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Bus statt Zug: Chaos bei der Länderbahn | BR24

© pa/dpa/Patrick Pleul

Leere Zuggleise

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Bus statt Zug: Chaos bei der Länderbahn

Wegen eines hohen Krankenstands und der Urlaubszeit fallen in den nächsten Wochen zahlreiche Zugverbindungen der Länderbahn aus. Alex- und Oberpfalzbahn-Kunden müssen in vielen Fällen auf Busse umsteigen. Einige bayerische Politiker sind empört.

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Überraschend hat die Länderbahn am Montagabend einen Notfallfahrplan herausgegeben: Bahnkunden der Alex-Züge und der Oberpfalzbahn müssen bis September in vielen Fällen Bus statt Zug fahren. Der Grund sind fehlende Mitarbeiter.

Personal fehlt wegen Urlaub und Krankheit

Der hohe Krankenstand und die Urlaubszeit seien Schuld an den gestrichenen Zugverbindungen in den nächsten Wochen, hieß es vom Unternehmen. Der Notfallfahrplan gilt bis Anfang September.

Von der Eisenbahngewerkschaft EVG in Regensburg gibt es nun Kritik an der Länderbahn, auch für die Arbeitsbedingungen der Lokführer der Länderbahn. In der gesamten Branche würden Lokführer fehlen, sagt Harald Hammer von der Eisenbahnergewerkschaft EVG in Regensburg.

Beruf Lokführer wieder attraktiv machen

Die Probleme bei der Länderbahn seien aber auch hausgemacht. Es habe sich schon länger angedeutet, sagt Hammer.

"Generell hat die Länderbahn viel zu wenig Personal und generell stelle ich mir langsam die Frage, wie lange die Bayerische Eisenbahngesellschaft diesem Treiben noch zuschaut. Es nützt ja nichts, wenn der Schienen-Personennahverkehr zum Busverkehr verkommt" Harald Hammer, Geschäftsstellenleiter der EVG in Regensburg

Die Länderbahn müsse den Beruf des Lokführers wieder attraktiver machen. Um eine bessere Bezahlung zu ermöglichen, ist Hammer auch bereit, die erst beschlossenen Tarifverträge wieder aufzuschnüren. Aber auch die Arbeitszeiten der Lokführer müssten von der Länderbahn verbessert werden.

"Wir wissen bei der Bahn arbeiten wir rund um die Uhr. Aber man muss dann auch verlässliche Freizeiten bekommen. Ansonsten ist es so, wie es jetzt ist. Die Leute werden ausgequetscht wie Zitronen, der Krankenstand steigt und dann bildet sich ein Kreislauf, der nicht mehr einzudämmen ist" Harald Hammer, Geschäftsstellenleiter der EVG in Regensburg

Von möglichen Verbesserungen sollten aber nicht nur Lokführer profitieren, so Hammer, sondern auch Zugbegleiter und andere Angestellte.

Politiker empören sich über Zugausfälle

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion hält die gehäuften Zugausfälle für inakzeptabel. Die Abgeordnete Inge Aures spricht von einer Schande, "dass in einem so wichtigen Industrieland wie Deutschland die Züge nicht planmäßig verkehren". Die SPD-Politikerin kritisiert das Personalmanagement der Länderbahn.

"Früher war Lokführer ein Traumberuf. Heute fehlt es an einer langfristigen und vorausschauenden Personalplanung. Es wird lediglich auf immer wiederkehrende Notfälle reagiert. Das kann es nicht sein." Inge Aures, SPD Landtagsabgeordnete

Der Grünen-Abgeordnete Jürgen Mistol aus Weiden in der Oberpfalz findet den am Montag veröffentlichten Notfallplan der Länderbahn eine Zumutung für die Fahrgäste. Mistol sagt, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) und die Staatsregierung müssen handeln.

"Eine Ursache für diesen Zustand sind die Ausschreibungsverfahren der BEG. Sie müssen kurzfristig Schritte einleiten um den Personalmangel, der die Zugausfälle verursacht, zu beheben. Langfristig müssen unbedingt die Ausschreibungsverfahren geändert und ein Lokführerreservepool, wie in Baden-Württemberg, aufgebaut werden" Jürgen Mistol, Grünen-Landtagsabgeordneter

Betroffene Strecken

Betroffen von den Zugausfällen ab Dienstag (16.07.) sind die Verbindungen des Alex-Nord-Zugs München-Regensburg-Schwandorf-Prag/-Hof sowie der Oberpfalzbahn auf der Strecke Marktredwitz-Weiden-Regensburg sowie Schwandorf-Cham-Furth im Wald der Oberpfalzbahn.