BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Christkind Benigna nach Rassismus-Eklat "noch motivierter" | BR24

© BR.de

Nach dem Eklat wegen eines rassistischen Kommentars auf der Facebook-Seite eines AfD-Kreisverbandes haben sich Oberbürgermeister Ulrich Maly und das neugewählte Nürnberger Christkind Benigna Munsi geäußert. Maly verurteilte den Kommentar.

38
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Christkind Benigna nach Rassismus-Eklat "noch motivierter"

Die Wahl von Benigna Munsi zum Nürnberger Christkind ist von rassistischen Kommentaren überschattet worden. Was folgte, war eine Solidaritätswelle für die Schülerin. Das bestärke sie, sagte die 17-Jährige. Für die Hetzer habe sie nur Mitleid übrig.

38
Per Mail sharen
Teilen

Die Empörung war groß, als der AfD-Kreisverband München-Land nach der Wahl von Benigna Munsi zum neuen Nürnberger Christkind einen rassistischen Post absetzte. Während sich einige wenige der Hetze anschlossen, flogen der Schülerin mit indischen Wurzeln die Herzen im Netz nur so zu. Sie erlebte einen "Candystorm", wie die 17-Jährige am Sonntag im Nürnberger Rathaus sagte. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) erklärte in der extra einberufenen Pressekonferenz, er sei überrascht gewesen, "dass das Netz Haltung und Menschenwürde gezeigt hat", nachdem dort "bescheuerte Kommentare" nach Benignas Wahl aufgetaucht waren.

Christkind Benigna fühlt sich bestärkt

Für Benigna selbst war es neu, in einer solchen Weise angegriffen zu werden, auch wenn sie damit schon gerechnet habe. Ihrer Freude auf ihr neues Amt hat das aber nicht geschadet, sagte die 17-Jährige, die jedesmal strahlt, wenn eine Frage "ans Christkind" gerichtet wird. Sie fühle sich eher bestärkt und sei "noch motivierter", wegen des vielen Zuspruchs und der positiven Resonanz, über die sie sich sehr gefreut habe.

Für alle, die sich zu menschenfeindlichen Kommentaren haben hinreißen lassen, hat sie dagegen nur Mitleid übrig.

"Es tut mir leid für die Menschen, die mit so einer Sicht durch die Welt gehen; die nicht begreifen, was wirklich wichtig ist. Gerade in der Weihnachtszeit." Nürnberger Christkind Benigna Munsi

Seit ihrer Kindheit habe sie Christkind werden wollen, richtig gefasst habe sie diesen Beschluss aber erst, als sie miterlebt habe, welche Wirkung das Christkind durch alle Altersgruppen hinweg habe. Und als herauskam, dass die Eltern und nicht das Christkind die Geschenke besorgen? "Weihnachten blieb für mich Weihnachten, blieb für mich magisch, auch ohne Christkind."

© BR-Studio Franken/Annika Svitil

Auf der Pressekonferenz in Nürnberg (von links): Vater Kausik Munsi, Christkind Benigna, OB Ulrich Maly, Mutter Teresia-Benedicta Kleiner-Munsi

Überwältigt von positiven Reaktionen auf Benigna

Benigna ist in Nürnberg geboren, ihr Vater ist indischer Herkunft, besitzt aber seit vielen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Er kam mit 19 Jahren nach Deutschland, hat hier studiert und wurde immer mit offenen Armen aufgenommen, sagte Kausik Munsi, der im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) arbeitet. Auch er zeigte sich überwältigt von der positiven Resonanz auf seine Tochter. Anfeindungen, wie sie Benigna im Netz erlebt hat, habe er nie erfahren.

AfD-Post sorgt für Empörung

Für Empörung hatte ein Post des AfD-Kreisverbands München-Land in Facebook gesorgt. Darin stand neben einem Bild der 17-Jährigen unter anderem "Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen." Der Post wurde inzwischen gelöscht, der AfD-Kreisverband hat sich entschuldigt.

Viele Internetnutzer hatten sich daraufhin dem neuen Christkind gegenüber solidarisch gezeigt. Unter anderem hat sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick gemeldet und Benigna gewünscht, sich den Spaß "von dummen Kommentaren" nicht verderben zu lassen.

Goldene Perücke beim Christkind bleibt

Zwei Jahre lang wird Benigna Munsi ihr Amt ausfüllen. Mit goldener Perücke, daran gibt es nach der Pressekonferenz im Nürnberger Rathaus keinen Zweifel. Auf eine entsprechende Nachfrage sagte Nürnbergs Sprecher Siegfried Zelnhefer, dass dies zur "Mimikri der Figur" gehöre.

Viel wichtiger sei, eine junge Frau zu finden mit einer herausragenden Persönlichkeit, die zur Empathie und zur inneren Anteilnahme fähig ist. An dem "sehr bewährten Wahlverfahren" zum Christkind, das inzwischen seit 50 Jahren praktiziert werde, wolle man nichts ändern, so Zelnhefer.

Benignas erster Auftritt: Mit dem BR live dabei

Am 29. November wird Benigna den weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt mit dem traditionellen Prolog von der Frauenkirche am Hauptmarkt eröffnen. Der BR ist an diesem Tag ab 17.30 Uhr im Fernsehen und im Internet live mit dabei.