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Chefarzt der Nürnberger Covid-Station fordert schnellen Lockdown

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Chefarzt der Nürnberger Covid-Station fordert schnellen Lockdown

Die Kliniken im Großraum Nürnberg blicken angesichts der Überbelastung der Intensivstationen durch Covid-19-Patienten mit großer Sorge auf die nächsten Tage. Sie fordern einen sofortigen Lockdown, wie Prof. Joachim Ficker vom Klinikum Nürnberg.

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Von
  • Claudia Grimmer

Am Nürnberger Klinikum wurde am Freitag der Pandemie-Alarmplan in Kraft gesetzt. Er ermöglicht es, dass das Personal flexibel eingesetzt wird. Doch die Belastungen für die Pflegefachkräfte und Ärzte wächst.

Der "Maximal-Versorger" kommt an seine Grenzen

Nach wie vor werden am Klinikum Nürnberg, das als Krankenhaus ein Maximal-Versorger ist, überproportional viele Patientinnen und Patienten mit Covid-19 aus der ganzen Region behandelt. Die Zahl ist mittlerweile mehr als drei Mal so hoch wie während der ersten Welle der Pandemie.

Aktuell werden an den Standorten Nord und Süd des Klinikums 164 Menschen, die an COVID 19 erkrankt sind, stationär behandelt. Davon müssen 37 Patienten intensivmedizinisch versorgt werden. Gleichzeitig besteht bei über 50 stationär aufgenommenen Patienten der Verdacht, dass diese ebenfalls an Covid-19 erkrankt sind (Stand 11.12.2020). Der Chefarzt der Medizinischen Klinik 3, Prof. Dr. Joachim Ficker erklärt daher im Interview: "es kann so nicht weitergehen". Er ist auch Leiter der Covid-Stationen im Klinikum Nürnberg.

Frage: Nicht nur aus dem Klinikum Nürnberg kamen schon vermehrt die Rufe nach einem kompletten Lockdown. Jetzt noch einmal. Warum ist der Lockdown für sie alternativlos?

Antwort: "Es sind alle Großkrankenhäuser und es sind die Fachgesellschaften und es ist beispielsweise auch die Leopoldina, die im Augenblick sagen, 'es kann so nicht weitergehen'. Wir sind absolut bundesweit am Limit und wir brauchen jetzt einen Lockdown und andere Maßnahmen, die einfach dazu führen, dass die Zahlen nicht mehr weiter ansteigen, dass sie nicht nur stagnieren, sondern die Zahlen müssen auch wieder runtergehen. Das ist völlig alternativlos. Und da sind jetzt die Weihnachtsferien wirklich eine gute Gelegenheit und als Arzt wünsche ich mir das ganz, ganz dringend."

Frage: Das Klinikum Nürnberg hat den Pandemie-Alarmfall ausgerufen. Was versteht man darunter?

Antwort: "Wir haben im Klinikum schon sehr lange klare Planungen und Strukturen für Situationen mit besonderer Mehrbelastung. Das sind nicht nur Pandemien, dazu gehören zum Beispiel Situationen mit einer Massenkarambolage auf der Autobahn, wo dann plötzlich sehr viele Patienten da sind. Diese Alarmpläne haben wir immer wieder entwickelt zum Beispiel auch damals, als wir Angst hatten, dass Ebola nach Deutschland kommen könnte. Dazu gehören klare Organisationsstrukturen wie ein Krisenstab und operative Einsatzleitungen. Aktuell ist es so, dass alle Intensivstationen in der ganzen Metropolregion absolut am oberen Limit arbeiten. Gleichzeitig müssen wir uns darauf vorbereiten, dass möglicherweise die Fallzahlen weiter steigen und wenn es nicht gelingt das Ganze doch noch mit einem Lockdown schnell zu bremsen. Und weiterhin kommt dazu, dass, wie in jedem anderen großen Betrieb, auch am Klinikum immer wieder Infektionen von Mitarbeitern auftreten, so dass auch diese Mitarbeiter und deren Kontaktpersonen für einige Zeit in Quarantäne müssen. Da muss man ja gerade auch an einem Krankenhaus sehr, sehr konsequent mit umgehen. So das also immer wieder auch Mitarbeiter einfach nicht für die Patientenversorgung zur Verfügung stehen. Und in einer solchen Situation ermöglicht ein solcher Corona-Alarmplan einfach Mitarbeiter flexibel in Bereichen mit erhöhtem Bedarf einzusetzen. Und so haben wir zum Beispiel begonnen, Mitarbeiter systematisch anzufragen, ob nicht vielleicht der eine oder andere bereit wäre auf den an sich geplanten Urlaub über die Feiertage nun zu verzichten."

Frage: Was ändert sich für die Patienten durch diesen Pandemie-Alarmplan?

Antwort: "Unsere Patienten merken von diesem Pandemie-Alarmfall direkt nichts. Ganz im Gegenteil: Durch diese flexible Personalplanung versuchen wir ja gerade eben möglichst weiterhin kompromisslos für alle Notfallpatienten und für Patienten mit dringlichen Problemen da zu sein."

Frage: Wie ist die Situation derzeit im Klinikum Nürnberg?

Antwort: "Unsere Teams sind schon sehr belastet. Auf der anderen Seite ist das Arbeiten auf der Corona-Station und der Umgang mit diesen speziellen Patienten, mit diesem Krankheitsbild, inzwischen absolute Routine. Die Isolations- und Hygienemaßnahmen sind sehr aufwändig. Auch der Selbstschutz der Mitarbeiter kostet viel Zeit, kostet Mühe. Und man muss schon sagen, das stundenlange Arbeiten mit Maske, Kittel, Handschuhe, Haube, Face-Shield – das ist körperlich sehr anstrengend. Ich muss sagen, ich habe sehr, sehr viel Respekt vor der Leistung unserer Teams und ich bewundere es, wie da viele über Wochen und Monate jetzt wieder jetzt wieder in diesen Corona-Bereichen so intensiv und engagiert arbeiten."

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