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Ab Oktober sollen Clubs und Diskotheken in Bayern wieder öffnen dürfen. Aber wann genau und unter welchen Bedingungen ist noch völlig unklar. Das stellt Clubbetreiber vor immense Planungsprobleme. So auch die Betreiber des Club Paisley in Erlangen.

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Clubs in Bayern: Bisher keine klaren Regeln zur Wiedereröffnung

Ab Oktober sollen Clubs und Diskotheken in Bayern wieder öffnen dürfen. Aber wann genau und unter welchen Bedingungen ist noch völlig unklar. Das stellt Clubbetreiber vor immense Planungsprobleme - zum Beispiel in Erlangen und Burghausen.

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Tobias BurkertTobias BurkertChristina SchmittChristina Schmitt
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Wer regelmäßig im Erlanger Nachtleben unterwegs ist beziehungsweise gewesen war, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch hier schon lustige Stunden verbracht: Der Club Paisley ist seit Jahrzehnten nicht nur bei Studenten der Hugenottenstadt eine beliebte Feieranlaufstelle. Seit eineinhalb Jahren ist der Club geschlossen. Daniel Nowak ist einer der drei Geschäftsführer und bereit für die Wiedereröffnung. Die Bar, sagt er, sei gefüllt, der DJ gebucht, aber vieles sei noch immer unklar.

Wiedereröffnung ohne exaktes Datum

Im Oktober sollen Clubs und Diskotheken in Bayern wieder aufmachen dürfen, so Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits im August. Nur zu welchen Bedingungen und wann genau, steht auch Ende September noch immer nicht offiziell fest. "Für uns ist das extrem schwierig", sagt Daniel Nowak. Man stelle sich vor, zum Beispiel eine große Geburtstagsparty organisieren zu müssen, aber keiner wisse: Wann findet sie exakt statt? Wie viele Gäste kommen und wie viel Vorbereitungszeit besteht faktisch? Man plane sozusagen ins Blaue hinein.

So geht es auch Michael Petzold, Betreiber des Moloko Clubs in Burghausen. Seit Wochen laufen im Moloko Club in Burghausen bereits die Vorbereitungen. Michael Petzold ist sauer: "Ich weiß nicht, wie das gehen soll", klagt er. "Wer weiß, was die am Donnerstagnachmittag beschließen?" Er meint das Kabinett, das am kommenden Donnerstag die Hygieneauflagen für die Wiedereröffnung der Clubs final beschließen soll. Zwar hat Ministerpräsident Markus Söder bereits grob die Fahrtrichtung ausgegeben. Doch die Details machen für Clubbetreiber Michael Petzold einen großen Unterschied. "Nur ein Beispiel: Wenn es etwa heißt, wir brauchen Plexiglaswände: Wie sollen wir welche innerhalb eines Tages besorgen?", sagt er. "Katastrophe", schiebt er nach.

Clubs: Vorbereitungen und Ausgaben mit Unsicherheiten

Eigentlich hätte Michael Petzold gerne schon länger gewusst, welche Maßnahmen er vor Ort ergreifen muss. Fast täglich rief er zuletzt beim Landratsamt in Altötting an, um zu erfahren ob und unter welchen Bedingungen er öffnen könne. Das Landratsamt kann aber auch nicht mehr, als auf die Kabinettssitzung verweisen. "Ich habe deswegen lange keine Getränke bestellt, weil es mir zu unsicher war", erzählt Petzold. Er sei gespannt, ob er alles erhalte, wenn alle Clubbetreiber gleichzeitig und so kurzfristig vorab bestellen wegen der vielen Unsicherheiten.

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Ab Oktober sollen Clubs und Diskotheken in Bayern wieder öffnen dürfen. Aber wann genau und unter welchen Bedingungen ist noch völlig unklar. Das stellt Clubbetreiber vor immense Planungsprobleme - zum Beispiel in Erlangen und Burghausen.

3G ist wahrscheinlich – aber sonst noch vieles unklar

Nach Protesten von Seiten der Freien Wähler und von Seiten der Interessensverbände ist mittlerweile sehr wahrscheinlich, dass die 3G-Regel und nicht 2G gelten wird. Clubbetreiber können dann die Regelungen selbst verschärfen, und beispielsweise nur Geimpfte und Genesene einlassen. Doch die weiteren Hygieneauflagen sind noch weitgehend unklar - etwa ob die Gäste im Club teilweise Maske tragen müssen und wenn ja, wo überall. "Eine Maskenpflicht auf der Tanzfläche kann ich mir nicht vorstellen. Das hat ja auch schon Söder angedeutet", sagt Petzold. "Aber keine Ahnung, was dann tatsächlich kommt." Außerdem unklar ist, ob das Personal einen Mund-Nasen-Schutz tragen muss – und ob die Betreiber an den Bars möglicherweise Plexiglaswände brauchen.

Clubbetreiber hoffen auf Kabinettssitzung

Erst nachdem das Bayerische Kabinett am Donnerstag getagt hat, werden Clubbetreiber genau wissen, unter welchen exakten Bedingungen Öffnungen wieder möglich sind. Der Vorlauf für die Verantwortlichen im Nachtleben ist wahrscheinlich nur kurz.

Das sei ein großes Problem in der Position eines Arbeitsgebers, sagt Club-Mitbetreiber Andreas Zahn, der für die Personalsteuerung im Erlanger Paisley maßgeblich zuständig ist. Vom Personal vor der Pandemie sei nur etwa ein Drittel geblieben, der Rest habe sich verständlicherweise anderweitig umgesehen. Neue Leute zu finden, sei unter den Bedingungen schwieriger denn je.

Was solle man den Interessenten sagen? Wir eröffnen vielleicht an diesem Datum oder an jenem, die Einarbeitungsphase werde sicherlich ohnehin für die meisten ein Wurf ins kalte Wasser. Welche Perspektive man den Mitarbeitenden bieten könne, stehe noch in den Sternen, so Zahn.

Keine Club-Öffnung um jeden Preis

Der Tenor bei vielen Clubbetreibern in Bayern ist ähnlich. Man wolle fast alles tun, um sicheres Feiern im Innenraum zu ermöglichen. Dennoch gebe es aber noch eine gewisse Club-Philosophie. Nämlich die Leute zusammen zu bringen, Kontakte zu knüpfen. Abstandsregeln und Maskenpflicht auf und um die Tanzfläche herum seien deshalb unvorstellbar. Da wolle man nicht mitmachen, dann lieber den Laden geschlossen lassen, so Daniel Nowak vom Erlanger Paisley. Im Großen und Ganzen blicke "das Paisley" aber optimistisch in Richtung Oktober-Eröffnung. Nach 19 Monaten Dornröschenschlaf werde es Zeit, endlich wieder wachgeküsst zu werden. Und dafür sei man mehr als bereit.

Betreiber Michael Petzold aus Burghausen hofft nun, dass das Kabinett keine spontanen Blitzideen hat – oder die Öffnungen gar wieder verschoben werden. Denn dann hat Michael Petzold nicht nur viele Getränke umsonst bestellt. Er wird dann auch weiterhin beobachten, wie die Burghauser trotzdem Party machen – nur eben nicht bei ihm: "Man muss nur einmal über die Brücke, dann ist man in Österreich. Dort kann man schon seit ein paar Monaten wieder weggehen." Dort gilt derzeit die 3G-Regel, ebenso müssen Gäste ihre Kontaktdaten im Club hinterlassen. Doch zum Feiern selbst müssen sie weder Abstand halten – noch eine Maske tragen.

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