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Bußgeld bei Leichtsinn im Lawinengebiet - sinnvoll oder nicht? | BR24

© pa/dpa/Gambarini Mauricio

Bergretter mit Lawinenhund

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    Bußgeld bei Leichtsinn im Lawinengebiet - sinnvoll oder nicht?

    Immer wieder müssen Skifahrer gerettet werden, die bei Lawinengefahr auf gesperrten Pisten oder in freiem Gelände unterwegs waren. Österreich denkt nun über Bußgelder bei Fahrlässigkeit in den Bergen nach - eine sinnvolle Maßnahme auch für Bayern?

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    Immer noch kämpfen Bayern und Österreich mit den Schneemassen und noch ist keine Entspannung der Lage in Sicht. Die starken Schneefälle haben zu einer hohen Lawinengefahr geführt, die durch Tauwetter und Regen noch verstärkt wird. Schon ein Tier oder ein einzelner Skifahrer oder Snowboarder können in gefährdeten Gebieten große Schneebretter auslösen, heißt es in der Mitteilung des Lawinenwarndienstes.

    Bergretter oft unter Lebensgefahr unterwegs

    Doch trotz der hohen Lawinengefahr sind Skifahrer auf gesperrten Pisten unterwegs oder auf Touren in freiem Gelände - und bezahlen dies manchmal mit dem Leben. Im österreichischen Lech etwa starben am Wochenende drei Skifahrer aus Süddeutschland in einer Lawine; die Suche nach einem weiteren Vermissten musste bis auf weiteres eingestellt werden. Aufgrund des heftigen Schneefalls wäre es für die Rettungskräfte viel zu gefährlich, so Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel am Sonntagmittag. Auch in St. Anton am Arlberg ist kürzlich ein 16-jähriger Deutsch-Australier in einer Lawine ums Leben gekommen, der mit seiner Familie abseits der Pisten unterwegs war.

    Österreich fordert Strafen bei Fahrlässigkeit

    Nach dem Notruf zweier Snowboarder, die trotz Lawinenwarnstufe 4 in freiem Gelände unterwegs waren, haben Österreichs Bergretter die Nase nun voll. Denn auch für sie bedeutet ein Einsatz im Lawinengebiet oft genug Lebensgefahr. Der Landtagsvizepräsident von Tirol und Galtürer Bürgermeister Toni Mattle fordert deshalb jetzt empfindliche Strafen für grob fahrlässiges Verhalten in den Bergen.

    "Das Verhalten mancher Wintersportler ist einfach unfassbar. Wer in der jetzigen Schneesituation alle Hinweise missachtet und trotz zigfacher Warnungen in abgesperrte Bereiche einfährt, der gehört wegen grober Fahrlässigkeit angeklagt und entsprechend bestraft. Mit seinem Verhalten gefährdet er nämlich nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Retter." Toni Mattle, Landtagsvizepräsident Tirol

    Oft bleiben die Retter auf den Kosten sitzen

    Neben der Inrechnungstellung der Rettungskosten sollten auch empfindliche Geldstrafen verhängt werden können, so seine Forderung. Auch deshalb, weil es gerade bei ausländischen Gästen oft nicht möglich sei, nach deren Abreise die Kosten für die Rettung einzutreiben. Diese sind nicht gerade gering: Bei der Bergwacht Bayern etwa schlagen sie mit bis zu 2.500 Euro zu Buche, die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten nicht. Für Rettungseinsätze, die nicht durch einen Unfall oder einen medizinischen Notfall bedingt sind, müssen Bergsportler in der Regel selbst aufkommen.

    DAV warnt vor Schnellschüssen

    Doch sind Strafen wirklich der richtige Weg, um dem Leichtsinn bei Lawinengefahr beizukommen? Der Deutsche Alpenverein glaubt das nicht - und warnt vor Schnellschüssen aufgrund der derzeitigen Ausnahmesituation in den Bergen. Ein Pauschalverbot mache keinen Sinn, so DAV-Sprecherin Andrea Händel.

    "Man muss das differenzierter sehen. Hier kommen sehr viele Faktoren ins Spiel und nicht nur die Lawinenwarnstufe: Je nach regionaler Lage, je nach Erfahrung des Skifahrers kann sich die Situation anders darstellen. Auch bei hoher Lawinenwarnstufe ist nicht jeder Hang automatisch gefährlich - und im Umkehrschluss würde beispielsweise ein generelles Fahrverbot bei Stufe drei die niedrigeren Lawinenwarnstufen ungefährlich erscheinen lassen, dabei sind auch bei Stufe zwei schon Menschen ums Leben gekommen." Andrea Händel, Deutscher Alpenverein

    Augenmaß statt Pauschalverbot

    Verbote für das Befahren gesperrter Pisten betrachet man auch beim DAV als durchaus nachvollziehbar, denn hier sei eine definierte Infrastruktur bewusst nicht nur Verfügung gestellt worden. Doch man müsse mit Augenmaß vorgehen: Freies Gelände generell und pauschal zu sperren, könne nicht die Lösung sein und würde eine Regelungsflut nach sich ziehen, so Händel weiter. Skitouren wären dann kaum noch möglich.