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Chemtrails und Co - Kampf gegen Verschwörungsmythen in Augsburg | BR24

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Kampf gegen Verschwörungstheorien in Augsburg

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Chemtrails und Co - Kampf gegen Verschwörungsmythen in Augsburg

Kondensstreifen sind Giftwolken und Impfen macht Kinder krank – gegen Behauptungen wie diese kämpft die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Zurzeit tagt sie in Augsburg.

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Holm Hümmler ist Kernphysiker und Unternehmensberater. In seinen Büchern zeigt er, dass Kondensstreifen von Flugzeugen eben Kondensstreifen sind und keine Chemtrails – also hochgiftige Chemiecocktails, um die Bevölkerung zu dezimieren.

Früher Verschwörungstheoretiker, jetzt Skeptiker

"Skeptiker" steht auf Hümmlers weißem T-Shirt. So nennen sich die Kongress-Teilnehmer in Augsburg. Viele hätten einen naturwissenschaftlichen Background, sagt er. Es gebe aber auch Teilnehmer, die früher selbst Esoteriker waren und nun mit den Wissenschaftlern zusammenarbeiten. "Was wir machen, ist wichtig, damit Leute andere Informationsquellen bekommen."

Verschwörungskanal macht Stimmung gegen das Impfen

Ehrenamtlich setzen sich Hümmler un die anderen Teilnehmer des Kongress "Skepkon" mit der Stimmungsmache im Netz auseinander, die im schlimmsten Fall Leben kosten kann wie etwa beim Thema Impfen. Auf dem Verschwörungskanal "Klagemauer TV" heißt es beispielsweise, dass in Ländern, die mehr Impfungen verlangen, die Kindersterblichkeit tendenziell höher sei. Als weiteres Argument gegen Impfungen wird der Blick in die Geschichte herangezogen: Der zeige, dass Zwangsimpfungen noch nie eine Krankheit hätten ausrotten können.

Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?

Doch warum glauben Menschen das? Diese Frage beschäftigt auch die Kriminalpsychologin und Autorin populärwissenschaftlicher Bücher Lydia Benecke. Ihre Erklärung: Gefühl schlägt Verstand. Bei Videos von Impfgegnern sehe man etwa oft Bilder von geimpften Kindern, die an einer Autismus-Spektrumstörung litten. Damit sei allerdings nicht bewiesen, dass die Impfung der Grund für die Störung sei, so Benecke: "Diese Störung tritt biologisch eben im Kindesalter auf - unabhängig davon, ob jemand geimpft wurde oder nicht. Aber es ist leichter, der bösen Pharmaindustrie die Schuld zu geben."

Rechtsextreme nutzen Verschwörungsmythen

Die Verschwörungsmythen dienen aber auch dazu, das eigene Weltbild zu stärken. "Die flache Erde ist momentan im Trend, auch bei Reichsbürgern", sagt Holm Hümmler. Denn mit der scheibenförmigen Erde im Kopf, erklärt Hümmler, sei es leichter, Regierung, Presse und Wissenschaft als Feind zu sehen, die ja das Gegenteil sagen: Nämlich, dass die Erde rund ist.

Noch bis Samstagabend debattieren hunderte Teilnehmer im Kongresszentrum, darunter anerkannte Wissenschaftler, was gegen Verschwörungstheorien hilft. "Wir machen eben den Müllmann der Wissenschaft", sagt Holm Hümmler.