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Bundeswehr in Bayern: Reservisten für den Heimatschutz | BR24

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2011 war ein Schicksalsjahr für viele Bundeswehrstandorte in Bayern. Für fünf Standorte hatte der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière das komplette Aus verkündet.

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Bundeswehr in Bayern: Reservisten für den Heimatschutz

Erst Personalabbau, jetzt wieder Aufbau: Bei der Bundeswehr in Bayern ist der Wandel zu spüren. Der Fliegerhorst in Kaufbeuren bleibt nun doch als Standort erhalten. Wie schaut es mit dem Rest der Bundeswehrtruppe im Freistaat aus?

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Die Bundeswehr hat an vielen Stellen zu kämpfen: marode Hubschrauber, Fälle von Rechtsextremismus in den Stuben und akuter Personalmangel. Das soll sich ändern, denn die deutschen Streitkräfte stellen sich neu auf. Auch in Bayern ist der Umbruch zu spüren.

Die Bundeswehr schrumpfte ihre Streitkräfte in Bayern in den vergangenen acht Jahren von 50.000 auf 30.000 Dienststellen ein. Diese waren verteilt auf etwa 68 Standorte. In den kommenden fünf Jahren sollen laut Bundeswehr noch sechs Standorte in fünf Städten geschlossen werden. Dazu zählen Penzing, Fürstenfeldbruck, Feldafing und Erding.

In diesem Sommer gab es aber auch Neuigkeiten, die in eine andere Richtung zeigen: Die Bundeswehr will deutschlandweit elf Standorte erhalten, die eigentlich geschlossen werden sollten. In Bayern soll der Fliegerhorst in Kaufbeuren – anders als geplant - weiterbetrieben und sogar ausgebaut werden.

Luftwaffe geht, Sanitäter und Feldjäger kommen

Auf dem Fliegerhorst in Kaufbeuren befindet sich seit 1957 ein technisches Ausbildungszentrum der Luftwaffe. Die Luftwaffe soll zwar abgezogen werden, dafür kommen ab 2024 Sanitäter und Feldjäger ins Allgäu. Insgesamt sollen das etwa 1.200 Soldaten sein.

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) spricht von einer emotionalen Zeit: "Es ging rauf und runter und wir waren ganz unten 2011." Die Bundeswehr sei einer der größten Arbeitgeber am Ort gewesen. "Und es gab keine Folgenutzung, die greifbar gewesen wäre für dieses riesige Gelände." Die Stadt hätte sich in den letzten Jahren bemüht, andere Nutzungen auf das Gelände zu bringen, aber das sei nicht gelungen. "Und insofern sind wir jetzt froh, dass es so ausgegangen ist", sagt Bosse.

Bundeswehr sollte erst schrumpfen, dann doch wachsen

Die Bundeswehr ist eigenen Angaben zufolge deutschlandweit mehr als 25 Jahre lang verkleinert worden. Als starker Einschnitt gilt hierbei die Reform im Jahr 2011 unter dem damaligen Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière. Das Ziel: weniger Soldaten, weniger Waffen, weniger Standorte, weniger Bürokratie und im Endeffekt weniger Kosten.

Nachdem dieses Vorgehen stark an die Substanz der Truppe und des Materials ging, gab es eine Kehrtwende. "Im Zuge der Veränderungen der sicherheitspolitischen Lage rund um das Jahr 2014 und der damit einhergehenden wachsenden Aufgaben für die Truppe, musste dieser Trend gestoppt und umgekehrt werden", teilt die Bundeswehr mit.

Mit Erfolg: Seit 2016 sei die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten um mehr als 6.000 gestiegen.

Reservisten gegen den Personalmangel

Seit sechs Monaten testet die Bundeswehr im Freistaat außerdem ein neues Konzept. Als erstes Bundesland ist in Bayern im Mai ein Landesregiment im mittelfränkischen Roth in Dienst gestellt worden, bei dessen feierlicher Eröffnung im Stadtpark Roth die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) teilnahm. Das Landesregiment soll laut Bundeswehr den Personalmangel ausgleichen. Es besteht hauptsächlich aus Reservisten, also ehemaligen Soldaten.

Die Bundeswehr plante das Landesregiment mit 500 Stellen. Den Angaben zufolge sind aktuell 75 Prozent davon besetzt. Die Reservisten haben alle mindestens die Grundausbildung bei der Bundeswehr hinter sich.

Bayern mit Vorreiterrolle

Geleitet wird das Regiment durch das Landeskommando Bayern in München. Als Kommandeur an der Spitze steht ein Oberst der Reserve, Stefan H. Berger. Er zeigt sich zufrieden über den bisherigen Verlauf. Das Landesregiment Bayern sei zukünftig durchaus als eine Alternative zur Wehrpflicht zu sehen, sagt er.

"Durch die engagierten Reservisten, die den größten Personalanteil des Landesregiments stellen, scheint es als Zukunftsmodell der Bundeswehr für den Heimatschutz sehr aussichtsreich", sagt Oberst Berger. "In jedem Fall ist es ein wertvoller eigener Beitrag der Bürgerinnen und Bürger in Uniform im Rahmen des freiwilligen Dienstes für unser Land.“

Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger gewährleisten

Die Reservisten unterstützen die Soldaten der Bundeswehr hauptsächlich an Wochenenden bei Aufgaben wie der Instandhaltung und Sicherung der Bundeswehr-Einrichtungen. Aber sie müssen auch ausrücken bei Hochwasser und starkem Schneefall.

"Das Landesregiment soll bei Großschadenslagen, etwa bei Naturkatastrophen oder Anschlägen, gemeinsam mit den Blaulichtkräften die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger gewährleisten", erklärt Berger.