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Chemikalien PFOA und PFOS: Richtwert drastisch verschärft | BR24

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PFOA hat Boden und Grundwasser im Landkreis Altötting verunreinigt. PFOS findet sich im Grundwasser rund um mehrere Bundeswehrstandorte, etwa bei Ingolstadt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat jetzt den Richtwert drastisch verschärft.

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Chemikalien PFOA und PFOS: Richtwert drastisch verschärft

PFOA hat Boden und Grundwasser im Landkreis Altötting verunreinigt. PFOS findet sich im Grundwasser rund um mehrere Bundeswehrstandorte, etwa bei Ingolstadt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat jetzt den Richtwert drastisch verschärft.

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Das Gesundheitsrisiko durch die Chemikalien PFOA und PFOS ist womöglich viel größer als bisher angenommen. Nachdem die Europäische Lebensmittelbehörde Efsa bereits zum Jahresbeginn deutlich geringere Höchstmengen für die Aufnahme im Körper empfohlen hat, schließt sich dieser Einschätzung nun auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an.

💡 Was ist PFOA?

PFOA steht als Abkürzung für "Perfluorooctanoic Acid", übersetzt Perfluoroctansäure. Wegen ihrer thermischen und chemischen Stabilität sowie ihrer Beständigkeit gegen UV-Strahlung und Verwitterung gehört PFOA zu den langlebigen und schwer abbaubaren Stoffen. PFOA wurde ab Ende der 1960er-Jahre im Industriepark Gendorf, einem Ortsteil von Burgkirchen an der Alz, als Hilfsstoff zur Produktion von Fluorpolymeren verwendet. Das Problem: PFOA ist möglicherweise krebserregend und war über das Abwasser in die Alz gelangt. Zudem gelangte es über die Abluft in die Atmosphäre und wurde als Niederschlag im Boden abgelagert. Die Produktion von PFOA in Gendorf wurde zwischen 2003 und 2004 eingestellt; seit 2008 wird es dort gar nicht mehr verwendet. (Erklärt von Veronika Beer, BR24-Nachrichten)

Stoffe gelten möglicherweise als krebserregend

Die Höchstmenge an PFOA in Lebensmitteln, die bei regelmäßigem Genuss unbedenklich aufgenommen werden kann, liegt den neuen Zahlen zufolge gut 1.700 Mal niedriger als bisher angenommen.

Bei PFOS wurde der Richtwert um mehr als das 80-fache verschärft. Beide Chemikalien gelten als möglicherweise krebserregend.

Bisher hieß es vonseiten der Behörden stets: Eine Gesundheitsgefährdung durch die Rückstände in Boden und Wasser sei unwahrscheinlich. Diese Einschätzung kann das Bundesinstitut für Risikobewertung nun nicht mehr "uneingeschränkt aufrechterhalten".

Gefahr durch einen Liter Leitungswasser pro Tag?

Was die neuen Bewertungen für die Verbraucher in den betroffenen Gebieten in Bayern bedeuten, ist dennoch weiter unklar. Denn es ist nicht ausreichend erforscht, wie stark Lebensmittel durchschnittlich mit den Chemikalien belastet sind, und ob diese Belastung nun über oder unter den neuen Richtwerten liegt. Beides konnte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auch auf wiederholte BR-Anfrage nicht mitteilen.

Umfassendes Analysematerial gibt es allerdings zum Trinkwasser im Landkreis Altötting: Dieses kommt dank technischer Lösungen inzwischen zwar weitgehend unbelastet aus den Leitungen. Bis vor Kurzem aber hätte nach Berechnungen von Umweltschützern vielerorts noch ein Liter Leitungswasser pro Tag gereicht, um den neuen empfohlenen Höchstwert für PFOA um fast das Doppelte zu überschreiten.

Der SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn fordert nun flächendeckende Lebensmittelanalysen und deutlich mehr Engagement der Staatsregierung. PFOA und PFOS seien gefährliche Umweltgifte. Der Schutz der Bevölkerung müsse oberste Priorität haben, so von Brunn.