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Burglengenfeld: Angeklagter gesteht versuchten Bombenanschlag | BR24

© BR/Margit Ringer

Polizist sitzt im Vordergrund und blickt auf die Anklagebank im Landgericht Amberg.

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    Burglengenfeld: Angeklagter gesteht versuchten Bombenanschlag

    Im Prozess um den gescheiterten Rohrbombenanschlag in Burglengenfeld hat der angeklagte 30-Jährige vor dem Landgericht Amberg ein Geständnis abgelegt. Die Detonation der Bombe scheiterte vor knapp zwei Jahren wegen eines Defekts am Zünder.

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    Von
    • Margit Ringer

    Ein 30 Jahre alter Mann hat am Vormittag vor dem Landgericht Amberg gestanden, eine Rohrbombe gebastelt zu haben, um die Polizei in Burglengenfeld damit zu schädigen.

    Keine Detonation weil Zünder defekt war

    Er habe zudem einen jungen Mann unter Druck gesetzt, die Rohrbombe auf dem Gelände der Polizeiinspektion abzulegen. Sie detonierte aber nicht, weil der Zünder defekt war. Über eine Erklärung seines Rechtsanwaltes legte der 30-Jährige ein Geständnis ab, nachdem Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger ein sogenanntes "Rechtsgespräch" geführt hatten.

    Ursache für Tat: Mann entwickelte Hass auf Polizei

    Auslöser für die Tat war eine Polizeikontrolle im Januar 2019. Dabei hatte der heute 30-Jährige versucht ein Tütchen mit Methamphetamin zu schlucken, was Polizisten verhindern konnten. Diese Kontrolle habe er als ungerecht und demütigend empfunden, sodass sich Hassgedanken und Rachegelüste gegenüber der Polizei entwickelt hätten, so die Erklärung des Rechtsanwalts.

    Diese Gedanken seien auch wegen seines damaligen Drogenkonsums entstanden, heute "würde ich das nicht mehr machen" sagte der 30-jährige Konstruktionsmechaniker. Er habe der Polizei einen Denkzettel verpassen wollen, sich Material besorgt oder über andere besorgen lassen und im Keller eine Rohrbombe gebastelt. In dem selbst gebastelten Gegenstand steckten zehn Gramm Quecksilber sowie weitere Treibladungsstoffe.

    Polizisten sollten Haare und Zähne ausfallen

    Durch die Kontamination mit dem Quecksilber sollten den Polizisten Haare und Zähne ausfallen, trug der Rechtsanwalt in der Erklärung des 30-Jährigen vor. Abgelegt hat die Rohrbombe ein extra angeheuerter Komplize, den der 30-Jährige nach eigenen Angaben unter Druck setzte und ihm Bargeld und Tabletten versprach. Der Mitangeklagte – ebenfalls Drogenkonsument - sagte heute vor Gericht, er habe die Bombe entschärfen wollen und habe sie deshalb in einem Neubaugebiet abgelegt. Dort habe er sie gezündet.

    Urteil voraussichtlich Ende Januar

    Die Staatsanwaltschaft hingegen geht davon aus, dass die Bombe auf dem Gelände der Polizei abgelegt wurde. Im Rechtsgespräch haben Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger keinen Strafrahmen festgelegt. Die Beweisaufnahme verkürzt sich allerdings, da viele Zeugen und mehrere Sachverständige nicht mehr aussagen müssen. Das Urteil könnte Ende Januar fallen.

    Da die Ermittler zunächst einen extremistischen Hintergrund nicht ausschließen konnten, ermittelte die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus der Generalstaatsanwaltschaft München. Der heute 30-Jährige war geflohen und konnte im März 2019 auf Mallorca festgenommen werden, wo er sich in der Villa einer Bekannten versteckt haben soll. Das Landgericht Amberg hat mehrere Prozesstage bis zum 18. Januar angesetzt.

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