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Center Parcs: Exklusives Gespräch mit der Bürgerinitiative | BR24

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An der ehemaligen Munitionsanstalt Langlau soll eine Ferienanlage mit rund 800 Häusern entstehen.

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Center Parcs: Exklusives Gespräch mit der Bürgerinitiative

An der ehemaligen Munitionsanstalt (Muna) Langlau soll eine Ferienanlage mit rund 800 Häusern entstehen. BR24 führte ein Exklusiv-Interview mit Simone Reif. Sie ist Sprecherin und Gründungsmitglied der Bürgerinitiative "Seenland in Bürgerhand".

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Von
  • Laura Grun

Welche Argumente sprechen gegen die Ansiedlung eines großen Feriendorfs in Langlau am Brombachsee? BR24 führte ein Exklusiv-Interview mit einer Sprecherin der Bürgerinitiative, Simone Reif. Sie ist Gründungsmitglied der Bürgerinitiative "Seenland in Bürgerhand" und Anwohnerin in Langlau.

See solle in öffentlicher Hand sein

BR24: Vor rund zehn Tagen hat sich die Bürgerinitiative "Seenland in Bürgerhand" formiert. Warum sind Sie gegen den Bau dieser Ferienanlage von Center Parcs auf dem ehemaligen Muna-Areal in Langlau?

Simone Reif, Sprecherin der Bürgerinitiative: Viele Betroffene sind in großer Sorge, was mit ihrer Heimat gerade passiert und keiner versteht, wie die Bürger hier vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Von diesem "wir sind gegen etwas", möchte ich jedoch weg, weil viel wichtiger ist doch die Frage, wofür die Bürger sind oder wofür wir einstehen. Das einzigartige am Fränkischen Seenland ist doch die Idee, den See für alle zugänglich zu machen. Das haben die Gründerväter in weiser Voraussicht per Gesetz festgeschrieben. Die See nahen Grundstücke sind alle in öffentlicher Hand. Einzig das Muna-Gelände hat aufgrund seiner damaligen militärischen Nutzung eine Ausnahme dargestellt. In Zukunft würde das Gelände der öffentlichen Hand dann nicht zur Verfügung stehen, um beispielsweise regionale Entwicklungsziele zu verwirklichen.

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Der niederländische Konzern "Center Parcs" will am Brombachsee eine Ferienanlage bauen. Dagegen hat sich Widerstand formiert. Das Unternehmen will die Sorgen ernst nehmen und über das Vorhaben informieren.

Vertrauensverlust in Politik sei enorm

BR24: Wofür wollen Sie sich einsetzen? Auf politischer Ebene scheint es so, als wären sich schon viele einig.

Simone Reif, Sprecherin der Bürgerinitiative: Der Vertrauensverlust bei der Bevölkerung in die Politik ist enorm. Uns von der Bürgerinitiative ist es wichtig, den gesamten Prozess noch einmal auf null zu setzen, weil die Bürger müssen vom ersten Schritt an mit eingebunden sein und das wurde bisher komplett ignoriert. Wir haben am 15. August durch einen Zeitungsbericht und der Aussage von Landrat Westphal erfahren, dass dieses Vorhaben überhaupt geplant ist.

Unberührte Natur würde zerstört werden

BR24: Welche Nachteile sieht die Bürgerinitiative, wenn Center Parcs an dem Standort ein Feriendorf errichtet? Beispiel Sanierung Altlasten?

Simone Reif, Sprecherin der Bürgerinitiative: In den letzten Jahrzehnten hat sich der Wald in der ehemaligen Munitionsanstalt ungestört entwickeln können. Der Muna-Wald hat eine zentrale Bedeutung für die umliegenden Wald- und Naturschutzgebiete und die darin lebende Artenvielfalt wie zum Beispiel das Brombach-Moor und die Halbinsel im Kleinen Brombachsee. Jeder weiß doch inzwischen, wie wichtig intakte Wälder für unser Klima sind. Der notwendige finanzielle Aufwand für die Sanierung ist im Moment reine Spekulation, da der Sanierungsbedarf laut des Exposés ungeklärt ist. Gerade ist dort noch unberührte Natur, da ist der Wald, da hat sich das Moor entwickelt, das würde man mit dem Bau zerstören. Unseren Wald und seine Bedeutung, die für so viel steht.

Standort Leutkirch sei nicht mit Langlau vergleichbar

BR24: Was bedeutet eine Anlage wie Center Parcs für den Tourismus, den es im Fränkischen Seenland bisher gibt? Welche Gefahren sehen Sie?

Simone Reif, Sprecherin der Bürgerinitiative: Mit einem Projekt in dieser Größenordnung hat man bis jetzt in Süddeutschland noch keine langfristigen Erfahrungen machen können. Der Ausgang dieses Experiments ist also völlig ungewiss. Der Center Parcs Standort Leutkirch im Allgäu ist absolut nicht vergleichbar, denn wir haben hier eine völlig andere Ausgangsposition. Zum einen ist die Siedlungsstruktur in Leutkirch eher städtisch, die Einwohnerzahl liegt bei rund 25.000. Die Besiedelung der Gemeinde Pfofeld ist mit etwa 1.500 Einwohnern verteilt auf sieben Ortsteile ländlich. Es ist also eine völlig andere Ausgangsposition.

Auch liegen wir nicht an einer Autobahn wie Leutkirch, an der A96. Die Autobahnzubringer sind von der Gemeinde Pfofeld mindestens 40 Kilometer entfernt. Leutkirch ist und darf keine Blaupause für Langlau sein. Als Gefahr sehen wir ein derartig hohes Tourismusaufkommen, sprich mindestens eine Verdoppelung im Jahr. Vielleicht sogar eine Verdreifachung im Sommer? Die Versprechungen des Seenlandvertrages werden den Bürgern gegenüber nicht eingelöst. Denn, wo bleibt der garantierte Erholungsfaktor für die Bevölkerung, die im Landtagsbeschluss zugesichert wurde?

Massentourismus zerstöre das Fränkische Seenland

BR24: Welche Sorgen macht sich die BI um den Umweltschutz?

Simone Reif, Sprecherin der Bürgerinitiative: Die Eingriffe in die Natur wären gewaltig und keiner weiß, welche konkreten Auswirkungen das auf die Umwelt haben wird. Um das beurteilen zu können, brauchen wir einen Zugang zu entsprechenden Gutachten. Definitiv ist aber eines sicher: Der enorm gesteigerte Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es gefunden hat. Wichtig ist uns die Transparenz in dem ganzen Prozess, die Mitbestimmung und ein gemeinsames lösungsorientiertes Vorgehen.

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