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Seit einer Woche feiern Gruppen wie Schwule, Lesben und Transsexuelle in München die "Pride Week", die Aktionswoche zum Christopher-Street-Day.

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Christopher Street Day: Keine große Parade, aber viele kleine

In München feierten Tausende Menschen den Christopher Street Day. Zwar gab es wegen der Corona-Pandemie keine große Parade, dafür gab es in der City dutzende Aktionen. Und auch die Münchner Fußball-Arena leuchtete in Regenbogenfarben.

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Von
  • David Donocik

Christopher Street Day in München zu Corona-Zeiten: Auf insgesamt 66 Ständen mit jeweils maximal sechs Personen demonstrierten Homosexuelle, Transgender und Bisexuelle am Samstag für Gleichberechtigung. Außerdem bekamen Interessierte Informationen zu den sexuellen Identitäten der Vereine sowie die Möglichkeit, sich via Broschüren über Gruppentreffen, Schulungen und Online-Auftritte auszutauschen.

Die Stände verteilten sich auf einer Gesamtlänge von ca. 2,6 Kilometer. In der gesamten Innenstadt trugen unzählige Menschen Regenbogenfahnen um die Schultern, auch auf Laternenmasten oder in den Schaufenstern von Geschäften wurden Fahnen aufgehängt. Auch an der Fassade des Münchener Rathauses hingen mehrere zehn Meter lange bunte Flaggen.

Volle Innenstadt, aber keine Probleme

Durch die zahlreichen Wochenendeinkäufer, die vor den Geschäften Schlange standen, war die Innenstadt so voll wie vor der Pandemie. 70 Polizeibeamte sind am Samstag im Stadtgebiet unterwegs. Dabei ging es während der dreistündigen dezentralen Demo-Aktion laut einem Polizeisprecher "absolut friedlich und problemlos" zu. Offiziell sind weiterhin keine größeren Massen erlaubt.

Auch die auftretenden Vereine mussten sich an strenge Regelungen halten: Karl E., der Werbung für BDSM-Vereinigung QueerSpiel macht, sagte: "Wir dürfen nicht die Menschen dazu anhalten, hier bei uns lange zu verweilen, wir dürfen ihnen keine Flyer in die Hand drücken und sie in längere Gespräche verwickeln."

Dennoch war die Stimmung fast überall ausgelassen und harmonisch. Auch am Stand von QueerSpiel. "Wir hatten über eintausend Regenbogenmasken und in nicht einmal zwei Stunden waren alle weg. Also angesichts der Umstände ist die Stimmung großartig."

Bunte Feiern und Forderungen

Am Stand des Vereins TransMann, der Menschen anspricht, die sich entgegen ihres Geschlechts als Mann fühlen, war die Resonanz ebenfalls positiv: "Klar, wir müssen den Leuten sagen, dass sie sich Flyer nehmen können und relativ zügig wieder weiter gehen sollen. Aber die Akzeptanz ist da. Wir sind einfach froh, dass wir da sind und uns präsentieren dürfen."

Viele Gruppen tanzten zu Musik, zahlreiche Drag-Queens zogen in bunten Kostümen durch die Kaufinger Straße. Viele Leute machten Fotos mit Anhängern anderer sexuellen Identitäten. "Es ist schön, wir haben schon viele Komplimente wegen unseres Outfits bekommen und dass unser Schild nice ist", sagte eine Teilnehmerin. Auf Kartons und Transparenten verkündeten die CSD-Teilnehmer viele Botschaften, um für Gleichberechtigung zu werben, wie "Homophobie hat viele Gesichter, aber alle sind hässlich", oder "We want Queer Liberation not Rainbow Capitalism".

Fahrrad-Sternfahrt am Sonntag mit tausend Teilnehmern

Im Rahmen der PrideWeek 21 finden in der gesamten Stadt weitere Veranstaltungen statt. So treten viele Künstler auf der kleinen Oben-Air-Bühne auf der Theresienwiese auf und in Obersendling findet in einem Biergarten ein elektronisches DJ-Programm statt. Am Samstagvormittag fand in der Kirche St. Paul ein ökumenischer CSD-Gottesdienst statt.

Am Sonntag beteiligten sich rund 1.000 Menschen an einer Fahrrad-Sternfahrt zu Münchner Theresienwiese. Auch hier war die Maximalzahl wegen der Corona-Pandemie beschränkt worden.

Polizei wie Veranstalter zeigen sich zufrieden

Die Veranstalter zogen trotz aller Einschränkungen ein sehr positives Fazit. "Es war ein sehr erfolgreicher, sichtbarer CSD mit vielen Leuten", sagte ein Sprecher. Man sei auf großes Interesse und Unterstützung gestoßen, die Stimmung sei gut und friedlich gewesen. Es sei wichtig für die Community, wieder auf die Straße zu können und Aufmerksamkeit zu bekommen. Zudem habe man neue Formate erprobt, die man auch künftig beibehalten wolle.

Auch die Polizei zog ein positives Fazit. Sie ging von rund 5.000 Teilnehmern und Besuchern aus. Bis Sonntagnachmittag waren keine negativen Vorfälle im Zusammenhang mit dem CSD bekannt.

© David Donocik

Homosexuelle, Transgender, Bisexuelle und Heteros heute am Marienplatz

© David Donocik

Genau wie die Regenbogenfahnen wurden auch viele Botschaften gesendet

© David Donocik

Fast überall wehen in Münchens Innenstadt bunte Fahnen

© BR/Sandra Demmelhuber

Teilnehmerinnen des CSD vor dem Münchner Rathaus

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