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Center Parcs versichert: "Kein Ballermann-Tourismus" | BR24

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Der niederländischen Bauinteressent Center Parcs will am Brombachsee ein Feriendorf bauen.

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Center Parcs versichert: "Kein Ballermann-Tourismus"

Welche Argumente werden für den Bau eines großen Feriendorfs in Langlau am Brombachsee ins Feld geführt? BR24 führte ein Exklusiv-Interview mit dem Projektbeauftragten von Center Parcs, Jan Janssen.

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Von
  • Stanislaus Kossakowski

Das Projekt im Fränkischen Seenland soll laut dem niederländischen Bauinteressenten Center Parcs 350 bis 400 Millionen Euro kosten. Mit dem Projektbeauftragten von Center Parcs, Jan Janssen, sprach BR24 exklusiv über das Projekt. Hier das komplette Interview.

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Der niederländische Konzern "Center Parcs" will am Brombachsee eine Ferienanlage bauen. Dagegen hat sich Widerstand formiert. Das Unternehmen will die Sorgen ernst nehmen und über das Vorhaben informieren.

Arbeitsplätze und Schub für die Tourismusbranche

BR24: Eine Ferienanlage größer als ein Dorf mit 800 Holzhäusern ist geplant. Auf einem Areal, das noch mit Altlasten einer früheren Munitionsanstalt – kurz „Muna“ – belastet ist. Das militärische Gelände ist seit Jahren stillgelegt. Ab 2025 will dort in unmittelbarer Nähe zum Brombachsee die weltweit agierende Center Parcs-Gesellschaft eine Ferienanlage betreiben. Herr Janssen, was wird für die Menschen in der Region aus Ihrer Sicht denn das Großartige an dem Projekt sein?

Jan Janssen, Center Parcs: Um das zu beantworten, muss ich einen Vergleich mit Leutkirch in Baden-Württemberg ziehen. Leutkirch ist der letzte von Center Parcs entwickelte Park in Deutschland. Er hat 1.000 Ferienhäuser und ist mit 190 Hektar auf einer etwas größeren Fläche gebaut als es auf der Muna am Brombachsee geplant ist, wo es um 155 Hektar geht. Der Park hat den Menschen 700 Arbeitsstellen gebracht, acht Prozent davon sind Ausbildungsplätze. Er hat den Leuten einen ganzjährigen Urlaubsbetrieb gebracht, wodurch die ganze Region mit profitiert hat.

Man denkt immer, dass es ein Produkt ist, wo die Menschen in den Urlaub gehen und nicht nach draußen gehen. Es ist genau andersherum: Die Menschen gehen zu Center Parcs und entdecken dann die Region – im "Center Parcs Allgäu" ist das dann das Allgäu. Es kommt auch vor, dass zum Beispiel Großeltern nicht im Park buchen, wo die Eltern und ihre Kinder hingehen. Denn gerade Großeltern sagen: Wir möchten es etwas ruhiger haben, aber in der Nähe der Kinder sein. Und sie nehmen sich eine Ferienwohnung in der Nähe von Center Parcs.

Es profitieren in der Region auch Vermieter von Ferienwohnungen, Hotels, Restaurants, Fahrrad-Vermietungen. Es bringt laut Studien einen Wirtschaftsumsatz von 20 bis 30 Millionen Euro in die Region. Das Ganze in einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern. Denn die Touristen genießen zwar den Park, aber sie gehen auch Wandern, machen eine Radtour und kehren in Gasthöfen ein. So muss man sich das vorstellen.

Projekt würde mit Bürgern abgestimmt werden

BR24: Es ist in der regionalen und auch in der bayernweiten Presse zu lesen, dass sie schon mit politischen Vertretern in Kontakt gewesen sind. Angefangen von der Regierung von Mittelfranken in Ansbach, über den Freistaat Bayern bis hin zur Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Ihnen ja den Zuschlag für den Kauf des Geländes gegeben hat. Was muss denn Center Parcs eigentlich noch alles klären, damit wirklich gebaut werden kann? Da sind ja zum Beispiel Altlasten auf dem Gelände zu entsorgen. Oder haben Sie schon alle Pläne fertig in der Schublade liegen?

