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Coburger Mohr: Erneute Petition will Stadtwappen verändern | BR24

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Der Coburger Mohr ziert einen Kanaldeckel in der Innenstadt.

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Coburger Mohr: Erneute Petition will Stadtwappen verändern

Der Coburger Mohr sorgt weiter für Diskussionen in der Stadt. Nachdem im Juni eine Online-Petition das Stadtwappen verbieten wollte, wurde inzwischen ein weiteres Gesuch eingereicht. Diesmal ist es ein Fall für den Bayerischen Landtag.

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Beim Ausschuss für Eingaben und Beschwerden im Bayerischen Landtag ist bereits Mitte August eine weitere Petition für die Änderung des Coburger Stadtwappens, des Coburger Mohren, eingegangen. Der Grund ist derselbe, der bereits bei einer Online-Petition im Juni aufgeführt worden ist: Durch die Darstellung des Coburger Mohren werde ein falsches, kolonialisiertes Bild der gesamten afrikanischen Bevölkerung vermittelt.

Stadt Coburg will das Wappen nicht ändern

Nun hat die Stadt Coburg auf die jüngste Petition reagiert – eine Änderung des Wappens lehnt sie jedoch ab. Für Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) sei ein Anspruch auf Änderung des Stadtwappens nicht ersichtlich. Es seien auch keine politischen Mehrheiten zur Änderung in den Gremien der Stadt Coburg wahrnehmbar.

Petition landet auf Tagesordnung des Bayerischen Landtags

Obwohl die Stadt keinen Grund darin sieht, das Wappen zu ändern, wird der Coburger Mohr als Stadtwappen im Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags ein Thema sein. Denn dort wurde die Petition eingereicht. Da im Moment jedoch sehr viele Petitionen zu anderen Themen eingehen, sei noch unklar, wann der Fall auf der Tagesordnung stehen werde, heißt es auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks aus der Pressestelle des Bayerischen Landtags. In diesem Jahr kommt der Petitionsausschuss noch zweimal zusammen.

Heimatpfleger: Coburger Mohr stellt keinen Rassismus dar

Die Stadt Coburg hat bereits auf die neueste Petition für eine Änderung des Stadtwappens reagiert: In einem Schreiben von Stadtheimatpfleger Christian Boseckert heißt es, die Darstellung des Coburger Mohren gehe auf mittelalterliche Darstellungen bis ins Jahr 1354 zurück. Die religiöse Verehrung des Mauritius reiche sogar noch länger zurück. Eine rassistische und koloniale Herkunft der Darstellung sei wegen des zeitlichen Auftretens beider Phänomene nach 1492 ausgeschlossen, heißt es von Boseckert weiter. Das Stadtwappen sei 1934 aus ideologischen und rassistischen Gründe abgeschafft und durch ein anderes Wappen ersetzt worden. Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft 1945 sei der Coburger Mohr als Stadtwappen wiedereingeführt worden. Für Boseckert ist dies ein Symbol gegen Rassismus und Intoleranz.

Petition vergleicht Begriff Mohr mit dem "N-Wort"

Auf Seite der Pe­tenten ist man anderer Meinung. Bei dem Begriff "Mohr" handele es sich um eine klar rassistische, althochdeutsche Bezeichnung für Schwarze Menschen, heißt es der Online-Petition, die im Juni gestartet worden war und inzwische knapp 4.000 Unterschriften zählt. Von vielen Menschen werde der Begriff "Mohr" heutzutage als Pendant zum N-Wort verwendet, heißt es weiter. Deshalb plädiert sowohl die Online-Petition als auch das Schreiben an den Bayerischen Landtag für die Änderung des Stadtwappens der Stadt Coburg.

Stadtwappen als Alleinstellungsmerkmal

Die wiederum will den Fokus im Kampf gegen Rassismus auf andere Bereiche legen. Für Boseckert könnten Vorurteile durch Bildung, Erziehung und Aufklärung deutlich wirkungsvoller bekämpft und zurückgedrängt werden, als durch das Ändern des Wappens. Er sehe im Stadtwappen ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt Coburg und ein Symbol gegen Rassismus. Die Stadt Coburg habe sich bereits in den 1950er Jahren von einer stereotypen Darstellung distanziert und es den Bürgern somit möglich gemacht, sich vorurteilsfrei mit dem Heiligen Mauritius zu identifizieren.

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