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Bunte Wiesen: Hotspots heimischer Artenvielfalt | BR24

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Auf landwirtschaftlichen Nutzwiesen wachsen oft nicht mehr als zehn Pflanzenarten. Sie sind weit entfernt von den 50 bis 60 möglichen Arten, die auf Wiesen wachsen könnten.

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Bunte Wiesen: Hotspots heimischer Artenvielfalt

Artenreiche Wiesen sind die Schatzkästlein der Artenvielfalt. Die Landesanstalt für Landwirtschaft testet mit der Mahdgut-Übertragung von Spender-Wiesen eine Anreicherung von Grünland mit mehr heimischen Arten. Erste Erfolge stellen sich bereits ein.

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Blühwiesen - in der Regel sind das vom Menschen gemachte Naturlandschaften. Sie müssen gepflegt werden, bringen aber wenig Ertrag. Eigentlich ein Todesurteil in der heutigen Landwirtschaft, in der vor allem Masse zählt.

"Wir haben eine Entwicklung in letzten 60, 70 Jahren, dass die Landwirtschaft intensiver wird. Es wird mehr gemäht, mehr gedüngt, rationeller gearbeitet. Das hat zur Folge, dass die Pflanzenarten, die damit zurechtkommen, weniger werden." Dr. Gisbert Kuhn, Institut für Agrarökologie, Freising

Paradies für Hummeln, Libellen, Laubheuschrecken

Mancherorts gibt es sie noch: Wiesen, die bunt und lebendig sind. Hohes Gras, bunt gesprenkelt mit tausend Blüten. Überall summt es, Grashüpfer springen hervor. Hohe Halme, die beim Vorbeigehen an den Waden kitzeln. Bei Milchbauer Andreas Strasser aus Geisenhausen bei Landshut kann man selten gewordene Wunder bestaunen: Glockenblume, Heilzist, Knöllchensteinbrech, Walderdbeere, Wiesenblatterbse. Auf seiner Wiese, dem sogenannten Buckel, wachsen 69 verschiedene Blumen, Gräser und Kräuter.

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Milchbauer Andreas Strasser aus Geisenhausen ist 2018 zum "Bayerischen Wiesenmeister" gekürt worden.

Artenreiche Wiesen stark bedroht

Auf normalen Nutzwiesen, dem sogenannten Intensivgrünland, wachsen oft nicht mehr als zehn Arten. Es bleiben also langfristig nur wenige Arten, wie etwa der Löwenzahn, übrig. Selbst auf sogenannten KULAP-Wiesen, die später und nicht mehr so oft gemäht werden, steigt die Artenvielfalt nicht über die 15 bis 20 üblichen Arten hinaus. Sie sind also oft weit entfernt von den fünfzig bis sechzig möglichen Arten.

Wiesen als Hotspots heimischer Artenvielfalt

Was tun, um mehr Arten auf die Wiese zu kommen? Eine Möglichkeit wäre, Saatgut, das es zum Beispiel auch für den Hausgärtner im Gartenmarkt gibt, auszubringen. Doch von diesem Saatgut rät die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft ab. Erstens haben in der Regel heimische Insekten davon nichts, weil der Blütezeitpunkt nicht stimmt. Zweitens bekommen die Pflanzen im kalten Winter ein Problem.

"Wenn man kein Regiosaatgut kauft, kann man sich fast drauf verlassen, dass es irgendwo in Südeuropa produziert wird. Wenn man das hier als einjährige Pflanze haben möchte, ist es kein Problem. Aber wenn man dauerhaft eine Wiese begrünen wird, ist das schon ein Problem. Denn irgendwann kommt ein kalter Winter, und dann haben solche Arten ein echtes Problem." Dr. Sabine Heinz, Biologin, Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising.

Andererseits ist zertifiziertes Wildblumensaatgut, das aus der Region stammt und damit auch für bedrohte Insekten wertvoll ist, meist sehr teuer. Doch es gibt eine vergleichsweise günstige Alternative. Sie heißt Mähgut- beziehungsweise Mahdgut-Übertragung und ist mit den üblichen landwirtschaftlichen Maschinen und Kenntnissen zu bewerkstelligen. Das Verfahren wird wissenschaftlich von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising begleitet.

Blühwiesen kopieren - Mahdgut von der Spender-Wiese

So funktioniert die Mähgut-Übertragung: Zunächst fräst der Landwirt streifenweise ungefähr ein Viertel der Wiesenfläche - so wie er einen Acker zur Ansaat vorbereiten würde. Darauf wird dann Gras von einer Spender-Wiese verteilt, das unmittelbar vorher auf einer artenreichen Fläche in der Nähe gemäht wurde. Wichtig ist der Zeitpunkt der Mahd: Die Spender-Wiese muss gemäht werden, wenn die Samen der Wiesenmargeriten reif sind, denn dann haben auch die meisten anderen Wiesenblumen reife Samen.

© Dr. S. Heinz/Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, LfL

Mähgut, das von einer artenreichen Wiese stammt, wird auf artenarmes Grünland in Wollishausen übertragen.

Infos und Linktipps

  • Mahdgut-Übertragung: Dr. Sabine Heinz, Agrarwissenschaftlerin, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, LfL; www.lfl.bayern.de/artentransfer
  • KULAP: KULAP ist die Abkürzung für das bayerische "Kulturlandschaftsprogramm". Daraus bekommen Landwirte Ausgleichszahlungen für umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen; www.stmelf.bayern.de/kulap
  • Bayerische Wiesenmeisterschaft: Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft kürt jedes Jahr Landwirte, die sich besonders für naturbelassene Wiesen einsetzen; www.lfl.bayern.de/Wiesenmeisterschaft