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Chronologie: Ein halbes Jahr Coronavirus in Unterfranken | BR24

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Seit dem 27. Januar hat sich das Leben in Franken geändert. Nach dem ersten gemeldeten Fall von Corona wurden Schulen, Kindergärten und öffentliche Einrichtungen vorerst geschlossen.

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Chronologie: Ein halbes Jahr Coronavirus in Unterfranken

Im März gab es die ersten Corona-Fälle in Würzburg. Schnell kamen Fälle in ganz Unterfranken dazu. Wegen der vielen Infizierten und Toten in Altenheimen wird die Region zum Corona-Hotspot – Rückblick auf ein halbes Jahr Coronavirus in Unterfranken.

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Von
  • Christiane Scherm
  • Wolfgang Siebenbürger

Von den ersten beiden Coronavirus-Fällen in Würzburg bis zum Corona-Hotspot: Die Chronologie des Coronavirus in Unterfranken.

5. März: Das Würzburger Gesundheitsamt meldet die ersten zwei Fälle von Coronavirus-Infektionen. Es handelt sich um ein junges Pärchen, das zuvor in Italien war. Die Fälle häufen sich innerhalb kurzer Zeit, nicht nur in Würzburg, sondern in der ganzen Region.

10. März: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus haben sich zwei Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Die ersten Großveranstaltungen werden abgesagt. Die Buchungszahlen im Hotel- und Gastgewerbe brechen ein.

11. März: Das Coronavirus wird als weltweite Pandemie eingestuft.

16. März: Kindergärten, Schulen und öffentliche Einrichtungen in Unterfranken werden geschlossen.

17. März: Die Regierung von Unterfranken richtet eine Führungsgruppe Katastrophenschutz ein. Ähnliche Krisenstäbe gibt es kurze Zeit später in allen Landkreisen.

19. März: Der Wälzlagerhersteller Schaeffler passt seine Produktion an und fordert die Mitarbeiter in Eltmann, Schweinfurt und Kitzingen auf, Überstunden abzubauen.

21. März: Im Würzburger Nikolausheim sind neun Senioren gestorben.

23. März: ZF in Schweinfurt kündigt Kurzarbeit im großen Stil an.

25. März: Die unterfränkische Polizei muss durchgreifen, weil sich Menschen nicht an die Coronavirus-Beschränkungen halten. Vor allem an den darauffolgenden Wochenenden führt die Polizei verstärkt Kontrollen durch. Im Nikolausheim in Würzburg laufen umfassende Tests bei Bewohnern und Mitarbeitern. Eine Evakuierung ist angedacht.

27. März: Das Seniorenheim wird nicht evakuiert. Stattdessen werden die infizierten Senioren intern auf mehreren Stationen isoliert. Durch den Transport in andere Einrichtungen sei die Infektionsgefahr zu groß, heißt es von der Bürgerspital-Stiftung, die das Seniorenheim betreibt. Das Heim ist unter Quarantäne. Angehörige und Betreuer dürfen die Senioren nicht besuchen.

44 Bewohner und 32 Mitarbeiter sind dort positiv getestet worden. Elf Senioren sind inzwischen an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben.

"Das Problem in den Altersheimen ist, dass die Menschen Vorerkrankungen haben, ein schlechtes Immunsystem haben und sehr alt sind. Dadurch sind sie deutlich anfälliger. Wir haben dort nicht gleich gesehen, wer ansteckend ist und wer nicht. Auch Menschen ohne Symptome waren ansteckend. So konnte sich das Virus so schnell ausbreiten", erklärte Barbara Finkenberg, die stellvertretende Leiterin des Würzburger Gesundheitsamts, dem Bayerischen Rundfunk.

28. März: Das Coronavirus erreicht das unterfränkische Ankerzentrum in Geldersheim (Lkr. Schweinfurt). Sieben Bewohner und ein Mitarbeiter sind infiziert. Die ganze Flüchtlingseinrichtung ist unter Quarantäne, niemand darf hinein oder heraus.

30. März: Im Seniorenheim St. Nikolaus in Würzburg sind inzwischen 16 Senioren gestorben.

31. März: Es kommen weitere Todesfälle in Seniorenheimen dazu: Im Hans-Sponsel-Haus der AWO in Würzburg sind vier Bewohner nach einer Infektion gestorben. 36 Bewohner und neun Mitarbeiter sind infiziert. Die Coronakrise trifft auch die Kulturschaffenden in Unterfranken hart. Die Posthalle in Würzburg verkauft deshalb symbolische Support-Tickets. Großveranstaltungen sind verboten.

1. April: Auch im Schweinfurter Seniorenheim Domicil sind vier Menschen gestorben.

3. April: Die unterfränkischen Gesundheitsbehörden ziehen eine Zwischenbilanz: 1.448 Menschen haben sich infiziert, 40 sind gestorben – 21 davon in Stadt und Landkreis Würzburg.

