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Cannabis: Lieferengpässe in Apotheken | BR24

© Lisa Wurscher / BR

Hanf - Engpässe in Apotheken

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Cannabis: Lieferengpässe in Apotheken

Wer Haschisch oder Marihuana ohne medizinische Indikation konsumiert, verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz. Seit der Zulassung von Medizinalhanf als Arzneimittel steigt die Nachfrage so stark an, dass es in Apotheken zu Lieferengpässen kommt.

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Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Als Haschisch bezeichnet man das gesammelte und meist gepresste Harz der Hanfpflanze. Mariuhana hingegen wird aus den getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze gewonnen. Beide Substanzen enthalten das psychoaktive Cannabionoid THC (Tetrahydrocannabinol) – wirken also berauschend.

Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schon einmal Cannabis konsumiert. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen war die Tendenz laut Drogenbericht der Bundesregierung im Jahr 2018 sogar leicht steigend.

Suchtgefahr wie bei Alkohol und Nikotin

Als gefährliche Einstiegsdroge kann Cannabis nicht pauschal bezeichnet werden - da sind sich Drogenexperten weitgehend einig. Die wenigsten Konsumenten greifen später zu harten Drogen. Eine Suchtgefahr birgt Cannabis – genauso wie etwa Alkohol oder Nikotin – aber trotzdem. Wie aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgeht, liegt bei einem regelmäßigen Konsum die Gefahr der Abhängigkeit bei gut 30 Prozent.

Wer Haschisch oder Marihuana konsumiert, verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Besitz von Cannabis zum Eigenbedarf wird in der Regel aber nicht strafrechtlich verfolgt. Die Obergrenzen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland erheblich. In Bayern zum Beispiel gelten bis zu sechs Gramm als Eigenbedarf, in Berlin bis zu 15 Gramm.

Zulassung als Arzneimittel

Seit März 2017 darf Cannabis in Deutschland schwer kranken Patienten als Arzneimittel verschrieben werden. Ein herkömmliches Rezept reicht dafür nicht aus. Der Arzt muss ein sogenanntes Betäubungsmittel-Rezept ausstellen, da Cannabis abhängig machen kann und die Abgabe deshalb streng kontrolliert wird. Im Januar 2019 hat sich der Verband Cannabis versorgender Apotheken (VCA) gegründet, der die Abgabe von Medizinalhanf effizienter und patientenfreundlicher gestalten möchte.

Medizinalhanf gibt es sowohl als Fertigarzneimittel, als auch als Cannabisblüten. Das Arzneimittel Sativex® ist zugelassen zur Behandlung schmerzhafter Spastiken bei Multipler Sklerose. Canemes® wird zur Linderung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie verschrieben. Am häufigsten erhalten chronische Schmerzpatienten das Medikament. Auch bei chronischen Darmentzündungen, psychiatrischen Symptomen oder Alzheimer wird es eingesetzt. Die medizinische Studienlage zu eventuellen weiteren Anwendungsmöglichkeiten ist aktuell noch sehr uneinheitlich und wenig aussagekräftig.

Seit der Freigabe von Cannabis als Arzneimittel ist die Nachfrage deutlich größer als ursprünglich angenommen. Nach Angaben des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (GKV) wurden im ersten Quartal 2019 deutschlandweit fast 60.000 Rezepte ausgestellt. Eine Steigerung um 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ab 2020 Cannabis-Anbau in Deutschland

Das große Interesse an Medizinalhanf hat massive Lieferengpässe zur Folge, wie der Verband Cannabis versorgender Apotheken auf Anfrage bestätigt. Derzeit ist Cannabis noch ein reines Import-Produkt und kommt vor allem aus Kanada und den Niederlanden. Voraussichtlich ab 2020 soll auch in Deutschland Cannabis angebaut werden. Die Cannabisagentur des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte hat dafür drei Lizenzen vergeben. Der Zuschlag ging an zwei kanadische und eine deutsche Firma. Mit der ersten Ernte wird im Herbst 2020 gerechnet.

Informationen des Bayerischen Rundfunks zufolge will sich die Stadt München für den Anbau von Medizinalhanf auf kommunalen Flächen einsetzen, um die regionale Versorgung der Patienten zu verbessern. Ein Beschluss des Gesundheitsausschusses liegt bereits vor. Laut Oberbürgermeister Dieter Reiter gebe es Bundesgesetze, die Städten und Gemeinden das Recht zum Eigenanbau zusprechen.