Jan Janssen, Center Parcs: Nein, leider noch nicht, weil wir wissen ja erst seit 30. Juli, dass wir den Zuschlag bekommen haben auf dem Bieterverfahren, um dieses Gelände zu kaufen. Der Vertrag liegt jetzt vor. Ein paar kleine Details werden noch abgestimmt. Ja, mit den von Ihnen genannten Stellen haben wir gesprochen. Die Strategie von Center Parcs ist Wachstum. Wir wollen solche Anlagen gern in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen entwickeln. Auf der Suche nach geeigneten Liegenschaften sprechen wir immer mit Vertretern der jeweiligen Regierung und den Behörden vor Ort. In Bayern hatten wir 40 Liegenschaften angeschaut. Die Muna Langlau wurde unsere Nummer 1. Wir treten erst an die Öffentlichkeit, sobald klar ist, dass wir eine Liegenschaft erwerben können.

Was wir jetzt anfangen ist, dass wir alle Träger öffentlicher Belange informieren, die Bürger, die direkten Nachbarn. Was kommt auf sie zu? Und wir hören zu, was deren Wünsche sind. Das ist uns ganz, ganz wichtig, dass wir auch die Bürger und Verbände hören, ob das der Tourismusverband ist oder der Bund Naturschutz ist, egal. Es werden alle zu Wort kommen und ihre Wünsche an uns äußern. Und wir schauen dann, inwiefern wir das auf eine vernünftige Weise implementieren können in unsere Masterplanung, die ja jetzt erst gemacht wird.

Dann fängt das Genehmigungsverfahren an, das heißt eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Das ganze Gelände wird inventarisiert. Was treffen wir dort an? Welche Fauna-Flora-Habitat hat das Gelände? Wie sind die Waldbestände und so weiter. Sehr wichtig ist auch die Altlastenbeseitigung auf dem ehemaligen Militärgelände. Wir haben ein großes Büro in Nürnberg beauftragt, das ganze Gelände zu inventarisieren. Wir glauben, dass 22 Kilometer Straße auf dem Gelände liegen. Wir müssen das entsiegeln. Wir müssen das freimachen. Damals wurden große Mengen Munition gesprengt, wodurch das Gelände flächendeckend mit Munition belastet ist. Es gibt auch Asbest in Gebäuden. Das wird jetzt gerade untersucht, um eine Kosteneinschätzung zu machen, um dieses Gelände baureif zu machen. Das wird eine sehr intensive und zeitraubende Operation werden. Wir haben in Leutkirch – was ja auch eine Muna war – gelernt, dass das über ein Jahr harte Arbeit kostet, bevor man dann überhaupt mit dem Bauen anfangen kann. Voraussichtlich wird es drei bis vier Jahre dauern bis zum 1. Spatenstich.

Center-Parcs-Planer wollen "den Bürgern die Sorgen nehmen"

BR24: Inzwischen haben sich erste Gegner positioniert. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet. Naturschutzverbände wie der Bund Naturschutz haben sich gegen das Projekt ausgesprochen. Nun steht ein erster Bürgerdialog an, ein erster Informationstag, zu dem auch Sie kommen werden. Was ist denn geplant, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, und zwar so, dass auf das, was die Bürger sagen, eingegangen wird?

Jan Janssen, Center Parcs: Ich kann es nur wiederholen: Die Pläne sind noch gar nicht gemacht. Da liegt kein Masterplan vor. Wir haben wohl mal eine Skizze gemacht vor etwa einem Jahr, um zu schauen, ob – wenn das Gelände die erste Wahl würde – es überhaupt möglich wäre, einen Park zu planen. Es wird genügend Zeit sein, dass Bürger und Verbände ihre Wünsche einbringen und wir ihnen die Sorgen nehmen.

