BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Bundesweite Premiere: Bundeswehr beginnt mit PFC-Sanierung | BR24

© BR/Henry Lay

PFC-Sanierung in Manching

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bundesweite Premiere: Bundeswehr beginnt mit PFC-Sanierung

Nach Jahren des Wartens kommt langsam Bewegung in die Sanierung der Bundeswehr-Flugplätze, die mit giftigem Löschschaum verseucht sind. Dieser Schaum enthält die Chemikalie PFC. Wenn sie ins Grundwasser gelangt, kann sie die Gesundheit schädigen.

2
Per Mail sharen

PFC ist eine langlebige Chemikalie. Deshalb kann sie das Grundwasser kontaminieren und die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Nach jahrelangen Protesten von Anwohnern hat jetzt die PFC-Sanierung am Flugplatz in Manching begonnen. Der oberbayerische Luftwaffenstützpunkt ist bundesweit der erste Standort, an dem die Bundeswehr das Problem angeht.

"Der Flugplatz Ingolstadt/Manching ist die erste Liegenschaft, auf der eine Grundwasserkontamination mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) saniert wird. Hierzu hat die Bundeswehr einen umfangreichen Maßnahmenkatalog erstellt, der im November 2019 durch das Landratsamt Pfaffenhofen a.d. Ilm gebilligt wurde." Aline Speh, Pressesprecherin beim Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr

Sanierung in Manching - bundesweite Blaupause

Die Sanierungsmaßnahmen starteten am Montag, 20.07.2020, mit dem Bohren eines Brunnens. Ziel ist, in den nächsten Jahren mithilfe von insgesamt fünf Brunnen eine hydraulische Sperre - eine so genannte Abstromsicherung - zu errichten. Sie soll verhindern, dass noch mehr verseuchtes Grundwasser die Grenze der Bundeswehr-Liegenschaft verlässt und auf Gemeindegebiet dringt. Die Sanierung in Manching sorgt bundesweit für Aufsehen, denn sie könnte zur Blaupause werden für den Umgang der Bundeswehr mit ihrem FC-Problem. Sie ist Teil des Altlastenprogramms der Bundeswehr.

PFC-Nachweis auf 28 Bundeswehr-Immobilien

Der Militärflugplatz Manching ist nur eine von vielen Flächen in Bundesgebiet, die mit PFC verunreinigt sind. Alleine die Bundeswehr listet 28 Liegenschaften, auf denen Kontamination mit PFC nachgewiesen wurde. In Bayern sind dies unter anderem der Fliegerhorst Erding, der Fliegerhorst Kaufbeuren, der Fliegerhorst Penzing, der Flugplatz Lechfeld, der Flugplatz Neuburg an der Donau, die Luttenseekaserne Mittenwald und die Otto-Lilienthal-Kaserne, Roth.

Weitere 24 Bundeswehrimmobilien unter PFC-Verdacht

Darüber hinaus gibt es weitere kontaminationsverdächtige Bundeswehr-Flächen, die derzeit im Rahmen des Altlastenprogramms bearbeitet werden. Auf bisher 24 von der Bundeswehr genutzten Liegenschaften habe sich der anfängliche Verdacht nicht bestätigt, erklärt die Bundeswehr im Gespräch mit dem BR.

Allein in Bayern 25 PFC-Standorte

© BR

Nach Jahren des Wartens kommt langsam Bewegung in die Sanierung der Bundeswehr-Flugplätze, die mit giftigem Löschschaum verseucht sind. Dieser Schaum enthält die Chemikalie PFC. Wenn sie ins Grundwasser gelangt, kann sie die Gesundheit schädigen.

Nach Angaben des Umweltministeriums gibt es allein in Bayern 25 Standorte mit einer nachgewiesenen PFC-Belastung. Betroffen sind neben Bundeswehrliegenschaften und einigen Standorten der US-Streitkräfte auch Industriegelände. Das erklärte das Ministerium auf eine Schriftliche Anfrage des Landtagsabgeordneten Florian Brunn (SPD) vom Dezember 2019.

