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Bildrechte: picture-alliance/dpa

Das Pfingstreffen der im Coburger Convent vereinigten Studentenverbindungen findet in diesem Jahr in Hannover statt. (Symbolbild)

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Coburger Convent: Wenn Studentenverbindungen die Stadt spalten

Eigentlich treffen sich die Studentenverbindungen im Rahmen des Coburger Convents immer in Oberfranken. In diesem Jahr findet die Veranstaltung pandemiebedingt in Hannover statt. In Coburg ist man sich nicht ganz einig, wie man das finden soll.

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Von
  • Richard Padberg
  • BR24 Redaktion

Das Pfingstreffen der im Coburger Convent (CC) vereinigten Studentenverbindungen hat Tradition. Das Treffen ist ein Ereignis, das mindestens seit den 1950er Jahren fest zu Coburg gehört und bundesweit Menschen anzieht. Nachdem das Treffen wegen Corona im vergangenen Jahr ausgefallen war, findet es am 5. Juni ausnahmsweise in Hannover statt. Und zwar in Form einer Arbeitssitzung ohne jedes Festprogramm. Normalerweise tagt der Pfingstkongress des CC mehrere Tage lang, umrahmt von Feiern und Geselligkeit.

Kein Coburger Convent, "keine bunten Bilder an Pfingsten"

Die Pfingsttage in Coburg verliefen in diesem Jahr deshalb ruhig. Das heißt auch: Es gab keine bierseligen Studierenden mit bunten Mützen und Jacken, keine Alten Herren mit ihren jeweiligen Farben und kein Fackelzug. Coburgs Alt-Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) – selbst Verbindungsmitglied im CC – hat die Veranstaltung in diesem Jahr vermisst. "Wenn die bunten Bilder an Pfingsten im Stadtgeschehen fehlen, dann ist da irgendwie eine Lücke drin." Wenn man an Pfingsten durch die leere Stadt gegangen ist, sei es beunruhigend gewesen, so Tessmer.

Grüne brauchen kein Studentenverbindungstreffen in Coburg

Ganz anders sieht das Kevin Klüglein, Vorstandssprecher von Bündnis 90/Die Grünen in Coburg. "Pfingsten war sehr ruhig hier in Coburg, es war schön, dieses Jahr einfach mal durch die Innenstadt zu gehen, ohne überall vollgekotzte Ecken zu sehen, ohne überall Urin in den Straßen zu riechen. Es wäre schön, wenn der Coburger Convent nicht mehr in Coburg stationiert wäre." Der Coburger Convent sei ein elitärer, sexistischer und nationalkonservativer Männerbund, bei dem Frauen nur schmückendes Beiwerk seien. Insgesamt findet Klüglein den Convent und den Pfingstkongress nicht mehr zeitgemäß.

Verband "Alte Herren": Kein Zwang bei Verbindungen

Für Martin Vaupel, Pressesprecher des Verbands "Alte Herren" des Coburger Convents, ist die Kritik nicht neu. Die "Alten Herren" sind Veranstalter des Pfingstkongresses. Vaupel findet das Ereignis ganz und gar nicht überholt. Man sei nichts anderes als eine Familie, bestehend aus Kleinkindern, älteren Kindern, Eltern und Großeltern. Niemand werde zu etwas gezwungen. "Viele Dinge, die uns angelastet sind, sind gar nicht so", erklärt Vaupel. Erst derjenige, der längere Zeit bei dem Verband mitlaufe, würde das feststellen.

"Das Beispiel Saufen: der Ältere sagt dem Jüngeren, du musst das saufen – ich kann Ihnen sagen, ich bin jetzt seit 50 Jahren dabei und mir hat nie einer gesagt, dass ich zu trinken habe." Martin Vaupel, Pressesprecher des Verbands Alte Herren des Coburger Convents

Dass in den Verbindungen nur Männer zugelassen sind, sei einfach die Regel. Es gebe auch Verbindungen für Frauen, so Vaupel. Allerdings können Frauenverbindungen nicht Mitglied im CC werden.

Altoberbürgermeister Norbert Tessmer hat in seiner beruflichen Laufbahn viele Pfingstkongresse miterlebt. "Da finden teilweise auch sehr tiefgründige Diskussionen statt, die auch in die Zukunft weisen. Und deswegen finde ich den CC schon zeitgemäß." Über die ein oder andere Form der Darstellung lasse sich trefflich streiten, so Tessmer. Insgesamt könne er dem CC jedoch nichts Unzeitgemäßes abgewinnen.

Grünen-Vorstand: "Fackelmarsch ist nicht zeitgemäß"

Grünen-Vorstandsprecher Kevin Klüglein sieht das etwas anders. Der traditionelle Fackelzug des Pfingstkongresses sei ihm und vielen anderen in Coburg ein Dorn im Auge. "Der Fackelmarsch ist wirklich eine Veranstaltung, die nicht mehr zeitgemäß ist. Man muss bedenken, da laufen Menschen mit Fackeln zur Nationalhymne auf den Marktplatz ein." Außerdem seien am Rande des Fackelzugs in den vergangenen Jahren immer wieder Rechtsextreme aufgetaucht – die geduldet würden und keinen Widerspruch erhielten, so Klüglein.

Mit solchen Leuten habe man nichts zu tun, beteuert dagegen CC-Pressesprecher Martin Vaupel. "Wir können aktiv nichts machen, außer uns verbal von diesen Menschen fernzuhalten und zu trennen, weil das eine Hoheitsgeschichte der Stadt ist."

Coburger Convent soll 2022 wieder in Coburg stattfinden

2022 wird der Pfingstkongress des Coburger Convents wohl wieder in Coburg stattfinden. Ob es Veränderungen geben wird ist offen. Allerdings: Gegner und Veranstalter haben jeweils schon Bereitschaft für Gespräche miteinander signalisiert.

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