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Die Corona-Pandemie hat dem Handel in den Innenstädten schwer zugesetzt. In Coburg versucht die Projektgruppe "Stadtmacher" gegenzusteuern.

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Coburg: Mit Kreativität gegen Leerstand in der Innenstadt

Die Corona-Pandemie hat dem Handel in den Innenstädten schwer zugesetzt. Während der Onlinehandel boomte, kämpfte der Einzelhandel teils ums Überleben. In Coburg versucht die Projektgruppe "Stadtmacher" gegenzusteuern.

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Richard PadbergRichard PadbergBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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"Ladenfläche zu vermieten, Räumungsverkauf – wir schließen, Nachmieter gesucht". In der Coburger Innenstadt fallen zahlreiche solcher Schilder ins Auge. Nach fast zwei Jahren Pandemie haben viele Händlerinnen und Händler aufgegeben. Die, die noch da sind, versuchen mit kreativen Mitteln die Kundinnen und Kunden zufrieden zu stellen, berichtet Karl Baier, seit 15 Jahren Leiter des Coburger Stadtbauamtes. Auch der Leerstand in der Innenstadt werde zum Teil durch Kreativität überdeckt. In einigen Ladenflächen und Schaufenstern finden sich Kunstausstellungen und Installationen. Hier habe Coburg mit der Hochschule einen großen Vorteil, was Innovationen und Herzblut angehe, so Baier. Aber, man dürfe sich nichts vormachen, allein mit Kunst könne man die Leerstände nicht ausgleichen.

Projektgruppe "Stadtmacher" sollen Innenstadt neu denken

Eine Stadt und vor allem die Innenstadt müssten heute viel mehr bieten als nur "Geschäfte", so Baier. Es gehe um Aufenthaltsqualität, Gastronomie und Wohnraum. Aus diesem Grund hat die Stadt Coburg vor etwa einem Jahr eine Projektgruppe ins Leben gerufen. Der Name "Die Stadtmacher" soll gleichzeitig Programm sein. Angestellte der Wohnbau und Stadtentwicklungs GmbH, des Citymanagements und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft wollen Coburgs Innenstadtgestaltung in Zeiten des Strukturwandels neu denken und machen, erklärt Anette Vogel, die Projektleiterin der "Stadtmacher".

Innenstadtgestaltung als Zusammenspiel vieler Akteure

Die Pandemie und die erneute Absage des Weihnachtsmarktes hätten den Händlerinnen und Händlern in der Innenstadt wieder einen kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht, berichtet Vogel. Die Hoffnung, dass der Weihnachtsmarkt Kunden in die Geschäfte bringe, sei erneut enttäuscht worden. Was der Handel brauche, sei natürlich die Frequenz. Auch andere Veranstaltungen sind pandemiebedingt momentan nicht möglich. Wichtig sei es, auf das Zusammenspiel vieler Akteure zu setzen und neue Wege zu gehen. Einer dieser Wege der "Stadtmacher" ist es, kreativen Köpfen und Studierenden in Coburg Flächen im Leerstand anzubieten, für eine geringe Miete.

Studieren und arbeiten in der Innenstadt

Im Steinweg in der Coburger Innenstadt haben sich Architekturstudent Jan Müller und sechs Kommilitonen in einem leerstehenden Ladengeschäft eingemietet und füllen den Raum mit Leben. Sie lernen und arbeiten dort und tragen die Hochschule somit ein Stück weit in die Innenstadt und machen die Arbeit dadurch sichtbar, erläutert Jan Müller. Das sei bislang eher untypisch gewesen. In Gebäuden, die der städtischen Wohnbau und Stadtentwicklungsgesellschaft gehören und die saniert werden sollen, sind solche Konzepte umsetzbar. "Die Stadtmacher" um Anette Vogel hoffen, dass die kreativen Köpfe auch nach den Sanierungen in der Innenstadt bleiben können. Auch Kombimodelle, dass im Erdgeschoss gearbeitet und in den andern Stockwerken Wohnungen für die Ladeninhaber und Künstler entstehen, seien denkbar.

Leerstand in privaten Immobilien problematischer

Die Reaktivierung von Leerstand in Gebäuden, die in privater Hand sind, gestaltet sich hingegen schwieriger, so Stadtmacherin Anette Vogel. Die Eigentümerinnen und Eigentümer sähen die Immobilien teilweise auch als Wertanlage. In Coburg herrsche kein Bauzwang, berichtet Karl Baier, der Leiter des Stadtbauamtes. Das sei auf der einen Seite gut, für die Beseitigung der Leerstände hingegen nicht. Mit einem eigenen Leerstandsmanager versuchen die Stadtmacher mit privaten Besitzerinnen und Besitzern in Kontakt zu kommen. Nachdem sich auch einige Handelsketten aus Coburg verabschiedet haben, hofft Anette Vogel, dass in der Frage der Nutzung ein gewisses Umdenken stattfindet.

"Ich denke, es spricht sich an der einen oder anderen Stelle rum, dass es vielleicht gut ist, dass man da vielleicht lieber den inhabergeführten Einzelhändler mit reinnimmt oder einen Gastronomen, der ein ganz neues Konzept mitbringt." Anette Vogel, Projektleiterin "Stadtmacher"

Concept-Store als "Testballon" im kommenden Jahr

In einem Ladenlokal, das vorübergehend als Pop-Up-Store genutzt wurde, planen die Stadtmacher im kommenden Jahr einen weiteren "Testballon" steigen zu lassen. Angedacht ist ein "Concept-Store", in dem Kleidung anprobiert werden kann, die Kundinnen und Kunden die Ware dann aber passgenau im Internet kaufen. In Zusammenarbeit mit einer Online-Plattform soll wie in einem "Testlabor" herausgefunden werden, ob das Konzept ankommt und so möglichweise die zunehmenden Retouren an Paketen eingedämmt werden können. Vielleicht ein neuer und nachhaltiger Weg der Coburger "Stadtmacher", der den Online- und den Innenstadthandel miteinander verbinden kann.

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