Professoren und Studierende der FH Würzburg-Schweinfurt arbeiten an einem günstigen Beatmungsgerät, das sich leicht herstellen und weltweit einsetzen lässt.

6. April: Mit digitalen Lehr- und Lernformaten will die Uni Würzburg das Sommersemester ohne Präsenzveranstaltungen bewältigen. "Ein gewaltiges Realexperiment in didaktischer Transformation", so Medizinprofessorin Sarah König.

7. April: Wegen der hohen Fallzahlen hat die Staatsanwaltschaft Würzburg Ermittlungen zum Nikolausheim aufgenommen. 22 Bewohner sind ums Leben gekommen. Im Zentrum steht die Frage: Haben die Mitarbeiter gegen Hygienevorschriften verstoßen? Für die Mitarbeiter seien die Ermittlungen ein"„absoluter Genickschlag", heißt es von der Stiftung Bürgerspital.

Die Einrichtung gilt als die mit den meisten Todesfällen in ganz Deutschland – neben einem Heim in Wolfsburg, wo es 43 Tote und 280 Infizierte gegeben hat (Stand: 03.05.20). Die Fallzahlen machen deutschlandweit Schlagzeilen.

8. April: Viele Hausarztpraxen in Unterfranken haben wenig oder gar keine Schutzkleidung mehr. Es fehle an Masken, Handschuhen und auch an Desinfektionsmitteln, beklagt Christian Pfeiffer, der Vorstandsbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern.

14. April: Der Würzburger Virologe Carsten Scheller von der Uniklinik befürwortet das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit. Nur so könne man eine Ansteckung anderer Personen verhindern.

19. April: Zum ersten Mal in der 618-jährigen Geschichte der Julius-Maximilians-Universität Würzburg beginnt ein Semester ohne Anwesenheits-Veranstaltungen. 26.500 Studierende lernen nun digital.

21. April: Im Ankerzentrum in Geldersheim ist der erste Flüchtling nach einer Corona-Infektion gestorben. Laut Regierung von Unterfranken handelt es sich um einen 60-jährigen Mann aus Armenien, der bereits vorerkrankt war. Der bayerische Flüchtlingsrat fordert daraufhin die Schließung solcher Einrichtungen.

27. April: Die Lage in den Würzburger Seniorenheimen entspannt sich. Im Seniorenheim St. Nikolaus sind 25 Bewohner gestorben. Es gilt inzwischen aber als Corona-frei.

29. April: Die Isolation der Bewohner im Würzburger Nikolausheim ist aufgehoben.

30. April: Der Würzburger Bischof Franz Jung erlaubt wieder öffentliche Gottesdienste, zunächst aber nur Wort-Gottes-Feiern ohne Eucharistie.

6. Mai: 450 Menschen haben sich für eine Studie der Uni Würzburg gemeldet. Sie wollen nach einer überstandenen Corona-Infektion Blutplasma spenden. Eine Transfusion könnte Erkrankten helfen.

16. und 17. Mai: In Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg demonstrieren Menschen gegen den Lockdown, die Maskenpflicht und Zwangsimpfung. Zu den Anti-Corona-Demos in Unterfranken kommen hunderte Menschen. Anders als in München oder Nürnberg laufen sie friedlich ab.

18. Mai: Es gibt Lockerungen in der Gastronomie. Biergärten dürfen stundenweise wieder öffnen. Einer der ersten hier in Unterfranken ist der auf dem Kreuzberg in der Rhön. Auch dort gelten die Corona-Regeln: Abstand halten, Maske tragen und Kontakdaten hinterlegen.

19. Mai: Die Flüchtlinge im Ankerzentrum in Geldersheim demonstrieren gegen die Quarantäne. Die Polizei rückt an und nimmt 16 Bewohner in Gewahrsam.

20. Mai: Der beliebte Brückenschoppen auf der alten Mainbrücke in Würzburg ist wieder erlaubt. Die Gastronomen haben Stehtische aufgestellt, an denen sich eine beschränkte Anzahl von Personen zum "schöppeln" treffen darf.

26. Mai: Die Regierung von Unterfranken hebt die Quarantäne im Ankerzentrum Geldersheim auf.

27. Mai: Wegen Corona steht auch die Landesgartenschau in Schweinfurt im Jahr 2026 auf der Kippe. Die Stadt fürchtet massive Einbrüche bei den Gewerbesteuer-Einnahmen.

5. Juni: Zum ersten Mal nach dem Lockdown findet in Würzburg eine Fridays for Future-Demo statt.

15. Juni: Die Tourismus-Branche in Unterfranken rechnet mit Einbußen zwischen 40 und 70 Prozent. In Würzburg leidet der Städtetourismus unter der Absage von Großveranstaltungen wie dem Weinfest oder dem Africa-Festival.