800 Häuser seien kein Massentourismus, sondern sanfter Tourismus

BR24: Die Gegner fürchten ja, dass der sanfte Tourismus beeinträchtigt wird oder kaputtgemacht wird. Wie ist Ihr Ansatz? Kann ein ganzjähriges Ferienangebot von Center Parcs damit harmonieren?

Jan Janssen, Center Parcs: Das Problem ist, dass man die Zahl der Ferienwohnungen als Massentourismus deutet. Aber Center Parcs ist eine sanfte Art von Tourismus, weil wir hauptsächlich auf Familien mit Kindern fokussiert sind. Die Familien mit Kindern mieten ein Haus in der Natur und leben einen großen Teil der Zeit in und um das Haus mit Aussicht auf den Wald und was die Natur da noch mehr zu bieten hat und teilweise auch den Brombachsee. Es ist kein Ballermann-Tourismus, da ist keine Diskothek, da ist kein Lärm. Die Leute kommen für Ruhe und Natur. Und es kommen viele Nahurlauber. Es werden nicht die Familien sein, die von irgendwo auf der Welt herfliegen. Es sind Leute, die aus einer Region von drei, vier Autostunden um den Brombachsee anreisen. Der größte Teil der Gäste kommt aus Deutschland.

Altes Militärgelände sei als Standort besser als ein Naturschutzgebiet

BR24: Sie haben den Bund Naturschutz in einem Zeitungsinterview als Ideengeber für den Standort des Geländes genannt. Der Bund Naturschutz Mittelfranken, den BR24 dazu befragt hat, verwahrt sich gegen diese Aussage und sagt: es sei eher "eine Unverfrorenheit oder ein Gag" von Ihnen, mit dem von der Kritik des Bund Naturschutz abgelenkt werden soll. Was sagen Sie dazu?

Jan Janssen, Center Parcs: Nein, das ist ganz leicht zu erklären. Ich war 2007 in Dennenlohe im Landkreis Ansbach unterwegs, wir haben damals auch intensive Gespräche geführt mit dem Bund Naturschutz. Wir hatten damals ein Gelände von 400 Hektar bei Dennenlohe als Projekt anvisiert. Dort haben sich aber Schwierigkeiten mit Umweltschutz herausgestellt. Auch der Bund Naturschutz war dagegen und hat die Frage gestellt: Wieso nehmen Sie nicht eine Muna? Ich musste mir erst erklären lassen, dass Muna eine Abkürzung für Munitionsanlage ist. Und ein Journalist hatte das damals auch aufgegriffen.

THW in der Nachbarschaft bringe viel mehr Sicherheit als Lärm

BR24: Der Tourismusverband Fränkisches Seenland begrüßt das Vorhaben auf dem Muna-Gelände in Langlau. Und es sieht bislang so aus, dass auch die Kommunalpolitik und der Freistaat Bayern aufgeschlossen sind für das Projekt am Brombachsee. Zugleich hat die Politik bereits signalisiert, dass sie bereit ist, den Bau einer Übungsanlage für das Technische Hilfswerk (THW) auf einem Teil des Muna-Geländes zu genehmigen. Da wird es dann nicht immer leise zugehen. Wie steht Center Parcs zur angedachten Ansiedlung einer THW-Übungsanlage?

Jan Janssen, Center Parcs: Wir haben da überhaupt kein Problem. Die Frage wurde uns schon von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gestellt. Es wurde auch in der Ausschreibung des Bieterverfahrens deutlich vorabgestellt, dass da ein Übungsgelände kommt. Das jetzige Übungsgelände ist in einem Wohnviertel. Wir können das Center-Parcs-Gelände so gestalten, dass da eine Art Lärmschutz um die Übungsanlage geschaffen wird. Zudem ist ein THW vor Ort immer gut, denn es kann immer mal eine Kalamität entstehen, durch Sturm oder was auch immer. Und dann haben wir gerne ein THW als unseren Nachbarn.

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