufhin lässt er sich zwei Tage später nochmal bei einem Hausarzt testen. Das Ergebnis: nochmal negativ. Das Gesundheitsamt schickt ihn trotzdem für zehn Tage in Quarantäne. Er muss mehrere Kleinrollen absagen und hat damit große finanzielle Einbußen.

Falsch-positive Ergebnisse nicht ausgeschlossen

Er ist wütend und erzählt in einem Facebook-Video von seiner Erfahrung. Dabei betont er, dass er kein Coronavirus-Leugner sei. Er fragt sich: Warum kann man die Quarantäne nicht aufheben? - Und wieso sind seine Testergebnisse widersprüchlich? Knapp 7.000 Nutzer teilen daraufhin das Video und rund 800 Personen schicken ihre Kommentare.

Cengiz Öztunc erinnert sich an seine Telefonate mit dem Gesundheitsamt. "Die Antwort war dann sinngemäß: Das kann schon mal passieren", sagt er und zuckt mit den Schultern. Auf BR-Nachfrage beim Landesamt für Gesundheit räumt ein Sprecher ein, dass falsch-positive Ergebnisse nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. Aber es sei ebenso möglich, dass auch nach einer länger zurückliegenden Coronavirus-Infektion eine geringe Viruslast im Körper nachweisbar sei, die dann bei einer zweiten Probeentnahme innerhalb von 24 Stunden aber nicht mehr nachweisbar sei.

"Des ko a moi passieren": Mit Humor gegen Corona

Dass etwa der Profi-Fußballspieler Serge Gnabry nach einem falsch-positiven Testergebnis nach fünf Tagen aus der Quarantäne entlassen wurde, findet Cengiz Öztunc schon ungerecht. Aber er nutzt seine Quarantäne kreativ und entwickelt den Spruch "Des ko a moi passieren" weiter, um seine Erfahrung humorvoll zu verpacken. Er macht sich auch Gedanken über eine neue Kabarett-Show, in der er sein persönliches Test-Wirrwarr und andere Absurditäten im Corona-Alltag aufgreift.

Außerdem hat er inzwischen den Spruch zur Eigenmarke gemacht und lässt ihn auf Stoffmasken drucken, die ein Bekannter herstellt. Der Bad Reichenhaller Stirnbandhersteller hat schon seit Beginn der Pandemie zusätzlich Masken im Sortiment. Der Verkauf läuft gut und die beiden nutzen so die Reichweite des anderen aus. Der Gewinn geht allerdings direkt an den Stirnbandhersteller. Cengiz Öztunc will damit keinen Profit machen, aber er will sichtbar bleiben und bald wieder in Deutschland und Österreich auf Tour gehen. Und vielleicht nennt er sein Programm dann "Des ko a moi passieren".

Bis dahin ist er auf die Jobs als Kleindarsteller angewiesen. Es wird an diesem Novembertag nicht sein letzter Corona-Test sein. Inzwischen hat er sein Ergebnis erhalten: negativ. Zum Glück, denn auf die Kleindarsteller-Jobs ist er jetzt mehr denn je angewiesen.

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Von
  • Theresa Krinninger
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