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Christian Stückl wird Ehrenbürger Oberammergaus | BR24

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Der Spielleiter der Oberammergauer Passionspiele, Christian Stückl

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Christian Stückl wird Ehrenbürger Oberammergaus

Christian Stückl hat die Oberammergauer Passionsspiele von antisemitischen Zügen befreit, er lässt Protestanten und Muslime mitspielen und begeistert auch viele junge Menschen für die Passion. Dafür hat die Gemeinde ihn jetzt zum Ehrenbürger ernannt.

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"Ich habe auf diese Ehrung weder gewartet noch habe ich sie erwartet", so die spontane Reaktion von Christian Stückl, nachdem er erfahren hatte, dass die Gemeinde Oberammergau ihn, den Spielleiter der Passionsspiele, zum Ehrenbürger ernannt hat.

Der Gemeinderat begründete seine Entscheidung in seiner Sitzung am Dienstagabend damit, er wolle Stückl für sein erfolgreiches Wirken nach innen und nach außen sowie für seinen Einsatz als Botschafter der berühmten Laienspiele danken.

Trotz allen Erfolgs sei Stückl Oberammergau verbunden geblieben

"Er hat in den letzten Jahrzehnten das Oberammergauer Passionsspiel auf vielen Ebenen erfolgreich weiterentwickelt." Schreiben des Gemeinderats von Oberammergau

Trotz nationaler und internationaler Erfolge sei er seinem Heimatort stets stark verbunden geblieben.

Oberammergau im Ausnahmezustand - Ein Dorf und seine Passion

Stückl – der "Erneuerer" der Passion

1987 war Stückl jüngster Spielleiter der alle zehn Jahre aufgeführten Passion geworden, erstmals inszenierte er sie 1990. Er wird sie 2022 zum vierten Mal inszenieren - wegen Corona zwei Jahre später als geplant. Stückl, der auch Intendant des Münchner Volkstheaters ist, hat die Passion in vieler Hinsicht erneuert. Insbesondere befreite er sie von antisemitischen Zügen; dafür bekam er unter anderem den Abraham-Geiger-Preis und der Buber-Rosenzweig-Medaille.

Protestanten und Muslime wirken mit

Bei der Wahl der Spieler setzte Stückl ebenfalls neue Maßstäbe. Auch verheiratete Frauen dürfen nun die "Maria" spielen - bis 1990 ein Tabu. Gleich in Stückls erster Passion bekam ein Protestant eine Hauptrolle. Bei der nächsten Passion haben erstmals zwei Oberammergauer muslimischen Glaubens Hauptrollen.

Christian Stückl gewinnt junge Leute für Passion

Wichtiger Bestandteil von Stückls Arbeit in Oberammergau sei die Heranführung junger Menschen an das Theater, teilte der Gemeinderat weiter mit. Mit vielen Inszenierungen für den Theatersommer schule er den Nachwuchs für die Passionsspiele.

Stückl hat in Oberammergau auch Kritiker

Christian Stückl sagte, er sei immer den Weg gegangen, den er für den richtigen gehalten habe, und weiter wörtlich: "Ich finde es schön, dass die Leute in Oberammergau sagen, dass das ein guter Weg war". In seiner künstlerischen Arbeit als Passionsspielleiter war und ist Christian Stückl in Oberammergau nicht unumstritten. Immer wieder kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit Kritikern über seine Interpretation und Inszenierung der Passionsspiele, aber auch seiner anderen künstlerischen Projekte in Oberammergau, wie dem Theatersommer und dem Heimatsoundfestival. "Wahrscheinlich haben im Oberammergauer Gemeinderat nicht alle für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an mich gestimmt", so Christian Stückl, "aber das ist auch in Ordnung so".

Gelübde: Seit der Passion keine Pest mehr

Die Oberammergauer Passionsspiele gehen auf das Jahr 1633 zurück. Damals tobte die Pest im Lande. Die Oberammergauer gelobten, alle zehn Jahre die Passion aufzuführen, um die Seuche abzuwenden. Laut Legende starb danach niemand im Dorf mehr an der Pest.

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