16. Juni: Forscher der Universität Würzburg finden heraus, dass der bei Depressionen gängige Wirkstoff Fluoxetin Corona-Viren hemmen kann.

17. Juni: Die Universität Würzburg hält Prüfungen in der Posthalle ab, einer Veranstaltungshalle. Dort könne man die Abstandsregeln einhalten, heißt es.

19. Juni: Stefan Morhard, ein Gastronom aus Randersacker (Lkr. Würzburg) kippt die Corona-Sperrstunde: Restaurants und Biergärten in ganz Bayern dürfen wieder bis 23.00 Uhr öffnen. "Es gibt keinen Grund, warum Corona nach 22.00 Uhr gefährlicher sein soll", so Morhard. Zuvor musste die Gastronomie um 22.00 Uhr schließen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof gab der Klage des unterfränkischen Gastronomen statt.

8. Juli: Die Würzburger Uniklinik startet eine neue Corona-Studie mit 5.000 Teilnehmern. Sie sollen auf Antikörper getestet werden. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Wie stark ist das Virus in Würzburg verbreitet? Wer ist immun? Die Probanden sind zwischen 30 und 79 Jahre alt und nehmen an einer bereits laufenden Herzinsuffizienz-Studie teil. Die Gruppe ist laut Uniklinik repräsentativ für die Gesellschaft und bereits umfassend untersucht.

Parallel dazu forscht die Uni Würzburg an einem Impfstoff gegen Corona. Es gebe 200 Kandidaten, 20 würden schon klinisch getestet, sagte Jürgen Vogel vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie. Die Entwicklung von Impfstoffen dauert normalerweise zehn bis 15 Jahre.

9. Juli: Aschaffenburg entwickelt sich zum Corona-Hotspot: Ein Kindergarten, ein Hort und eine Flüchtlingsunterkunft geschlossen. Vier Erwachsene und zwei Kinder hatten sich bei einer Hochzeit in Memmingen mit dem Coronavirus infiziert. Alle Kontaktpersonen wurden getestet. Über 80 Menschen waren in Quarantäne.

Unterfränkische Kulturschaffende kritisieren die Lockerungen für die Kulturbranche. Die Zahl der Besucher soll steigen, doch das bringe nichts – so lange die Abstandsregeln gelten würden, heißt es.

12. Juli: Am Schweinfurter Olympia-Morata-Gymnasium ist ein Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Schule wurde deshalb für mehrere Tage geschlossen. 340 Kontaktpersonen werden getestet.

15. und 16. Juli: Es gibt die ersten bestätigten Coronafälle in Kitas am Untermain: In Kleinheubach im Landkreis Miltenberg hat sich ein Kindergartenkind infiziert. Die Gruppe wurde geschlossen, 40 Menschen getestet. Auch in Heimbuchenthal im Landkreis Aschaffenburg ist ein Kind positiv getestet worden. 20 Kinder, ihre Eltern und Betreuer sind in Quarantäne.

16. Juli: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus hat sich ein Bewohner vielleicht zum zweiten Mal mit dem Coronavirus infiziert. Auch dieser Fall macht Schlagzeilen: Hat sich der Mann wirklich erneut infiziert oder war er noch infiziert? Virologische Tests sollen Klarheit bringen. Das Seniorenheim ist wieder in Quarantäne. Etwa 250 Kontaktpersonen werden getestet.

20. Juli: Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat die Ermittlungen gegen das Pflegepersonal in Würzburger Seniorenheimen eingestellt. Es gebe keine Hinweise auf ein strafrechtliches Verhalten oder Fehler bei der Hygiene. 45 Bewohner von Seniorenheimen in Würzburg sind gestorben.

22. Juli: Es gibt einen ersten Corona-Fall in einer Würzburger Kita. Ein dreijähriges Kind hat sich infiziert. Es hatte noch das Sommerfest der Kita besucht, bei dem viele Kinder mit ihren Familien waren. Die Einrichtung an der Löwenbrücke ist geschlossen. Alle Kontaktpersonen werden getestet.

22. Juli: Die Universität Würzburg stellt eine Studie zum Coronvirus in Kitas vor: Ab Herbst sollen 800 Kinder getestet werden. Es geht vor allem darum, wie man Infektionen frühzeitig erkennen und den Kita-Betrieb aufrechterhalten kann. Im Mittelpunkt stehen die Tests an sich: Wie gut werden sie von Kindern/Mitarbeitern/Eltern akzeptiert? Welcher Test eignet sich am besten?

27. Juli: Der infizierte Senior aus dem Seniorenheim St. Nikolaus ist nach Angaben des Gesundheitsamts wieder gesund und zurück im Heim. Ob er sich erneut infiziert hat oder noch infiziert war/ist, lässt sich nicht mehr feststellen.

Laut Landesamt für Gesundheit haben sich in Unterfranken bislang 3.659 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 190 sind an den Folgen einer Infektion gestorben (Stand: 27.07.20, 14.00 Uhr).

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