In der PFC-Liste des bayerischen Umweltministeriums finden sich zum Beispiel die Raffineriestandorte Nürnberger Land, Neustadt an der Donau oder Münchsmünster, dazu die Militärflugplätze Manching und Neuburg, die Fliegerhorste Erding, Penzing, Kaufbeuren, der ehemalige NATO-Flugplatz Leipheim und der US-Flugplatz Katterbach.

Löschschaum meist der Grund für PFC-Belastung

Fest steht, dass die meisten Standorte durch den Einsatz von PFC-haltigem Löschschaum kontaminiert wurden. Das gilt auch für den Flugplatz Manching. Seit 2011 ist der Einsatz von PFC-haltigem Löschschaum europaweit verboten. Wie die Bundeswehr betont, wird die Chemikalie seitdem auch in Manching nicht mehr verwendet. 2012 wurde erstmals eine PFC-Verunreinigung eines Weihers außerhalb des Manchinger Militärgebiets festgestellt: Betroffen ist zum Beispiel der Lindacher Weiher. Er befindet sich in Sichtweite des Manchinger Militärflugplatzes. Allerdings wurde erst 2015 ein Zusammenhang mit dem ehemaligen Einsatz des PFC-haltigen Löschschaums durch die Bundeswehr hergestellt.

Bislang keine Schadensbehebung in Manching

Erst weitere drei Jahre später legte die Bundeswehr 2018 einen umfassenden Gefährdungsbericht vor, in dem sie ihre Verursacher-Rolle und das Ausmaß der PFC-Verunreinigung offenlegte. Im gleichen Jahr organisierte sich die Bürgerinitiative PFC Flugplatz Manching e.V.. Sie zählt rund 200 Mitglieder. Eine weitere Bürgerinitiative gründeten die Landwirte vor Ort. Neben der Tatsache, dass die Menschen in den beiden Manchinger Ortsteilen Westenhausen und Lindach seit 2018 ihre Gärten nicht mehr mit Grundwasser gießen dürfen, drohen den Grundstücks- und Hauseigentümern hohe Wertverluste. Der Markt selbst besitzt in dem betroffenen Gebiet rund 65 Hektar. Sowohl die Bürgerinitiativen als auch Manchings Bürgermeister monieren, dass die Bundeswehr sich mit der Schadensbehebung und – eindämmung zu viel Zeit gelassen habe.

Klage gegen BRD wegen PFC-Belastung

Die wachsende Ungeduld und die Sorge, dass Schadensersatzansprüche verjähren könnten, hat die Gemeinde Manching dazu motiviert, gegen die Bundesrepublik Deutschland zu klagen. Seit diesem Juni läuft das Feststellungsverfahren vor dem Landgericht Ingolstadt. Die Bundesregierung steht als Rechtsträgerin für die Bundeswehr vor Gericht. Denn diese hat unbestritten über viele Jahre hinweg PFC-haltigen Löschschaum verwendet und damit den Militärflugplatz Manching mit der gefährlichen Chemikalie verunreinigt und auch weitere Gebiete darüber hinaus.

Die gute Nachricht zum Auftakt

Doch unklar ist, wie groß der Schaden außerhalb des Militärgebiets ist und in welchem Umfang die Bundeswehr und mit ihr die Bundesregierung dafür geradestehen muss. Das alles soll nun vor Gericht festgestellt werden. Wie lange das dauert, ist völlig offen.

Manchings Bürgermeister Herbert Nerb wertet aber schon den Prozessauftakt als ersten Etappensieg:

"Es ist kein Zufall, dass die Bundeswehr jetzt im Juli mit der Sanierung beginnt und den ersten Probebrunnen bohrt. Wenn wir mit der Klage nicht den Druck im Kessel erhöht hätten, dann hätte das noch lange, vielleicht Jahre auf sich warten lassen." Manchings Bürgermeister Herbert Nerb

Bundesweit noch viele PFC-Fälle

Der Markt Manching hat bundesweit über 120 großflächige PFC-Verunreinigungen ausgemacht. Bis auf wenige Industrieflächen sind die betroffenen Gebiete noch nicht saniert. Für sie versteht sich die Gemeinde mit ihrer Klage als Vorreiterin.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!