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Claudia Roth wirbt für mehr Solidarität in der Corona-Krise | BR24

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Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sorgt sich um Europa und um die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. Die Augsburgerin warnt davor, in der Zeit von Corona nur noch nach innen zu schauen und die

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Claudia Roth wirbt für mehr Solidarität in der Corona-Krise

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth sorgt sich um Europa und um die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. Die Augsburger Grünen-Politikerin warnt davor, wegen Corona nur noch nach innen zu schauen und die Probleme in Europa zu vernachlässigen.

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Von
  • Thomas Pösl
  • Veronika Scheidl

In einem Videotelefonat mit dem BR-Studio Schwaben fand Claudia Roth am Donnerstag deutliche Worte zur Corona-Krise: "Es macht mir Sorge, dass der globale Aspekt wegfällt. Ich glaube, wir dürfen bei dieser Krise nicht das verlieren, was uns ausmacht: Nämlich Empathie, Verantwortung und europäisches Vorausgehen."

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Roth sorgt sich um Geflüchtete in Griechenland

Die Menschen in den Flüchtlingslagern hätten alles verloren. Auf den griechischen Inseln hätten sie im Krankheitsfall wenig Chancen. "Es kann doch nicht sein, dass unsere Herzen zu Stein werden." Man dürfe nicht warten, bis andere Länder mitgehen, um zu helfen. Sie spüre die Bereitschaft von so vielen Menschen im ganzen Land, genau das zu tun, sagte Roth.

Solidarität darf wegen Corona keine Grenzen haben

Angst davor, rechtsgerichteten Gruppen durch Hilfe für Flüchtlinge eine Vorlage zu geben, dürfe man nicht haben: "Die missbrauchen das ja sowieso und sie hetzen sowieso." In Zeiten von Corona müsse sich die Solidarität bewähren, "und die kennt keine Grenzen, weil die Verletzung und Stimmungsmache, die sind doch nicht weg, nur weil Corona da ist."

Europa könnte an Corona zerbrechen

Die Gefahr, dass Europa zerbricht, sei "sehr, sehr groß", sagte Claudia Roth. "Ich mache mir wirklich Sorgen um Europa. Wir haben ihm viel zu verdanken. Wir haben jahrzehntelang Frieden gehabt. Und jetzt erlebe ich in dieser Corona-Zeit eine unglaubliche Renationalisierung des Denkens. Man hat das Gefühl, alles zieht sich auf die Nation zurück.”

Roth lobt und kritisiert Bundeskanzlerin Merkel

Lobende, aber auch kritische Worte hatte Claudia Roth für die Bundeskanzlerin im Umgang mit der Corona-Krise. Roth schätze deren Ansprache ans Volk und wie sie in der Krise agiere. Doch Angela Merkel habe in ihrer Fernsehansprache an die Bürger Mitte März nicht einmal das Wort "Europa" oder "globale Solidarität" genannt.

Forderung nach Corona-Bonds

Die Augsburger Grünen-Politikerin warb im Gespräch mit dem BR auch für Corona-Bonds. Es könne nicht sein, dass wir es nicht als selbstverständlich ansehen, Italien und Spanien jetzt zu helfen. "Wann, wenn nicht jetzt, muss sich Europa in seiner Solidarität und gemeinsamen Verantwortung beweisen?"

Natürlich brauche es jetzt die Corona-Bonds: "Denn wenn Italien und Spanien kollabieren, dann haben wir eine ganz andere Krise als damals bei der Griechenland-Finanzkrise. Und dann schadet das auch uns", sagte Roth.