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Der Name Hindenburg steht in Coburg in der Kritik.

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    Coburg: Stadt missbilligt Ehrenbürgerschaft von Hindenburg

    Die Stadt Coburg beschäftigt sich einmal mehr mit ihrer Geschichte. Nach Diskussionen um den Coburger Mohren ist nun der Reichspräsident Paul von Hindenburg in den Fokus gerückt. Die nach ihm benannte Straße soll allerdings nicht umbenannt werden.

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    Von
    • Thorsten Gütling
    • Nicolas Eberlein

    Der Coburger Stadtrat hat sich von einem Beschluss aus dem Jahr 1917 distanziert, wonach dem früheren Reichspräsident Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen wurde. Die Entscheidung fiel mit nur einer Gegenstimme der AfD.

    Coburg debattiert wegen Hindenburg-Ehrenbürgerschaft

    Zur Begründung hieß es, dass sich Hindenburg mit der Ernennung des Reichskanzlers Adolf Hitler zum Steigbügelhalter des NS-Regimes und der darauffolgenden Nazi-Verbrechen und des millionenfachen Völkermordes gemacht habe.

    Alleine die Begründung des damaligen Magistrates habe eine Distanzierung nahegelegt. Demnach sei Hindenburg die Ehrenbürgerschaft wegen dessen "genialer Führung im Weltkrieg" verliehen worden. Der frühere Reichspräsident habe das "Vaterland vor Demütigung und Knechtschaft bewahrt" und den "Grund für eine glückverheißende Weltgeltung Deutschland gelegt". Hindenburg trage darüber hinaus eine Mitverantwortung dafür, dass die Demokratie in Deutschland zerstört und durch eine brutale Diktatur ersetzt wurde.

    Hindenburgstraße soll nicht umbenannt werden

    Allerdings: Die Ehrenbürgerwürde erlischt mit dem Tod des Geehrten, im Falle Hindenburgs ist das also bereits im Jahr 1934 geschehen. Eine posthume Aberkennung ist nicht möglich. Der Stadtrat habe mit seiner Entscheidung aber ein Zeichen für Menschlichkeit und Menschenwürde setzen wollen.

    Eine Umbenennung der Hindenburgstraße im Herzen der Stadt sei aber nicht angedacht. Vielmehr solle überall dort, wo von Seiten der Stadt auf die Ehrenbürgerwürde Hindenburgs hingewiesen werde, auch die jetzt erfolgte Missbilligung erwähnt werden. So solle "in der Hindenburgstraße eine Tafel mit einer kritischen Würdigung im Sinne einer 'lebendigen Erinnerungskultur' angebracht" werden, heißt es im Stadtratsbeschluss. Auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks heißt es von der Stadt, dass ein solcher Umgang größeren Nutzen habe, als das "Löschen" des Namens. Die Namensänderung einer Straße würde die Stadt außerdem finanziell haftbar gegenüber allen Anwohnern und Unternehmen machen, für die dadurch Kosten entstünden. Sei es durch Neudrucke von beispielsweise Visitenkarten oder Hausnummern.

    Stadt arbeitet Geschichte vor NS-Hintergrund auf

    Erst im März hatte die Historische Kommission der Stadt neue Erkenntnisse über die Entwicklung der NS-Diktatur in Coburg präsentiert. Demnach hätten in der Stadt besonders viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt entweder als Mitwisser, Mitläufer oder gar Mittäter das Netzwerk der Nationalsozialisten gestützt. Vor diesem Hintergrund seien auch die Worte des Coburger Magistrates aus dem Jahr 1917 zu sehen, der Hindenburg auch dafür ehrte, dass er im deutschen Volk einen "unbeirrbaren Siegeswillen" und "ungeahnte Kraft" erzeugt habe.

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