Wirtschaftsminister Aiwanger überreicht 130 Euro an Landwirt Georg Schweiger in Pähl, damit dieser sein Bußgeld wegen Kuhfladen bezahlen kann.

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Bußgeld übernommen: Aiwanger beendet Kuhfladen-Streit von Pähl

Bußgeld übernommen: Aiwanger beendet Kuhfladen-Streit von Pähl

Der Kuhfladen-Streit in Pähl bei Weilheim ist zumindest vorerst entschärft: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger selbst hat die Strafe für einen Bauern beglichen. Ein Anwohner hatte den Landwirt wegen der verschmutzten Straßen angezeigt.

Der Kuhfladenstreit von Pähl (Landkreis Weilheim-Schongau) dürfte vorerst beendet sein: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat die Strafe für den Bauern aus seiner Tasche beglichen. Die Gemeinde hatte dem Landwirt einen Bußgeldbescheid über 128,50 Euro zugestellt. Grund war, dass seine 25 Kühe beim Austreiben die Straßen verschmutzt hatten – mit Kuhfladen, die sie auf ihrem Weg von der Weide zur Melkanlage hinterlassen hatten. Ein Anwohner hatte den Landwirt angezeigt. Dieser wollte aber nicht zahlen.

Aiwanger: Kühe nicht im Hubschrauber bringen

Nun hat Hubert Aiwanger die Strafe aus eigener Tasche beglichen - gerundet auf 130 Euro. Das Geld hat er am Montag Mittag in Pähl Landwirt Georg Schweiger unter großem Presseaufgebot extra verpackt und gut sichtbar in einer Klarsichthülle in bar überreicht.

Die Verwarnung durch die Gemeinde hatte bei Aiwanger, selbst Sohn eines Landwirts, für ziemliches Kopfschütteln gesorgt: "Ich kann die Kühe halt nicht mit dem Hubschrauber auf die Weide fliegen und ihnen auch keine Windel anlegen. Das passiert eben, dass die Kuh auf die Straße scheißt", sagte der Minister dem "Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt" am Freitag.

Anwohner soll Mist für seine Tomaten verwenden

Dem Anwohner, der offenbar mit dem Kinderwagen nicht durch die Kuhfladen kam, riet der Minister laut dpa, er solle "sich eine Schaufel nehmen" und den Mist als Dünger für seinen Garten holen - für Erdbeeren und Tomaten. Dann sei doch die Welt für beide Seiten wieder in Ordnung.

Sollte die Gemeinde das Bußgeld nun doch noch zurücknehmen, will Aiwanger das Geld dem örtlichen Kindergarten spenden. In der Gemeinde Pähl ist auch Fußball-Weltmeister Thomas Müller aufgewachsen.

Bürgermeister: Kuhfladen auf Asphalt eine Gefahrenquelle

Der Bürgermeister der Gemeinde, Werner Grünbauer von der Unabhängigen Bürgerliste Pähl-Fischen, sieht den Bußgeldbescheid als gerechtfertigt an. Man hätte auch ein höheres Bußgeld verlangen können. Er sei verantwortlich für die Sicherheit auch auf der Straße. Auf Kuhfladen sei ein Motorradfahrer an einer anderen Stelle im Ort einmal ausgerutscht. Zum Glück ohne große Folgen. Deswegen gehe für ihn Sicherheit vor. Beschwerden wegen der Kuhfladen habe es seit 2015 gegeben, so Grünbauer, der selbst Landwirt ist. Nun habe das Landratsamt die Gemeinde zum Handeln aufgefordert.

Landwirt: Reinigung wäre Wasserverschwendung

Laut Grünbauer würde nicht jede Straßenverschmutzung gleich zu einem Bußgeld führen. Der hier betroffene Anwohner sei allerdings "ohne in die Scheiße zu treten, gar nicht aus der Straße herausgekommen", wie die Deutsche Presseagentur zitiert. Damit sei das tolerable Maß überschritten worden.

Der angezeigte Landwirt sagt, es habe sich in diesem Fall nur um die Hinterlassenschaft einer einzigen Kuh gehandelt. In Zeiten der Trockenheit sei es allerdings nicht sinnvoll, Wasser zur Straßenreinigung zu verschwenden.

Bauer hat entschieden: Laufstall statt Weide

Aiwanger bekannte sich bei dem Ortstermin klar zur Weidehaltung. Der Freie-Wähler-Chef musste allerdings erfahren, dass die Ursache des Streits seit letzten Mittwoch weggefallen ist: Der Bauer hat inzwischen einen Ganzjahres-Laufstall gebaut. Auf die Weide müssen seine Kühe nun nicht mehr. Das könnte nun die Pro-Weidehaltungs-Fraktion auf den Plan rufen. Und die Grundsatzfrage, ob Kuhfläden auf Straßen generell hinzunehmen sind, ist auch noch offen.

Pähl, 12. Mai 2022: Kuhfladen an Kuhfladen auf der Straße zur Weide.

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