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Bundeswehr unterstützt Pflegekräfte in Altenheimen in Passau | BR24

© BR/Konstantin König

Die Bundeswehr in Passauer Seniorenheimen: Der Einsatz wurde mit dem Katastrophenschutz der Stadt Passau koordiniert. Die Heimleitung ist froh über die Unterstützung.

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Bundeswehr unterstützt Pflegekräfte in Altenheimen in Passau

Da sich in zwei Seniorenheimen in der Stadt Passau dutzende Pflegekräfte und mehr als 125 Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt haben, unterstützen dort ab sofort Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr die Versorgung.

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Von
  • Konstantin König
  • Anne-Lena Schug

Soldatinnen und Soldaten des Aufklärungsbataillon 8 aus Freyung unterstützen jetzt die Pflegekräfte in zwei Passauer Seniorenheimen: In den betroffenen Einrichtungen haben sich zusammengezählt über 150 Bewohnerinnen und Bewohner und fast 50 Mitarbeitende mit dem Coronavirus infiziert.

Malteser-Heimleitung erleichtert über die Hilfe

Im Malteser-Altenheim St. Nikola werden seit heute sechs Soldatinnen und Soldaten eingesetzt. Claudia Hartinger, die Hausleitung des Malteserstifts St. Nikola, zeigt sich im BR-Interview erleichtert über die Unterstützung: "Ich bin so dankbar, ich kann es gar nicht sagen. Die Covid-19-Ausbrüche sind sehr belastend für unsere Bewohner - aber natürlich auch für unsere Mitarbeiter. Seit fast drei Wochen herrscht ein striktes Besuchsverbot. […] Die Mitarbeiter haben auch Angst, den Virus mit nach Hause zu nehmen."

Schutzausrüstung für Soldatinnen und Soldaten

Die Soldaten werden bei ihrem Einsatz in den Pflegeheimen eine komplette Schutzausrüstung tragen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, erklärt der Bundeswehr-Pressesprecher Reinhard Jäger auf BR-Anfrage. Trotzdem kommen sie nicht direkt in Kontakt mit Covid-19 Patienten. Diese sind in extra Pflegestationen untergebracht und werden nur vom Personal der Pflegeheime betreut.

Bundeswehr-Soldaten arbeiten nicht direkt am Patienten

Die Soldatinnen und Soldaten werden nicht direkt am Patienten arbeiten, sondern Tätigkeiten im Hintergrund durchführen, zum Beispiel frische Wäsche austeilen, Lebensmittel und Getränke einlagern, Mahlzeiten zubereiten oder die Post verteilen. Damit sollen die Mitarbeiter des Seniorenheims so entlastet werden, dass sie mehr Zeit für die Bewohner haben.

Hilfe auch für das Betty-Pfleger-Seniorenheim

Auch im Betty-Pfleger-Seniorenheim der AWO, dem zweiten Seniorenheim mit hohen Fallzahlen in Passau, werden die Soldatinnen und Soldaten für diese Aufgaben eingesetzt, wie eine Sprecherin auf BR-Anfrage mitteilte. Der Einsatz der Bundeswehr wurde mit dem Katastrophenschutz der Stadt Passau koordiniert. Markus Spieleder vom Aufklärungsbataillon 8 aus Freyung ist für die zivil-militärische Zusammenarbeit zuständig. Er koordiniert den Einsatz am Malteserstift St. Nikola: "Wir unterstützen das Malteserheim, um dem Pflegepersonal die Zeit freizuschaufeln, damit es sich wieder um die Pflege kümmern kann. Wir werden Verwaltungstätigkeiten übernehmen, Postgänge und Essensverteilung." Weil viele Mitarbeiter erkrankt sind, müssen die verbleibenden viele Überstunden leisten.

© BR/Konstantin König

Da sich in zwei Seniorenheimen in der Stadt Passau dutzende Pflegekräfte und mehr als 125 Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt haben, unterstützen dort ab sofort Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr die Versorgung.

In 15 Städten in Niederbayern und der Oberpfalz im Einsatz

Allein in Niederbayern und der Oberpfalz hilft die Bundeswehr jetzt in 15 Städten mit. Eine BR-Umfrage bei allen Gesundheitsämtern in Bayern hat ergeben, dass die meisten Gesundheitsämter massiv überlastet und überfordert sind. Die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten sind vor allem zur Unterstützung in den Ämtern im Einsatz. Ihre Aufgabe ist die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Infizierten. Das sind klassische Telefondienste.

Die Soldaten sitzen an einem Schreibtisch im Gesundheitsamt und telefonieren Listen mit Kontaktpersonen ab. Im Gesundheitsamt in Landkreis Freyung-Grafenau helfen zum Beispiel derzeit zehn Soldatinnen und Soldaten. Dieses bestehende Team bleibt wohl noch bis Ende des Jahres dort. Am Anfang wurden die Soldatinnen und Soldaten von MitarbeiterInnen des Gesundheitsamts eingelernt. Außerdem gibt es für die Telefonate vorgefertigte Fragebögen und Handlungshinweise.

Landkreise können Bundeswehr um Amtshilfe bitten

Eigentlich sind für den Katastrophenschutz und die Gesundheitsversorgung die Landkreise und die kreisfreien Städte verantwortlich. Doch bei Überforderung können sie um Amtshilfe bitten und sich dabei auch an die Bundeswehr wenden. Die müssen in einem Antrag eine besondere Belastung nachweisen. Ein hoher Inzidenzwert, wie etwa in Freyung-Grafenau, führt auf jeden Fall zu so einer besonderen Belastung.

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