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Coburger Online-Petition gegen Abstandsgebot in Seniorenheim | BR24

© BR/Berger, Lasse

Drei Altenpflegerinnen aus Coburg kämpfen für eine bessere Lebensqualität im Seniorenheim. Sie haben eine Online-Petition gestartet, um Senioren zum Teil vom Corona-Abstandsgebot zu befreien. Denn die Vorgaben hätten Folgen für die alten Menschen.

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Coburger Online-Petition gegen Abstandsgebot in Seniorenheim

Drei Altenpflegerinnen aus Coburg kämpfen für eine bessere Lebensqualität im Seniorenheim. Sie haben eine Online-Petition gestartet, um Senioren zum Teil vom Corona-Abstandsgebot zu befreien. Denn die Vorgaben hätten Folgen für die alten Menschen.

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Von
  • Richard Padberg

Unter dem Titel „Abstand heißt Einsamkeit – wie die Allgemeinverfügung zum Infektionsschutz die Bewohner in bayerischen Seniorenheimen belastet“ haben drei Privatpersonen in Coburg eine Online-Petition gestartet.

Forderung: kein Mindestabstand in bestimmten Bereichen

Die drei Frauen, die in einem Alten- und Pflegeheim arbeiten, fordern, dass die Bewohnerinnen und Bewohner eines Wohnbereichs vom Abstandsgebot von eineinhalb Metern untereinander befreit werden, so lange kein konkreter Covid-19-Fall im Wohnbereich auftritt.

Abstandsgebot im Seniorenheim nicht grundsätzlich in Frage stellen

Nicole Czwielong, eine der Initiatorinnen, sagte dem Bayerischen Rundfunk, es gehe nicht darum, die Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus zu verteufeln oder infrage zu stellen. Auch wolle man keine Vermischung der Bewohnerinnen und Bewohner verschiedener Wohnbereiche oder eine Lockerung der Abstandregelung für Mitarbeiter und Besucher. Man wolle die Lebensqualität der Bewohner, die in der Regel ihren Lebensabend in einem Seniorenheim verbringen, durch die Aufhebung des Abstandsgebotes erhöhen, so Czwielong.

Senioren brauchen Nähe

Der Wohnbereich in einem Heim sei im Prinzip wie eine etwas größere Familie organisiert, sagte Mitinitiatorin Gabriele Schier dem BR. Familienmitglieder müssten in den eigenen vier Wänden auch keinen Mindestabstand zueinander halten und keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ihrer Meinung nach könne es nicht sein, dass Menschen, die in einem Heim ihr Zuhause haben, nicht wenigstens dort Nähe erfahren und ungestört kommunizieren können.

Abstand wegen Corona-Virus hat Folgen für Senioren

Der Abstand unter den Bewohnern sei nicht folgenlos, heißt es im Text der Petition. Der Abstand treibe den physischen, psychischen und kognitiven Abbau voran, schwäche die Bewohner und bringe sie in eine schlechtere Ausgangslage im Falle einer Infektion.

Die momentanen Regelungen für Alten- und Pflegeheime in Bayern gehen auf eine Bekanntmachung des Gesundheitsministeriums vom 22.05.20 zurück, die Mitte August bis zum 09.09.20 verlängert wurde. Die Petition der drei Coburgerinnen ist online aufrufbar. In den ersten zwei Tagen hatten knapp 70 Unterstützerinnen und Unterstützer unterzeichnet.

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